Kurzinterview mit Ronald de Jonge, Partner & Operating Officer Public Sector, Sopra Steria

Wo stehen wir ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Krise in Bezug auf die Digitalisierung von Staat und Verwaltung? Welche Erfolgsgeschichten gibt es, und wo müssen wir noch nachziehen?
Homeoffice wird gerne als Musterbeispiel für Digitalisierung in den vergangenen zwölf Monaten strapaziert. Was vor der Pandemie mit Privilegien verbunden und wenigen Mitarbeitenden der Verwaltung vorbehalten war, ist nun der Mehrheit der Beschäftigten möglich. Die wahre Erfolgsgeschichte beginnt aber früher: Homeoffice wäre ohne E-Akte, E-Scannen und die Skalierungsfähigkeit der IT-Systeme nur sehr eingeschränkt möglich. Die medienbruchfreie Verarbeitung elektronischer Rechnungen öffentlicher Auftragnehmer kann man ebenfalls zu den positiven Meilensteinen zählen. Treiber ist das Online-Zugangsgesetz, mit dem einst starre Prozesse um leichtgängigere und akzeptablere Ansätze ergänzt bzw. teilweise ersetzt werden.

Überall im Land entstehen zudem digitale Lösungsbausteine, siehe Kfz-Zulassung und die Piloten für einen digitalen Impfausweis, die jetzt — ganz in föderaler Tradition — zusammengefügt werden. Oder es gibt es den umgekehrten Ansatz: Ein zentraler Chatbot-Basis-Dienst liefert die Blaupause, auf der einzelne Behörden aufsetzen und ihre lokale Lösung für automatisierte Bürgerkommunikation entwickeln und trainieren zu können. Der Bot C-19 zur COVID-19-Pandemie basiert auf diesem Baukasten, ebenso ein Bot des Zolls, der Fragen zum Brexit beantwortet.

Dennoch ist klar, dass noch eine weite Wegstrecke in Richtung digitale Verwaltung zurückzulegen ist. Die öffentliche Verwaltung weiterhin mit dem mobilen Arbeiten zu kämpfen hat. Das zeigt auch unsere aktuelle Resilienz-Studie. Der ganz große Transformationsschritt passiert zudem in den Köpfen der Beschäftigten. Und: Der Staat muss noch viel stärker selbst technische Lösungen anbieten, um souverän zu handeln und um im Wettbewerb um Standortvorteile mithalten zu können. Ein gutes Zeichen hierfür ist die zunehmende Öffnung gegenüber Startups. Die Govtech-Landschaft in Deutschland wird immer breiter. Uns als Sopra Steria ist daher wichtig, dass auch wir als End-2-End-Dienstelsiter, noch mehr in den Netzwerken und Plattformen unserer Kunden aktiv sind, um so ihre Transformation bestmöglich unterstützen zu können. Unsere Teilnahme an dem Corporate Engagement Program von public.io, übrigens als eines der ersten Beratungshäuser Europas, ist ein Element unserer eigenen Transformation.

Welche Insights möchten Sie beim Handelsblatt GovTech-Gipfel mit uns teilen?
Wichtig ist uns zu zeigen, dass Digitalisierungsfortschritt nicht allein an der Zahl der eingesetzten Computer und einzelnen Diensten und Services, wie beispielsweise dem Erstellen der Steuerklärung über das Internet, festzumachen ist. Wir werden vermitteln, wie Verwaltungen moderne Konzepte der Zusammenarbeit auf das Verwaltungshandeln übertragen können, ohne die klassische Organisation ganz aufzugeben. Wir nennen diese Parallelität Merged Bimodal Organization (MBO).

Zudem werden wir Ansätze vorstellen, wie Behörden Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit von Online-Diensten besser in Einklang bringen. Beide Seiten schließen sich nicht aus. Ein wichtiger Faktor für sichere Kommunikationslösungen in der Verwaltung sind beispielsweise Open-Source-Softwaretechnologien. Sie stärken zudem die Unabhängigkeit und die digitale Souveränität.

Verraten Sie uns noch etwas über sich, was wir so noch nicht wussten? Z.B. ein Hobby, Ihren Kindheitstraum o.ä.
Ich arbeite nun schon seit 1994 im und für den öffentlichen Dienst, die letzten 10 Jahre als externer Berater. Ich kann daher sagen, dass ich hier schon etwa gefunden habe, was mir großen Spaß bereitet. Wenn Sie mich danach fragen, was ein Kindheitstraum von mir ist, dann ist das sicherlich der Beruf des Seenotrettungspiloten, denn er vereint zwei meiner Leidenschaften auf einzigartige Weise: die Seefahrt und das Fliegen. Das war auch der Grund für meine erste berufliche Station als Marineoffizier.

Ronald de Jonge
ronald.de.jonge@soprasteria.com

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