Freie Fahrt für Investitionen

von Dr. Katharina Ladewig

Ferrari hat in dieser F1-Saison eindrücklich gezeigt, dass ein exzellenter Ruf, eine hochqualifizierte Mannschaft sowie harte Arbeit allein nicht reichen, wenn das Fahrzeug nicht reibungslos läuft. Ein wenig erinnert das an das deutsche Gesundheitswesen. Deutschland verfügt über eines der stabilsten Gesundheitssysteme der Welt und seine Medizintechnik ist absolute Weltklasse. In gewisser Weise hält Deutschland damit die Pole Position im Rennen der digitalen Entwicklung im Gesundheitswesen. Aber das Rennen entwickelt sich gerade weiter. Die digitale Revolution ist nicht nur eine technologische. Sie greift auch in gewachsene Strukturen ein. Das bedeutet nicht, dass das Rad oder der Wagen neu erfunden werden müssen. Aber ein paar Anpassungen in der Konstruktion, die braucht es eben doch. Als Europäisches Institut für Innovation und Technologie in der Gesundheitsbranche (EIT Health) begleiten wir seit Jahren digitale Innovationen auf ihrem Weg in den Markt und kennen die Herausforderungen, vor denen digitale Startups stehen. Zentral sind dabei zwei Dinge: finanzielle Unterstützung und inhaltliche Unterstützung, insbesondere der Zugang zu Wissen um Versorgungsbedarfe und regulatorische Beratung.

Hier kommen Investorennetzwerke ins Spiel. Sie verleihen der Digitalisierung des Gesundheitssystems Schubkraft und tragen den Veränderungen im Rennen Rechnung. Darum haben der Europäische Investment Fund (EIF) und EIT Health mit Unterstützung des Bundesamts für Soziale Sicherung das Venture Center of Excellence (VCoE) ins Leben gerufen. Das VCoE sieht vor, strategische Investoren zu gewinnen, die ihre Versorgungsbedarfe formulieren. Deren finanzielle Investition wird durch die Europäische Kommission ergänzt und vom EIF investiert. Zudem schlägt der EIF den Investoren Co-Investments vor, die zur Bedarfsstrategie des Investors passen. Über EIT Health erhalten die Investoren Zugang zu Europas größtem Startup Ökosystem in der Gesundheitsbranche und ein Netzwerk an herausragenden Partnerorganisationen.

Insbesondere für Krankenkassen ergeben sich dadurch eine Reihe von Vorteilen. Das VCoE ist ein effektives und gleichzeitig relativ risikoarmes Instrument, um die neue Investitionsfreiheit des Digitalen Versorgungsgesetzes zu nutzen. Vor allem aber können Versicherungen dadurch mitgestalten. Mit ihrer Beteiligung fördern sie gezielt diejenigen Innovationen, die dem wahren Versorgungsbedarf entsprechen. Ihre Investition wirkt dabei zusätzlich als Gütesiegel und zieht weitere Unterstützer an, die damit sowohl die Entwicklung der Innovation beschleunigen als auch das Risiko der Investition senken. Im VCoE verbinden sich die Stärken der entscheidenden Akteure für ein digital starkes Gesundheitswesen. Noch steht die Digitalisierung der Gesundheit am Anfang und das Rennen ist offen. Nutzen wir diese Situation und fahren wir voraus! ■

Dr. Katharina LadewigDr. Katharina Ladewig,
Managing Director,
EIT Health Germany

EIT Health

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Fotos: EIT Health Germany, iStockPhoto