#ForOurFuture: Der Beitrag der Energiewirtschaft zur Bewältigung der Klimakrise


DI Wolfgang Anzengruber

Wolfgang Anzengruber, CEO, VERBUND AG, Wien

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wir sind die erste Generation, die die Klimakrise am eigenen Leib erlebt – und die letzte Generation, die noch etwas ändern kann. Wir haben das Wissen, die finanziellen Ressourcen und die technischen Möglichkeiten für eine Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaft. Aber damit das gelingt, brauchen wir den Schulterschluss aller beteiligten Kräfte – der Politik und der Energieunternehmen ebenso wie der Industrie.

Faire Spielregeln und wirksame CO2-Preise

Als Treiber für die Energiezukunft unterstützen wir als VERBUND die globalen und europäische Klimaschutzvorgaben sowie die österreichische Klima- und Energiestrategie. Deren hochgestecktes Ziel – den heimischen Strombedarf ab 2030 bilanziell aus erneuerbarer Energie zu decken – ist sehr ambitioniert und nur mit klaren Rahmenbedingungen umsetzbar. Dazu gehört ein marktbasiertes Fördersystem für alle erneuerbaren Energien und die rasche Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes in Österreich.

Der EU-Zertifikatshandel (ETS) soll aus unserer Sicht weiterhin das zentrale Instrument der CO2-Bepreisung sein, allerdings ausgeweitet um die Sektoren Mobilität und Wärme, die gerade in Österreich einen Großteil der Emissionen ausmachen. Statt einer CO2-Steuer plädieren wir für einen sukzessive ansteigenden CO2-Mindestpreis. Im Klartext: Der Mindestpreis muss so lange steigen, bis der Marktpreis für CO2 seine lenkende Funktion entfalten kann.

Volle Kraft in den Ausbau der Erneuerbaren

Grünstrom wird der Antrieb der Energiezukunft, schon heute ist Wasserkraft Österreichs bedeutendste Energiequelle. Für die CO2-freie Erzeugung ab 2030 benötigen wir bis zu 30 TWh zusätzlichen Strom aus erneuerbaren Energien – vier Fünftel davon aus Windkraft und Photovoltaik, ein Fünftel aus Wasserkraft. Neben Ausbauprojekten für Wasserkraft investieren wir bei VERBUND in neue erneuerbare Energien. So errichten wir mit der OMV aktuell die größte Freiflächen-Photovoltaikanlage Österreichs im Weinviertel. Der Umbau des Energiesystems muss jedoch alle Sektoren umfassen – insbesondere den Verkehr als Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen. Ein Teil der Lösung ist die Elektromobilität mit Strom aus Wasserkraft, die wir mit unserer Tochter SMATRICS vorantreiben.

Keine Systemsicherheit ohne Netzausbau

Mit der steigenden Menge an Strom aus Wind- und Sonnenkraft erhöhen sich auch die Anforderungen an die Netze. Um Schwankungen auszugleichen, brauchen wir ein stabiles Übertragungsnetz in Kombination mit Stromspeichern und Flexibilitätsprodukten. Der Ausbau des Hochspannungsnetzes auf Basis des nationalen Netzentwicklungsplans wird intensiviert. Die Fertigstellung des 380 kV-Rings in Österreich mit der Salzburg Leitung ist dafür ein wichtiger Schritt.

Stromspeicher als Schlüssel für Flexibilität

Bei der Speicherung von Energie gilt es, mehr denn je alle technischen Möglichkeiten zu nutzen. Unsere flexiblen 22 (Pump-)Speicherkraftwerke mit 3.785 MW Leistung bilden schon heute die grüne Batterie Europas. In Zukunft wird es diese Wasserkraftspeicher ebenso brauchen wie dezentrale Großbatterien oder großindustrielle Speicher, zum Beispiel auf Basis von grünem Wasserstoff aus erneuerbarer Energie. Wir werden als E-Wirtschaft die Forschung und Entwicklung neuer Speichertechnologien intensivieren und die Kooperationen mit der Industrie verstärken. Dazu kommt die Entwicklung smarter Flexibilitätsprodukte für das Demand-Side-Management bei unseren Kunden.

Mehr Energieeffizienz auf allen Ebenen

Um den Klimaschutz voranzutreiben, legt die neue EU-Energieeffizienz-Richtlinie das Einsparziel von mindestens 32,5 Prozent bis 2030 fest. Zur Umsetzung in Österreich ist der bisherige Mix aus Lieferantenverpflichtung und strategischen Maßnahmen bedingt geeignet. Ähnlich wie in Deutschland braucht es mehr politisch-regulatorische Lenkungsmaßnahmen, um das Potenzial bei Verkehr und Gebäuden zu heben. Auch die Digitalisierung – bereits heute ein wichtiger Hebel für Energieeffizienz – muss verstärkt werden. Im Pilotprojekt „Hydropower 4.0 – digitales Kraftwerk“ testet VERBUND mit Partnern innovative Technologien wie Tauchroboter oder Sensorikkonzepte für die Zukunft der Stromerzeugung.

In Wasserstoff als Zukunftstechnologie investieren

Für eine erfolgreiche Energiezukunft ist die Sektorkopplung unumgänglich. Grüner Wasserstoff hat Potenzial für die Dekarbonisierung von Energiewirtschaft, Verkehr und Industrie. VERBUND hat schon früh auf diese Zukunftstechnologie gesetzt: Mit voestalpine und Siemens errichten wir die weltweit größte Elektrolyse-Anlage H2FUTURE in Linz. Zusammen mit Partnern erforschen wir aktuell viele weitere Bereiche – etwa den Einsatz der Hochtemperatur-Elektrolyse im Gaskraftwerksbetrieb, grünen Wasserstoff als Treibstoff für eine Lokalbahn oder den Einsatz in der Halbleiterindustrie.

Die Klimakrise ist da, die Zeit drängt. Wir müssen rasch agieren und alle Beteiligten an Bord holen. Das ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Das ist machbar, wenn wir an einem Strang ziehen.