Mit digitaler Gesundheitsversorgung zu medizinischen Durchbrüchen

Aylin Tuzel, Country Manager von Pfizer in Deutschland, sprach im Rahmen der Handelsblatt Health Annual Conference darüber, wie digitale Technologien zu medizinischen Durchbrüchen verhelfen und PatientInnen unterstützen können – wenn die Bedingungen stimmen.

COVID-19 ist ein Katalysator für Innovationen im Bereich der digitalen Gesundheit. Das gilt für die Gesellschaft im Allgemeinen – wir verfolgen unsere Kontakte digital, wir melden uns in Restaurants per QR-Code an und sind bereit, unseren digitalen Impfpass an jedem Eingang vorzuzeigen – wie auch für uns bei Pfizer im Speziellen. Im Jahr 2020 haben wir in nur zehn Monaten gemeinsam mit unserem Partner BioNTech etwas vollbracht, wofür es sonst zehn Jahre braucht: Die Entwicklung eines Impfstoffes bis zum Einsatz in der Praxis. Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei digitale Werkzeuge. In den klinischen Studien zum Impfstoff wurde bei der Bereinigung der Studiendaten für die Analyse ein Machine-Learning-Tool eingesetzt, das den Prozess um ein Vielfaches beschleunigt hat. Durch den Einsatz von Augmented Reality konnten wir die Diagnose und Reparatur von Geräten in den Labors und Produktionsstätten ermöglichen, ohne dass Experten zu den einzelnen Standorten reisen mussten.

Daten sind der Schlüssel für Innovationen und medizinische Durchbrüche
Digitale Technologien spielen heute in allen Bereichen der pharmazeutischen Industrie eine entscheidende Rolle. Das zeigt sich beim Blick auf das Herzstück unseres Geschäfts bei Pfizer, die Forschung: Mit der wachsenden Zahl klinischer Studien nimmt auch die Menge der produzierten Daten rapide zu. Das birgt ein großes Potenzial für medizinische Innovationen, stellt uns aber auch vor enorme Herausforderungen. Allein in der Onkologie wurden im vergangenen Jahr 1.700 klinische Studien begonnen – ein Anstieg um 60 % im Vergleich zu 2015. Bei der Verwaltung und Analyse dieser gigantischen Datenmenge spielt künstliche Intelligenz heute eine wichtige Rolle. Klug eingesetzt, wird sie helfen, viele weitere individualisierte Therapien zu entwickeln und Krankheiten wie Krebs präziser und gezielter zu behandeln.

Daten sind nur wertvoll, wenn wir sie auch nutzen können
Voraussetzung für die Nutzung dieser Daten ist jedoch ein Rechtsrahmen, der das auch möglich macht. So weit sind wir in Deutschland aber noch nicht. Abgesehen von klinischen Studien werden heute im Gesundheitssystem riesige Mengen an Gesundheits- und Forschungsdaten gesammelt. Sie sind jedoch derzeit für die private Forschung nicht zugänglich. Das zeigt sich am Beispiel der digitalen Patientenakte (ePA): Ab 2023 können Patienten freiwillig diese Gesundheitsdaten in anonymisierter Form der Forschung zur Verfügung stellen. Der Haken: In der geplanten Form werden die Daten nur Leistungserbringern zugänglich sein, die an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, zum Beispiel Ärztinnen und Ärzten. Die Industrie und damit große Bereiche der medizinischen Forschung, bleiben außen vor. Für künftige Innovationen ist ein Zugang zu diesen anonymisierten Daten aber entscheidend.

Prävention ist die Grundlage für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung der Zukunft.
Bei aller Euphorie über die Möglichkeiten, die Datenerfassung und Digitalisierung uns eröffnen, dürfen wir eines nicht außer Acht lassen: Der digitale Wandel wird nur gelingen, wenn er nicht eigennützig ist. Er ist Mittel zum Zweck: ein größtmöglicher Nutzen für Patientinnen und Patienten. Dieser Nutzen ist dann am größten, wenn wir Krankheiten von vornherein verhindern können, oder wenn wir Menschen helfen können, sie zu überwinden oder besser mit ihnen zu leben. Digitale Technologien können uns dabei helfen, den Schwerpunkt von der Behandlung immer weiter auf die Prävention zu verlagern. Das ist ein grundsätzlicher Wandel im Mindset, der für ein widerstandsfähiges Gesundheitssystem der Zukunft unabdingbar ist. Künftig müssen wir Technologien einsetzen, um Krankheiten zu verhindern, die Gesundheitsvorsorge zu stärken und Änderung des Lebensstils zu unterstützen. Mein Appell geht daher an alle Akteure im Gesundheitssystem: Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um neue Versorgungsmodelle zu entwickeln und Patientinnen und Patienten eine effektive (digitale) Versorgung zu bieten.

Aylin Tuzel, ist seit Mai 2021 Country Manager, Pfizer Pharma GmbH. Zuvor war sie als Vaccines Lead Germany für das Impfstoffgeschäft in Deutschland verantwortlich. Die gebürtige Istanbulerin begann ihre Karriere 1994 bei Pfizer, wo sie sowohl auf nationaler wie globaler Ebene arbeitete.