Interviewreihe: 3 Fragen an… Oliver Koch, Geschäftsführer, Sonnen GmbH

Im Rahmen des Handelsblatt Energie-Gipfels 2021 sprachen wir mit den Referenten, Machern und Vordenkern aus der Energiewirtschaft vorab über die Digitalisierung, den Stand der klimaneutralen Energieversorgung und die Auswirkungen der Corona Pandemie auf den Sektor.

Was sind die größten Hindernisse bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft bzw. für Ihr Unternehmen und welche Technologien können heute schon gewinnbringend eingesetzt werden?

Die technologischen oder wirtschaftlichen Hindernisse bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft sind überschaubar und lösbar. Die eigentlichen Hindernisse liegen vor allem auf der regulatorischen bzw. politischen Seite. Vielleicht mal an unserem Beispiel: Wir können die vielen tausend kleinen Heimspeicher unserer Kunden digital zu einer virtuellen Batterie vernetzen. Das ist eine Revolution in der Energiewelt, da so erstmals normale Haushalte gemeinsam das Stromnetz stabilisieren können und damit etwas machen, was bisher großen Kraftwerken vorbehalten war. Das begeistert auch die Menschen, die durch solche Angebote noch stärkerer Anreize bekommen, in erneuerbare Energien zu investieren. Wir exportieren diese Technologie mittlerweile sogar ins Ausland, vor kurzem haben wir den Zuschlag für ein einzigartiges virtuelles Kraftwerk in Kalifornien erhalten. Wenn wir als junges Allgäuer Unternehmen so etwas schaffen, sozusagen im Vorgarten der großen US-Tech-Riesen, dann sind wir darauf schon ein bisschen stolz.

Es ist also technisch möglich und es ist wirtschaftlich für die Kunden, da sie so Geld an den Energiemärkten verdienen können. Das Problem: Wir können das Potenzial dieser Technologie nur ansatzweise nutzen, da der Wettbewerb hierzulande verzerrt ist. Wenn wir eine Kilowattstunde Strom speichern, um das Netz zu stabilisieren, zahlen wir alle Umlagen, Steuern und Netzgebühren. Ein Kraftwerk, das genau das gleiche macht, zahlt das aber nicht. Wir haben mit unserer sauberen, digitalen Lösung also von vornherein einen Nachteil von ungefähr 21 Cent/Kilowattstunde etwa gegenüber fossilen Kraftwerken. Das macht viele Netzdienstleistungen von uns, künstlich teurer als Netzdienstleistungen aus fossilen Kraftwerken. Damit wird auch die technologische Entwicklung ausgebremst. Und dass, obwohl Unternehmen wie wir, weltweit führendes Know-how für eine saubere Energieversorgung aufbauen und zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen.

Was ist noch zu tun auf dem Weg zur klimafreundlichen Energieversorgung?

Wenn man sich den Sektor Strom anschaut, haben wir schon viel erreicht, die Erneuerbaren machen mittlerweile 46 Prozent der Stromversorgung in Deutschland aus. Der CO2-Anteil des Strommixes sinkt konstant, obwohl der Stromverbrauch konstant steigt. Aber hier sind wir noch lange nicht am Ende, es fehlen eben auch noch die 54 anderen Prozent für eine richtig saubere Stromversorgung und wir wissen, dass jedes weitere Prozent immer schwieriger wird. Wir müssen jetzt die zweite Stufe zünden. Und die erreichen wir neben dem Ausbau nur mit zusätzlichen Technologien wie etwa Speichern und mit einer intelligenten Steuerung von Erzeugung und Verbrauch. Und in unserem Bereich ist der stärkste Anreiz hier der Eigenverbrauch. Unsere Kunden möchten saubere Energie selbst produzieren, damit heizen und damit auch fahren. Sie machen also die Sektorkopplung gleich mit. Wer heute schon das richtige macht, sollte davon profitieren, nicht dafür bezahlen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf den Energiesektor bzw. auf Ihr Unternehmen aus?

Wir hatten trotz der Corona-Pandemie eine Rekordnachfrage in diesem Jahr. Offenbar nutzen die Menschen die zusätzliche Zeit zu Hause auch, um über eine saubere Energieversorgung nachzudenken. Natürlich gab es auch Einschnitte in unseren internationalen Märkten, gerade im Frühjahr in Italien zum Beispiel. Unser dortiger Standort ist direkt in Bergamo, wir haben also noch früher als die meisten anderen Unternehmen in Deutschland auf Home Office und vollständig digitales Arbeiten umgestellt. Aber alles in allem hatten wir zum Glück ein sehr gutes Jahr. Aber uns ist auch klar, dass sich das wieder ändern kann, in diesem aktuell doch schwer vorhersehbarem Umfeld.

 

Vielen Dank an Oliver Koch für das Interview.