Regio ist das neue Bio – und sogar das neue Öko?


von Sina Wulff

Ökostrom – na klar. Aber woher eigentlich? Nicht selten verlieren Energieversorger kein Wort über die Herkunft des Stroms, den sie verkaufen. Wenn überhaupt, fi ndet man Hinweise auf Norwegen, Österreich oder Süddeutschland.

Wieso aber wird Strom aus den zahlreichen Erneuerbare-Energien-Anlagen in der Region nicht in die Stromtarife der Energieversorger integriert? Schließlich ist es doch dieser, zu dem der Endkunde einen Bezug hat.

Meist erhalten Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen bereits eine Förderung nach dem EEG. Im Gegenzug geben sie das Recht, eine Aussage über die Eigenschaft des produzierten Stroms zu machen, an den Netzbetreiber ab. Deswegen kann kaum ein Energieversorger den Endkunden werbewirksam Strom aus ebendiesen deutschen, regionalen Anlagen anbieten.

Der Energieversorger kann sich einmal mehr als Umsorger positionieren und erhält mit dem Regionalnachweis ein Instrument, Kunden aus der Region langfristig zu binden.

Zum Jahr 2019 ändert sich allerdings die Sachlage: Die Regionalnachweise sind da. Betreiber von Anlagen, die gemäß EEG gefördert werden, können sich jetzt vom Umweltbundesamt Regionalnachweise ausstellen lassen. Für Ausstellung verzichtet der Anlagenbetreiber auf 0,1 ct/kWh seiner Förderung, was gleichzeitig den EEG-Fördertopf und damit die von den Stromkonsumenten zu zahlende EEG-Umlage entlastet. So kauft der Anlagenbetreiber einen Teil des Rechts, eine Aussage über die Stromeigenschaft zu treff en, vom Netzbetreiber zurück und kann so Regionalität in Form des Regionalnachweises ausweisen. Die Umsetzung mag komplex erscheinen, jedoch können Energieversorger mithilfe von erfahrenen Dienstleistern dann neben der Öko-Komponente innerhalb eines 50km-Umkreises auch die Regional-Komponente in ihre Tarife einbinden und Endkunden einen besonderen Mehrwert bieten.

Der Energieversorger kann sich einmal mehr als Umsorger positionieren und erhält mit dem Regionalnachweis ein Instrument, Kunden aus der Region langfristig zu binden. Damit wird die Energiewende vor Ort gestärkt, die Wertschöpfung bleibt in der Region und der Strom kommt nun nicht mehr nur aus der Steckdose, sondern aus Anlagen in der Nachbarschaft. Und wissen, wo’s herkommt, ist ja bekanntlich in.