Strompreise steigen für die Endkunden – Was sind die Gründe dafür?


DI Dr. Florian Haslauer

Dr. Florian Haslauer, Gründungs-Partner und Geschäftsführer, e.venture consulting, Berlin

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Strompreise fast kontinuierlich auf den Großhandelsmärkten in Europa zurückgegangen und haben im ersten Quartal 2016 mit ca. 22 EURO/MWh den Tiefpunkt erreicht. Im Vergleich zu den Höchstständen im Jahr 2008 ist das ein Rückgang um 3/4 des Preises. Seit 2016 steigen die Preise an den Strombörsen wieder. Seit 2019 schlägt das auch verstärkt auf die Endkundenpreise in Österreich durch.

Mit Juni und Juli haben viele Stromversorger ihre Preise erhöht. Andere Anbieter haben ihre Preise schon in den letzten Monaten erhöht. Der Energieanteil am Strompreis ist zwischen Januar 2018 und Juni 2019 bei den sogenannten Incumbents um durchschnittlich 13% auf 7,77 c/kWh gestiegen. Die Incumbents sind die traditionellen Stromanbieter, die in ihren Versorgungsgebieten auch schon vor der Strommarktliberalisierung ihre Kunden bedient haben. Das günstigste Angebot der neuen Stromanbieter – die Non-Incumbents – hat sich im selben Zeitraum um 71% auf 5,70 c/kWh erhöht (siehe Abb. 1). Der Abstand zwischen den traditionellen Anbietern und dem günstigsten Angebot eines Angreifers hat sich damit deutlich verringert. Der Grund dafür liegt im Strompreisanstieg an den Strombörsen und den damit verbundenen höheren Beschaffungskosten für die Stromanbieter. Die längeren Einkaufszyklen der Incumbents wirken sich glättend auf die Strompreisentwicklung aus, während die Non-Incumbents kurzfristiger beschaffen und deshalb Schwankungen in den Strombeschaffungskosten direkter weitergeben. Auch die Preisgestaltung der Angreifer ist aggressiver: Die günstigsten Anbieter verkaufen den Strom fast zu Beschaffungskosten.

Was sind nun die Gründe dafür, dass die Preise an den Strombörsen steigen? Es können vier wesentliche Gründe ausgemacht werden: die deutliche CO2- Preissteigerung, die Strompreiszonentrennung zwischen Deutschland und Österreich, Primärenergiepreissteigerungen und sonstige Effekte (siehe Abb. 2).

Die CO2-Zertifikatspreise haben sich jahrelang in einer Größenordnung von 4 bis 5 EURO je Tonne bewegt. Bei der Einführung des ETS (Emission Trading Systems) in Europa hat man die Preise eher in der Größenordnung von 25 EURO oder darüber erwartet. Die Annahme war, dass erst bei einem Preis von 30 EURO/t ein Lenkungseffekt eintritt. Seit 2018 ist ein deutlicher Preis-Anstieg erkennbar. Zwischen 1. Januar 2018 und 1.Juli 2019 ist der Preis von 7,60 EURO auf knapp 27 EURO pro Tonne gestiegen. Da in Deutschland derzeit aufgrund der Stromerzeugungsstruktur in vielen Stunden des Jahres die Braunkohle- und Steinkohle-Kraftwerke preisbestimmend sind, schlägt der CO2-Preisanstieg deutlich auf die Strompreise durch. Der Anstieg des CO2-Preises um 20 EURO/t wirkt sich auf den Strompreis mit 7 EURO/MWh aus.

Die mit 1. Oktober 2018 wirksame Trennung der gemeinsamen Strompreiszone von Deutschland und Österreich führt zu einem höheren durchschnittlichen Strompreis im österreichischen Strom-Großhandelsmarkt. Die Preisunterschiede schwanken zwischen 4 und 8 EURO/MWh und pendeln sich derzeit bei ca. 5 EURO/MWh ein.

Der dritte Aspekt, mit dem der Strompreisanstieg erklärt werden kann, ist ein Anstieg der Primärenergie-preise. Insbesondere der Preisanstieg bei Steinkohle ist hier relevant. Dieser Anstieg schlägt sich mit ca. 3 EURO/MWh auf den Strompreis nieder.

D.h. insgesamt ist der größte Einzelfaktor für die Strompreiserhöhung an den Strombörsen der starke Anstieg der CO2- Zertifikatspreise, mit dem ca. 1/3 des Anstieges erklärbar ist. Die Auswirkung auf den Haushaltskunden und seinen Energieanteil durch den Anstieg an den Strombörsen liegt bei 1,8 c/kWh oder ca. 10% des Gesamtstrompreises einschließlich Netz, Abgaben und Steuern. Die Preiserhöhungen der Non-Incumbents spiegelt diese Entwicklung bereits wider. Bei den Incumbents sind diese Preisanstiege der Beschaffungskosten noch nicht zur Gänze weitergegeben. D.h. es ist mit weiteren Strompreiserhöhungen bei den Endkunden zu rechnen. Allerdings ist auch zu erwarten, dass diese Entwicklung zu einer Verringerung der Retail-Margen bei den Anbietern führt. Weil sich auch der Preisunterschied zwischen den Discountanbietern und den traditionellen Stromversorgern deutlich verringert hat, ist mit einer vorübergehenden Abschwächung des Wettbewerbs zu rechnen, weil sehr aggressive Preisangebote bei steigenden Beschaffungskosten schwieriger werden.