Wärmewende: Auf Kurs in Richtung Klimaziel 2030

Chepko Danil Vitalevich/Shutterstock.com

Die Europawahl 2019 hat einmal mehr gezeigt: Klimaschutz steht besonders bei den Deutschen aktuell weit oben auf der Agenda. Während bereits erste Städte wie Kiel oder Konstanz den Klimanotstand ausgerufen haben, mehren sich die Rufe nach einem Energiesystem auf Basis regenerativer Quellen – besonders freitags lässt sich diese Dynamik in vielen Großstädten beobachten.

Oft steht dabei die Energiewirtschaft im Fokus. Doch auch die anderen Sektoren bieten großes Potenzial zur schnellen Senkung der CO2Emissionen. Einer, der schon viel erreicht hat, ist der Wärmemarkt. Um 44 Prozent hat er seinen CO2Ausstoß gegenüber 1990 bereits reduziert. Er ist damit der einzige Sektor, der das Klimaziel für 2020 nicht nur erreicht, sondern sogar übererfüllt. Doch die nächste Klimazielmarke steht schon vor der Tür: Geht es nach der Bundesumweltministerin, muss der CO2Ausstoß des Gebäudesektors bis 2030 um weitere 23 Prozentpunkte sinken.

Trotz der großen Erfolge ist der Handlungsdruck enorm. Das Tempo der Wärmewende muss deutlich erhöht werden – und das sofort. Denn bis zum nächsten Klimaziel verbleiben nur noch wenige Jahre. Gleichzeitig sind negative Einflussfaktoren erkennbar: Unsicherheit über gesetzliche Rahmenbedingungen, eine geringe Bereitschaft der Hausbesitzer zu modernisieren aufgrund erheblicher Kosten, eine hohe Auslastung der Installateurbetriebe und Fachkräftemangel – um nur ein paar zu nennen. Die größte Herausforderung liegt im Gebäudebestand: Sechs von zehn Heizungen in Deutschland sind technisch veraltet und pusten unnötig viel CO2 in die Luft. Im Wärmemarkt steckt also enormes Klimaschutzpotenzial, das vergleichsweise schnell gehoben werden kann.

„Würden wir alle veralteten Kessel durch moderne Gas-Heiztechnik austauschen, könnten wir schlagartig mindestens 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen.“

Klar ist: Die Wärmewende muss deutlich beschleunigt werden und dazu müssen wir Gas geben. Denn der Klimaschutzbeitrag von Gas wird völlig zu Unrecht unterschätzt. Dabei kann es schon heute in Form von BioErdgas oder grünem Gas, erzeugt durch das PowertoGasVerfahren oder die Methanpyrolyse, eine nahezu klimaneutrale Wärmeversorgung ermöglichen. Frankfurt am Main ließe sich beispielsweise mit dem schon heute in Deutschland erzeugten BioErdgas ein ganzes Jahr lang beheizen – ein echter Trumpf auf dem Weg zum klimaneutralen Energiesystem. Doch auch konventionelles Erdgas bringt uns bei der Wärmewende schon einen gewaltigen Schritt voran. Deshalb müssen wir jetzt endlich die richtigen Anreize für mehr Klimaschutz setzen: Würden wir alle veralteten Kessel durch moderne GasHeiztechnik austauschen, könnten wir schlagartig mindestens 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Um den Heizungsaustausch attraktiv zu machen, bedarf es Maßnahmen, die im Bestand sozialverträglich umsetzbar sind. Sinnvoll wäre eine aufkommensneutrale Reform der bestehenden Energiesteuern nach Klimaschutzkriterien. Dadurch würde sich die Heiztechnik am Markt durchsetzen, die die größten CO2Einsparungen zu den geringsten Kosten liefert. Zusätzlich benötigen wir ein neues Förderregime. Heutige Förderprogramme konzentrieren sich fast ausschließlich auf den Aspekt der Energieeffizienz. Die potenziell mögliche CO2Reduktion wird dabei jedoch vollkommen vernachlässigt. Dabei steht schon im Koalitionsvertrag, dass jeder Fördereuro so viel CO2 wie möglich einsparen soll. Daher sollte auch die CO2Einsparung im Bereich der Gebäudesanierung künftig ein Förderkriterium werden – je höher die CO2Reduktion, desto höher die Förderung. Eine aktuelle Studie des Forums ÖkologischSoziale Marktwirtschaft zeigt, dass so höchster Klimaschutz zum kleinsten Preis erzielt werden kann.

Neben der flächendeckenden Einführung des BrennwertStandards kann vor allem der verstärkte Einsatz von KraftWärmeKopplung den CO2Fußabdruck des Sektors kostengünstig verkleinern. Und das gilt umso mehr für Gas als Partner der Erneuerbaren. Denn die Kombination aus GasBrennwertheizung im Keller und PhotovoltaikAnlage auf dem Dach lässt den CO2Ausstoß noch weiter sinken. Nicht zuletzt dank innovativer, hocheffizienter Technologien wie der Brennstoffzelle, die den Weg in die WasserstoffWelt ebnet, sind Eigenheimbesitzer beim Heizen also zukunftssicher unterwegs.

Deutschland könnte bei der Wärmewende folglich noch einen weiteren Gang hochschalten. Der Umstieg auf solche emissionsarmen Technologien würde sich mit einem an der CO2Einsparung ausgerichteten Förderregime oder der Möglichkeit der steuerlichen Abschreibung für Verbraucher endlich lohnen. Dadurch könnten sich am Markt die Maßnahmen mit größter Wirkung durchsetzen – vollkommen technologieoffen. So kommen wir schnell und kosteneffizient auf Kurs in Richtung Klimaziel 2030.

Dr. Timm Kehler, Vorstand, Zukunft ERDGAS e.V.

Dr. Timm Kehler, Vorstand, Zukunft ERDGAS e.V.

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