So gelingt dank Wasserstoff die nachhaltige Transformation der Industrie


Um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, müssen wir in kürzester Zeit große Herausforderungen meistern. Ein wichtiger Schritt dabei ist, große Teile unserer Wirtschaft nachhaltig umzustellen, ohne ihre Wirtschaftskraft zu verlieren. Wie können wir das Erdgas ersetzen, das Stahlöfen heizt und Strom liefert, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Um diese Emissionen nachhaltig und schnell zu reduzieren, muss Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen. Der Knackpunkt ist: Wie gelingt uns der schnelle Hochlauf der Nachfrage zu wettbewerbsfähigen Preisen und wie können wir diese gleichzeitig versorgungssicher bedienen?

Die EU und auch einzelne Staaten wie Deutschland haben ehrgeizige Ausbauziele vorgegeben. Wird dabei allein auf grünen Wasserstoff gesetzt, gilt es nicht nur die erforderlichen Elektrolyse-Kapazitäten zu installieren. Denn soll dieser Wasserstoff wirklich grün sein, werden weitere Kapazitäten für erneuerbaren Strom benötigt. Soll er nicht an anderer Stelle fehlen, sind zusätzliche Kapazitäten zu den bereits beschlossenen Ausbauzielen notwendig.

Schnell große Wirkung erzielen

Deswegen können wir es uns nicht leisten, insbesondere zu Beginn der Transformation, auf blauen Wasserstoff zu verzichten. Er ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um schnell große Mengen bereitzustellen und so vor allem Großkunden sicher zu versorgen. Blauer Wasserstoff ist derzeit nur etwa halb so teuer wie grüner Wasserstoff. Beim Aufbau einer Infrastruktur kann zudem auf bereits vorhandene Erdgaspipelines zurückgegriffen werden. Beim Einsatz von blauem Wasserstoff an Stelle von Erdgas – beispielsweise in einem Kraftwerk oder Industriebetrieb – können 95 % der CO2-Emissionen vermieden werden.

Ebensolche Großemittenten sind wichtige Hebel, um in kurzer Zeit große CO2-Einsparpotenziale zu heben. Deswegen stellt Equinor den Aufbau von Wertschöpfungsketten im industriellen Maßstab in den Mittelpunkt seiner Wasserstoffprojekte. So können wir mit nur einem Projekt große Wirkung erzielen – und gleichzeitig Synergieeffekte für den Hochlauf von grünem Wasserstoff schaffen. Auf die geschaffene Infrastruktur und den Markthochlauf können andere Projekte aufsetzen und davon profitieren. Es wird zukünftig ein derart großes Volumen an Wasserstoff benötigt, dass wir auf alle Technologien zusammen zurückgreifen und gegebenenfalls unterschiedliche Hochlaufphasen berücksichtigen müssen, um es zu decken.

So gelingt dank Wasserstoff die nachhaltige Transformation der Industrie

Die nächsten Schritte für „Zero Carbon Humber“


Wertschöpfungsketten gemeinsam mit Partnern aufbauen

Projekte wie „H2morrow steel“ in Deutschland und „Zero Carbon Humber“ in Großbritannien verfolgen diese Ziele bereits und zeigen deutlich: Unternehmen sind bereit, zu investieren, wenn es klare politische und regulatorische Rahmenbedingungen gibt.

Seit 2019 arbeitet Equinor mit Open Grid Europe (OGE) und thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) an einem geeigneten Konzept für die Erzeugung und den Transport von blauem Wasserstoff zum größten deutschen Stahlwerk in Duisburg. „H2morrow steel“ sieht derzeit vor, Erdgas aus Norwegen über das bereits existierende Transportnetz zu einer autothermen Reformierungsanlage (ATR) an der deutschen oder niederländischen Nordseeküste zu transportieren. Dort könnte bereits in der zweiten Hälfte der 2020er genügend blauer Wasserstoff produziert werden, um in den 2030ern bis zu 7 Millionen metrische Tonnen grünen Stahl pro Jahr zu produzieren.

Auch „Zero Carbon Humber“ bietet die Möglichkeit, die Dekarbonisierung großer Industriezweige zu skalieren: Zusammen mit einer Reihe von Partnern – darunter Industriebetriebe, Netzbetreiber und Elektrolyseure– soll im größten britischen Industriegebiet ein ganzes Industriecluster dekarbonisiert werden. Ab 2026 könnte dann die Wasserstoffproduktion für „H2H Saltend“ beginnen. Darüber hinaus wird genügend Energie bereitgestellt, um dem lokalen Gaskraftwerk zudem 30 % Wasserstoff beizumischen. Der Saltend-Chemicals-Park kann so seine CO2-Emissionen um fast 900.000 Tonnen pro Jahr reduzieren und sein Netto-Null-Ziel bereits bis 2040 erreichen,

„Zero Carbon Humber“ ist ein fantastisches Beispiel, wie wir mit systemischen Ansätzen und gemeinsam mit starken Partnern in kurzer Zeit große Erfolge erreichen können. Wir können es uns nicht leisten, an der Klimaneutralität zu scheitern. Aber um erfolgreich zu sein, darf es kein ‚Entweder-Oder‘ geben. Stattdessen setzen wir auf Kooperation und den Einsatz aller uns zur Verfügung stehenden Mittel, um Skaleneffekte zu erzielen, die CO2-Emissionen signifikant zu senken und das Potenzial von Wasserstoff zu heben.