Smart Meter: Schubkraft für die Digitalisierung


von Dr. Peter Heuell

Die Digitalisierung ist das derzeit anspruchsvollste und wichtigste Infrastrukturprojekt der Energiebranche. Einen entscheidenden Schub verschafft ihr der Einbau digitaler Stromzähler.

Die Weichen sind gestellt: In den kommenden Jahren werden Millionen Stromkunden über Smart Meter in den digitalen Energiemarkt eingebunden. So schreibt es das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ vor. Mit den neuen Stromzählern lassen sich die Verbrauchsdaten digitalisieren. Das ist zum einen die Grundlage für einen effizienten Energieverbrauch, zum anderen für neue Geschäftsmodelle – vom Smart Home über die E-Mobility bis zu Smart Services.

Für die Energiebranche sind solche Geschäftsmodelle eine echte Win-Win-Situation. Zum einen binden sie Kunden, gleichzeitig stabilisieren sie die Netze. Denn Stromkunden, die durch attraktive Produkte überzeugt werden, stellen ihre Flexibilität für die Netzstabilisierung gerne bereit. Energieversorger können auf diese Weise Ausgaben für den Netzausbau einsparen – und die Integration erneuerbarer Energien vorantreiben.

Dass sich der Smart Meter-Rollout volkswirtschaftlich rechnet, hat die Kosten-Nutzen-Analyse von Ernst & Young längst gezeigt. Tatsache ist: Der Energiebranche eröffnen Smart Meter ein enormes Potenzial. Allein das Ablesen und Verteilen von Heizungs- und Warmkosten in Wohngebäuden ist ein riesiger Markt. Dieses „Submetering“ hat ein Gesamtmarktvolumen von 1,65 Mrd. Euro. Den „Kuchen“ teilen sich derzeit wenige spezialisierte Unternehmen untereinander auf. Durch den Smart Meter-Rollout können sich alle Energieversorger daran beteiligen. Denn das Ablesen und Abrechnen über das Smart Meter Gateway bietet ihnen die Möglichkeit, diese Leistung einfach in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren. Weitere Potenziale ergeben sich durch die zunehmende Sektorenkopplung. Mit der Elektrifizierung der Wärmeversorgung und der Mobilität wird der digitale Stromzähler immer mehr zur zentralen Plattform der Energieversorgung.

Wer diese wachsenden Potenziale in ihrer Gänze ausschöpfen will, braucht Erfahrung, Know-how und die richtigen Partner. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir in den vergangen Jahren an der Umsetzung diverser „Use Cases“ gearbeitet. Dabei ist ein Produktportfolio entstanden, das weit über die gesetzlich geforderten Geräte hinausgeht. So haben wir bspw. eine Möglichkeit entwickelt, Präzisionszähler, wie sie für Übertragungsnetze eingesetzt werden, an das Smart Meter Gateway anzubinden. Erstmals lässt sich dadurch eine hochsichere und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierte Datenübertragung im Übertragungsnetz etablieren. Auch für zukunftssichere, gesetzeskonforme Ladeinfrastrukturen stellen wir geeignete Zähler zur Verfügung.

Gleichgültig, für welche Geschäftsmodelle sich ein Unternehmen entscheidet: Die Digitalisierung der Energiewende ist nur nachhaltig, wenn sie auf Qualität setzt. Das Smart Meter Gateway wird vom BSI auf Herz und Nieren geprüft. Erforderlich sind aber auch Zähler, die exakt messen, und das über viele Jahre. Davon hängen der Erfolg und letztlich auch die Wirtschaftlichkeit des Rollouts ab. Durch Ausfälle und Fehler steigen nicht nur die Kosten – auch die Akzeptanz in der Bevölkerung gerät in Gefahr. Als erfahrener Hersteller für Hochpräzisionstechnologie in der Messtechnik legen wir für solche Lösungen das Fundament.

Unsere digitale Messtechnik ist längst in der Praxis angekommen – nicht nur in der Industrie, auch bei Haushaltskunden. Denn was viele vergessen: Der Rollout der digitalen Infrastruktur hat längst begonnen. Bis 2032 müssen alle Haushalte, die keinen Smart Meter mit eingebauten Gateway erhalten, mit einer modernen Messeinrichtung (mMe) ausgestattet werden – also einem digitalen Stromzähler, der nachträglich mit einem Smart Meter Gateway bestückt werden kann. Diese moderne Messeinrichtung läuft bereits vom Band und wird tagtäglich eingebaut. Auch hier gilt: Qualität ist das A und O! Deshalb produzieren wir unsere Geräte in Deutschland.

In den täglichen Bemühungen rund um Paragrafen und Zertifizierungen sollten wir eines nicht vergessen: Der Smart Meter-Rollout legt die Basis für eine völlig neue Nutzung und Verteilung von Energie. Wenn das geschafft ist, steht Versorgern, Stadtwerken und Netzbetreibern ein Betriebsmittel zur Verfügung, das deutlich wertvoller ist als jedes Kraftwerk, jede Leitung, jeder Trafo: Eine leistungsfähige, hochgesicherte Infrastruktur für das Energiezeitalter von morgen.