Verteilnetze: Ein Umbau, der nicht warten kann


von Dr. Thomas König

Wir alle kennen es von unseren Autobahnen: Eine Baustelle nach der anderen, weil immer nur stückchenweise erneuert werden kann. Ein vollständiger Umbau an einem Stück hieße Vollsperrung, und nichts ginge mehr.

Was für Deutschlands Straßen unmöglich ist, muss in den Strom-Verteilnetzen funktionieren. Deren kompletter Umbau hat gerade begonnen. Waren die Verteilnetze früher Einbahnstraßen, in denen Strom nur in einer Richtung transportiert wurde, fließt dort heute grüner Strom aus rund zwei Millionen dezentralen Erzeugungsanlagen, der gleichzeitig in wechselnde Richtungen verteilt werden muss. Eine ständig wachsende Herausforderung.

Dafür müssen Verteilnetze intelligent, reaktionsfähiger und zu digitalen Smart Grids mit selbststeuernden und selbstlernenden Prozessen, dem Internet der Energie, umgebaut werden. Für uns als Betreiber großer, ländlicher Verteilnetze heißt das: Es muss uns auch während des Umbaus gelingen, unsere Kunden immer zuverlässig mit Energie zu versorgen. Oder um im Bild des Straßenverkehrs zu bleiben: Die Autos reibungslos und ohne Verzögerungen über viele Baustellen fahren zu lassen.

Der Verkehr soll fließen, die Baustellen aber gleichzeitig möglichst wenig Geld kosten. Das gilt im übertragenen Sinne auch für die Verteilnetze. Kunden erwarten zu Recht von ihrem Netzbetreiber, dass er den Weg in die Energiewelt von morgen bei allen Umbauarbeiten so effizient und kostengünstig wie möglich gestaltet. Das ist ein Versprechen, das wir immer eingehalten haben und auch für die Zukunft geben. Denn unsere Netze gehören zu den effizientesten in Deutschland; das hat die Bundesnetzagentur Ende 2018 erneut bestätigt: Alle vier großen Stromnetzbetreiber von E.ON erhalten im deutschlandweiten Effizienzvergleich die Bestnote von 100% Effizienz, zwei darüber hinaus sogar eine zusätzliche Auszeichnung.

Es muss uns auch während des Umbaus gelingen, unsere Kunden immer zuverlässig mit Energie zu versorgen.

Die nächste Phase der Energiewende ist eine Generationenaufgabe

Effizienz und Zuverlässigkeit der Netze bewegen schon heute viele Menschen. In Zukunft geht es aber um noch mehr: Die Energiewende wird zu einer Aufgabe für Generationen und verbindet in ihrer nächsten Phase sauberen Strom zunehmend mit Wärme und Mobilität. Heizen mit Strom, fahren mit Strom – Grundlage dafür sind intelligente Verteilnetze. Genau wie für neue, effiziente Energielösungen in Städten oder Unternehmen. Dazu zwei Beispiele:

Ende Oktober hat unser Netzbetreiber Avacon zusammen mit Salzgitter Flachstahl und Linde einen Kooperationsvertrag für eines der größten Power-to-Gas-Projekte in Deutschland abgeschlossen. Im niedersächsischen Salzgitter wird zukünftig durch Elektrolyse Wasserstoff mit sauberem Strom aus Windkraft erzeugt. Damit können die CO2-Emissionen deutlich gesenkt und die Umwelt spürbar entlastet werden.

Gut für die Umwelt ist auch unser Projekt am Berliner Flughafen Tegel, wenn dort in Zukunft keine Flugzeuge mehr starten und landen. Gemeinsam mit den Berliner Stadtwerken werden wir dort ein hoch-innovatives Niedrigtemperaturnetz aufbauen, um „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“ mit Kälte und Wärme versorgen. Weil die Energie direkt vor Ort dezentral und nachhaltig aus einem Mix von Blockheizkraftwerken, Solaranlagen, Geothermie und Abwasserwärme erzeugt, gespeichert und verbraucht wird, fungiert das Netz als Tauschplatz für unterschiedlichste Arten von Energie.

Die Energiewende über alle Sektoren hinweg gelingt nur mit gebündelten Kräften

Unsere wichtigsten Partner für die nächste Phase der Energiewende sind die Kommunen. Gemeinsam mit ihnen verwirklichen wir urbane und kommunale Energiekonzepte. Partnerschaften müssen aber auch weit darüber hinausgehen. Ob Start-ups oder Forschungseinrichtungen, ob Industriekunden oder Stadtwerke: Nur mit gebündelten Kräften wird die große Generationenaufgabe Energiewende zum Erfolg.

Dr. Thomas KönigDr. Thomas König
Chief Operating Officer Networks und Mitglied des Vorstands,
E.ON SE