Der Aderlass der Opec


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Nach Katar und Indonesien kehrt nun auch Ecuador dem verwundbaren Ölkartell den Rücken. Die Wiener Organisation leidet unter ihrer Verwundbarkeit und ihrem Vertrauensverlust.

Dr. Hans-Peter Siebenhaar, Korrespondent, Handelsblatt Wien

Der Ölpreis wird noch immer von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und eine Reihe von nicht Opec-Länder unter Führung Russland gemacht. Dabei wird oft übersehen, wie groß die Gegensätze unter den noch 14 Opec-Mitgliedern sind. Zum Jahreswechsel wird das Ölkartell einen weiteren Image- und Vertrauensverlust erleiden. Denn Ecuador wird das Ölkartell überraschend verlassen. Der Ausstieg des südamerikanischen Landes hat einen handfesten Hintergrund. Ecuador will den Ölhahn weiter aufdrehen, um seine hohe Auslandsverschuldung zu verringern. Die Opec und Russland fahren hingegen immer noch eine Politik der Produktionsdrosselung.

An diese Disziplin wollte sich bereits zuvor auch Katar nicht länger halten. Der politische Erzfeind vom Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien kehrte der Wiener Organisation bereits zum Jahresbeginn den Rücken. Das offizielle Motiv: Katar will beim Gasexport den Hahn aufdrehen. Seit 2017 gehört zudem Indonesien der Opec nicht mehr an.

Doch nicht nur an der Mitgliederfront zeigt das Ölkartell unerwartet verwundbar. Auch ein unerwarteter Drohnenangriff der Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf die Ölförderanlagen von Saudi-Arabien sorgten zuletzt für Turbulenzen auf dem internationalen Energiemarkt. Auch wenn sich die Märkte längst wieder beruhigt haben, die Risiken sind kaum vorhersehbar. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zur Ölkrise von 1973, die damals für leere Autobahnen in Deutschland sorgte, sind heute die globalen Läger gut für mehrere Monate gefüllt. Manche Experten sprechen von Reserven sogar bis zu einem Jahr. Die Lage kann sich aber schnell ändern. Der Fall Saudi-Arabiens demonstriert die Verwundbarkeit der Ölproduktion trotz teurer Hightech-Militärausrüstung aus den USA.

Überraschend schnell hat zwar Saudi-Arabien die durch den Angriff verursachten Ausfälle in der Ölproduktion mittlerweile behoben, doch die Sorgen sind damit nicht aus der Welt geschafft. Nach Meinung der USA, aber auch Deutschland und Frankreichs ist der Iran der Drahtzieher der Angriffe. Teheran bestreitet das vehement. Doch selten war das Vertrauen zwischen den Opec-Rivalen Saudi-Arabien und Iran geringer. Ein schlechtes Omen für eine konstruktive und nachhaltige Preispolitik beim nächsten Opec-Treffen Ende des Jahres in Wien.