Crowdfinancing von Solaranlagen:
Energiewende als Gemeinschaftsprojekt


Viele Österreicher sind breit die Umstellung auf erneuerbare Energien aktiv zu unterstützen, beispielsweise durch die Installation einer Photovoltaikanlage. Doch nur in den wenigsten Fällen sind sowohl die notwendigen finanziellen Mittel als auch der Platz für eine solche Solaranlage vorhanden.Dieses Dilemma brachte einige Studenten und Lehrende der Wiener Universität für Bodenkultur – darunter auch Julian Wudy und Christoph Zinganell – auf eine Idee: Durch eine gemeinschaftliche Finanzierung von Solaranlagen könnten sich viel mehr Menschen, Privatpersonen & Unternehmen, aktiv an der Energiewende beteiligen. Die beiden Ingenieure gründeten das Startup Collective Energy. In unserem Interview stellen die beiden Gründer Julian Wudy und Christoph Zinganell das Crowdfinancing-Konzept genauer vor.

Interview mit Collective Energy

Was sind die größten Herausforderungen für die österreichische Energiewirtschaft bis 2020?

Collective Energy: Die größte Herausforderung ergibt sich aus den geänderten Rahmenbedingungen, an die sich die Energiewirtschaft anpassen muss. Von politischer und gesellschaftlicher Ebene geforderte Ziele, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz, geben den Weg vor.

Die angestrebte Energiewende wird nur gelingen, wenn die etablierten Player der Energiewirtschaft mit neuen Ideen kooperieren und es geschafft wird, mehr Menschen für das Thema zu begeistern.

Die Energiewirtschaft ist nun gefordert und muss gemeinsam mit anderen Stakeholdern Lösungen aufzeigen. Die angestrebte Energiewende wird nur gelingen, wenn die etablierten Player der Energiewirtschaft mit neuen Ideen kooperieren und es geschafft wird, mehr Menschen für das Thema zu begeistern. Kurz, es braucht einen kollektiven Kraftakt

Wie beurteilen Sie die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung?

Collective Energy: Zwiespältig. Einerseits gibt es in Österreich generell ein hohes Umweltbewusstsein. Diese positive Grundhaltung spiegelt sich jedoch zu wenig in der Akzeptanz der Energiewende wider. Mythen über zu hohe Kosten der erneuerbaren Energien und technische Probleme hemmen die Entwicklung. Ziel muss es daher sein, über die Abbildung von Fakten eine breitere Akzeptanz für die Energiewende zu generieren und mehr Privatpersonen für die Energiewende zu begeistern und daran zu beteiligen.

Wie kann Collective Energy zu einer nachhaltigeren Energiewirtschaft beitragen?

Collective Energy: Indem wir neue Lösungswege aufzeigen: Wir sind aktuell an einen Punkt der Entwicklung gekommen, wo wir alle notwendigen Werkzeuge für eine erfolgreiche Energiewende in den Händen halten. An der Umsetzung auf gesellschaftlicher Ebene scheitern wir jedoch.Intelligente und alternative Finanzierungsformen für den Ausbau erneuerbarer Energien könnten diesen notwendigen Umbruch beschleunigen. Genau das bieten wir mit unserem Konzept der gemeinschaftlich finanzierten Solaranlagen. Wir liefern Unternehmen und Vereinen ein Konzept, wie sie über ihre Kunden eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage finanzieren können. Das Besondere: durch die Rückzahlung in Form von Gutscheinen können Menschen den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen, indem sie Produkte oder Dienstleistungen des täglichen Gebrauchs konsumieren

Warum ist Crowdfinancing von Energie ein für Sie zukunftsweisendes Modell?

Collective Energy: Einerseits weil es uns darum geht aufzuzeigen, dass erneuerbare Energien wirtschaftlich rentabel sind. Man benötigt nur das richtige Finanzierungsinstrument.
Und andererseits weil wir der Meinung sind, dass Crowdfinancing eine Chance ist, mehr Menschen für den Klimaschutz zu begeistern.

Mit unserem Konzept bekommt jeder die Möglichkeit mit einem kleinen Beitrag etwas für den Klimaschutz zu tun.

Mit unserem Konzept bekommt jeder die Möglichkeit mit einem kleinen Beitrag etwas für den Klimaschutz zu tun und entwickelt über die Beteiligung an einer gemeinschaftlichen Solaranlage ein erhöhtes Bewusstsein für den Umgang mit Energie. Dadurch werden Multiplikatoren gewonnen, die allgemein bewusster mit Energie umgehen und weitere Personen motivieren, sich umweltfreundlicher zu verhalten. Denn die Energiewende wird nur durch einen kollektiven Kraftakt gelingen. Packen wir es also gemeinsam an

Welchen Vorteil sehen Sie bei Ihrem Modell im Vergleich zu anderen Finanzierungsmethoden?

Collective Energy:  Der Reiz liegt darin, dass der Umstieg auf Solarenergie leistbarer wird und sich so mehr Menschen direkt an der Energiewende beteiligen können. Neben den finanziellen Aspekten bietet die gemeinschaftliche Umsetzung auch weitere Vorteile: man schafft eine breitere Akzeptanz, verteilt das Risiko auf mehrere Schultern, steigert das Umweltbewusstsein der beteiligten Menschen und erreicht mit dem Projekt medial eine breitere Öffentlichkeit.

Glauben Sie, dass Österreich langfristig die Energieautarkie erreichen kann?

Collective Energy:  Eindeutig ja. Die Frage ist nur: wie schnell? Ziel muss es sein, die vorhandenen Konzepte und Ziele auch rasch umzusetzen. Dafür braucht es eindeutig mehr Anstrengungen. Aber hier ist nicht nur die Politik gefordert, sondern jeder einzelne für sich. Die Weichen für eine umweltfreundliche Energiezukunft wurden bereits vor Jahren gestellt, leider hat man es bis jetzt verpasst, den Zug auf Schiene zu bringen. Bisherige Bemühungen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Notwendig wären unter anderem Anstrengungen in Richtung dezentraler Energieversorgung, um eine Demokratisierung der Energiepolitik zu erreichen und mehr Menschen an der Energiewende zu beteiligen. Dazu braucht es junge, kreative Unternehmen wie Collective Energy, die das Thema Energie neu denken.