Digitalisierung auf dem Prüfstand

Ein neuer eHealth-Monitor misst Deutschlands Fortschritte auf dem Weg in die digitale Gesundheitsversorgung

von Laura Richter und Tobias Silberzahn

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steht derzeit ganz oben auf der Agenda der politischen Verantwortlichen in Deutschland. Um noch weitere Fortschritte beim Thema eHealth zu machen, ist ein objektiver Überblick über den Status quo als gemeinsame Diskussionsbasis nützlich.

Der eHealth-Monitor
Diesen Überblick bietet fortan regelmäßig der neue eHealth-Monitor von McKinsey: Anhand von rund 30 Indikatoren untersuchen wir darin die digitale Reife und Infrastruktur deutscher Gesundheitseinrichtungen, überprüfen das Angebot von Leistungserbringern, Apotheken und Krankenkassen, analysieren die digitale Bereitschaft von Patienten und bewerten die Nutzeneffekte von eHealth im Spiegel der Forschung. Das eHealth App-Barometer misst außerdem den Erfolg von Gesundheits-Apps anhand der Download-Raten.

Erste Ergebnisse
Vor allem in den letzten zwei Jahren gab es viele Fortschritte (Stichwort ePA, eRezept, DiGA). Aber es gibt weiterhin noch viele Bereiche, in denen die Digitalisierung stärker vorangetrieben werden muss: Vor allem ambulante Praxen ticken vielerorts noch analog. 93% der Ärzte kommunizieren mit Krankenhäusern nach wie vor in Papierform. Rezeptbestellung via Homepage oder die elektronische Bereitstellung von Unterlagen sind nur in 15% der Haus- und Facharztpraxen verfügbar, 59% hatten bis 2019 keinerlei digitale Services für Patienten im Angebot. Patienten hingegen zeigen sich sehr offen für digitale Lösungen: Jeder Dritte nutzt bereits Online-Terminvereinbarungen und zwei von drei Deutschen begrüßen die Einführung von ePA und eRezept – selbst in der Generation 65plus sind es noch mehr als 60%. Die aktuelle Corona-Pandemie könnte insbesondere telemedizinischen Diensten zu ihrem Durchbruch verhelfen: 52% aller niedergelassenen Ärzte boten im Frühjahr 2020 Videosprechstunden an; Ende 2017 waren es gerade einmal 2%.

Nutzeffekte von eHealth-Lösungen
Neue Einsichten liefert der Monitor auch zu den Nutzeneffekten von eHealth-Lösungen, die erstmalig anhand der Forschungsliteratur ermittelt wurden. Mehr als 80% der deutschen Publikationen weisen einen positiven Nutzen von eHealth nach. Die Effekte zeigen sich überwiegend in der gesundheitlichen Verbesserung des Patienten (knapp 80% der betrachteten Studien), aber auch in
höherer Kosteneffizienz und Zeitersparnis. Deutschland hat schon jetzt durch seine Gesetzesinitiativen viel unternommen, um das Fundament für den digitalen Wandel zu legen. Insbesondere bei der Schaffung eines geregelten Marktzugangs für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) übernimmt Deutschland international eine Vorreiterfunktion. Nun wird es darum gehen, das Tempo der Transformation hochzuhalten, um zu den Ländern aufzuschließen, die bereits am Innenausbau ihres eHealth-Gebäudes arbeiten. ■

Laura Richter, Associate Partner, McKinsey & Company
Tobias Silberzahn, Partner, McKinsey & Company

 

McKinsey

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