Und wie geht es uns morgen?

heinrich

Olaf Heinrich, CEO, DocMorris

Spätestens seit dem Bundeswahlkampf ist die Digitalisierung eine der Top-Themen in Politik und Gesellschaft, und das mit Blick auf Europa. Denn die digitale Wirtschaft und der Handel machen keinen Halt an Bundes- und Ländergrenzen. Ein Grund, sich mit dem Fortschritt durch Digitalisierung in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen zu befassen.

Der Begriff „Digitalisierung“ ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie wird zu einer zunehmenden Normalität. Deshalb ist es unsere Aufgabe als die Apotheke DocMorris den Menschen zu zeigen, wie die Digitalisierung im Gesundheitssystem das Leben bereichert und – wenn gewünscht – auch einfacher macht. Im Alltag des Einzelnen hat die Digitalisierung längst ihren Platz gefunden, von Online-Recherchen bis zu Online-Einkäufen, vom Smartphone bis zum Smart Home. Die Verbraucher entscheiden – und zwar jeder für sich – , welche Angebote sie wo und wie nutzen wollen. Das gilt auch für den Gesundheitsmarkt: von der elektronischen Gesundheitskarte über die Medizin-Apps bis zur Versandapotheke.

Es ist daher unsere Aufgabe, glaubhaft und praktisch zu beweisen, dass der technische Fortschritt uns nicht daran hindert zu entscheiden, wie wir zusammenarbeiten und leben wollen. Denn kein Unternehmen und auch keine Regierung werden den digitalen Wandel aufhalten können. Dafür brauchen wir neues Denken – insbesondere im Gesundheitswesen, wo Deutschland weit hinter Ländern wie Norwegen, Dänemark, Estland liegt.  Wir müssen begreifen, dass der Patient der Treiber für den digitalen Fortschritt ist. Längst sind Erkrankungen granularer geworden und der Wunsch nach individueller sowie Lebensqualität verbessernder Beratung ist deutlich gestiegen. Mit Hilfe von Apps und digitaler Vernetzung rückt der Patient seine Gesundheit in den Mittelpunkt, und er erwartet zu Recht, dass alle Player im Gesundheitsmarkt – Krankenkassen, Ärzte und Apotheker, im Übrigen auch die Industrie – seiner Lebenssituation gerecht werden.

Neues Denken schafft Nähe. Denn mit Hilfe digitaler Angebote kann es gelingen, Distanzen abzubauen und den Arzt und den Apotheker nach Hause zu holen oder – dank Apps – von unterwegs zu konsultieren. Ein Beispiel für progressiven Umgang mit digitalen Services ist die Telemedizin. So wurde in Baden-Württemberg jüngst ein Paradigmenwechsel eingeleitet: Obwohl erst 2016 das Verbot der ärztlichen Fernbehandlung vom Gesetzgeber zementiert wurde, haben die Ärzte in Baden-Württemberg die ärztliche Berufsordnung geändert: Modellversuche zur Fernbehandlung starten.

Neues Denken schafft Wissen. Digitale Plattformen ermöglichen es, von den Patienten selbst erhobene Gesundheitsdaten – vom Puls über den Diabeteswert bis zur Herzerkrankung – mit Daten aus dem professionellen medizinischen Bereich zu verknüpfen. Sie ermöglichen, neben einem vielleicht lebenswichtigen Monitoring, fortschrittliche neue Ansätze für individuelle Therapien, zugeschnitten auf den einzelnen Patienten. Schon heute stellen Patienten berechtigte Fragen: „Warum gibt es keinen digitalisierten Medikationsplan, der mittels QR-Code von allen Ärzten, aber auch allen Apothekern ausgelesen werden kann – weltweit?“ oder „Warum haben wir keine elektronische Patientenakte mit allen aktuellen Laborwerten und Röntgenbildern?“ Und „Warum gibt kein e-Rezept?“ Der souveräne Patient, der selbst die Datenhoheit behält, fordert mehr Transparenz. Datenschutz vorausgesetzt.

Deshalb braucht neues Denken Freiräume. Die Gesundheitswirtschaft ist einer der größten deutschen Wirtschaftssektoren und macht rund 12 Prozent des Bruttoinlandproduktes und rund 10,2 Prozent des deutschen Außenhandelsüberschusses aus. Immer mehr hochinnovative Produkte zur Behandlung, Diagnose und Therapie werden entwickelt, auch dank Digitalisierung. Noch immer gibt es hohe Eintrittsbarrieren in den Markt. Das Tempo der Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft wird gebremst. Deutschland verliert den Anschluss an andere europäische Länder und läuft Gefahr das intuitive Patientenverhalten zu ignorieren. Dabei stehen wir vor großen Herausforderungen, wie dem demografischen Wandel. Wir brauchen Veränderungen! Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, um digitale, ganzheitliche Lösungen zu realisieren. Nur wenn wir die Idee der Plattform-Ökonomie auch in der Gesundheitswirtschaft vorantreiben, werden wir das deutsche Gesundheitswesen sichern. Deshalb ist es höchste Zeit sich die Frage zu stellen: Und wie geht es uns morgen? Wir als Unternehmen sehen es als unsere Aufgabe an, diese Frage schnellstmöglich mit digitalem Fortschritt zum Wohle des Patienten zu beantworten.