Marktgebietszusammenlegung in Frankreich : Ein Vorzeigebespiel für Deutschland?


Bis spätesten zum 1.4.2022 sollen laut Gasnetzzugangsverordnung die beiden Gasmarktgebiete NCG und GASPOOL zusammengelegt werden. Wie die genaue Ausgestaltung des neuen Gesamtdeutschen Marktgebiets aussehen soll, ist bis zum heutigen Zeitpunkt noch unklar.

Bei der Planung und Ausführung hin zu einem gesamtdeutschen Marktgebiet lohnt es sich wieder einen Blick auf unsere Nachbarländer zu werfen: Frankreich wird bis zum 1. November ebenfalls eine Marktgebietszusammenlegung durchführen und hat dessen Planung schon fast vollständig vollzogen. Insgesamt hat sich Frankreich stufenweise von 7 Zonen 2003 hin zu einem gesamtfranzösischen Marktgebiet („Trading Region France“) in 2018 entwickelt. Dabei wird eine Trading Region entstehen und zwei Bilanzierungszonen erhalten bleiben. An gezielten Stellen wurde in den physischen Ausbau investiert.

Insbesondere wurde ein frühzeitiger, transparenter und kontinuierlicher Marktdialog zwischen Regulatoren, Marktteilnehmern, Fernnetzbetreibern und Industrie gelobt. Dies ist insbesondere wichtig, um klare Informationen und Planungssicherheit für den Market zu schaffen. Jegliche Unsicherheiten über ein zukünftiges Set-Up des neuen Marktgebietes, birgt das Risiko, dass sich nationale und internationale Marktteilnehmer aus dem deutschen Markt zurückhalten könnten.

Innerhalb einer Konsultation in Frankreich haben sich die Marktteilnehmer für die Anwendung von marktbasierten Lösungen ausgesprochen, mit deren Hilfe übrige Engpässe behoben werden sollen. Ab November können Marktteilnehmer bei PEGAS so genannte Congestion Management Produkte in Frankreich handeln. Der marktpreisbasierte Mechanismus garantiert, dass entstehende Engpässe bereits im Orderbuch beglichen werden. Gleichzeitig bleiben die Transportkapazitäten am Virtuellen Handelspunkt (TRF) frei zuordenbar. Bei Feststellung eines Engpasses zwischen zwei Gasnetzen durch den Netzbetreiber, werden die für das Engpassprodukt registrierte Handelspartner vorab unter Angaben der genauen Informationen des Engpasses informiert. Handelspartner können daraufhin ihre Angebote nach Erhalt der Information vom Fernnetzbetreiber anonym und wettbewerblich in das preistransparente Orderbuch des Engpassproduktes eintragen.

Bereits seit November 2017 werden in Frankreich durch die beiden französische Fernnetzbetreiber über PEGAS erfolgreich marktpreisbasierte Engpassprodukte zur Beseitigung von bestehenden Netzengpässen zwischen den Marktgebieten PEG Nord und TRS gehandelt. Dieselben Produkte werden ab November 2018 auch von den französischen Fernnetzbetreibern genutzt, um Netzengpässe im dann zusammengelegten französischen Marktgebiet TRF („Trading Region France“) zu vermeiden. Die Anwendung von marktbasieren Mechanismen bereitet eine kosteneffektiven und bedarfsgerechte Alternative zu einem möglichen physischen Netzausbau, reguliertem Speichereinsatz bzw. der bilateral gehandelten Lastflusszusagen. Dies könnte ebenfalls in Deutschland Anwendung finden. Wir stehen Ihnen gerne zu jeglichen Fragen und Diskussionsbedarf auf der Handelsblatt Jahrestagung zur Verfügung.

PEGAS ist der zentrale, durch Powernext betriebene Gasmarkt der EEX-Gruppe. Über PEGAS erhalten Kunden Zugang zu allen Produkten auf einer einzigen Handelsplattform und können Erdgaskontrakte für die österreichischen, belgischen, tschechischen, dänischen, niederländischen, französischen, deutschen, italienischen und britischen Marktgebiete handeln. Die PEGAS Produktpalette umfasst Spot- und Terminkontrakte für alle großen europäischen Gashubs sowie den Handel mit Location- und Time-Spreads zwischen diesen Marktgebieten und Optionen für den niederländischen TTF. Diese Struktur ermöglicht eine Marktharmonisierung und bildet den führenden paneuropäischen Erdgasmarkt. Mehr Informationen unter: www.powernext.com/pegas-trading