Heidelberg auf dem Weg zur Smart City – Interview mit Sebastian Warkentin, Digital-Agentur Heidelberg


In Heidelberg verfolgt man ehrgeizige Ziele: Die Stadt soll zur „Smart City“ werden. Wie es mit der digitalen Transformation vorangeht und was das für Heidelbergs Bürger bedeutet, erklärt Sebastian Warkentin, Geschäftsführer der Digital-Agentur Heidelberg GmbH, in diesem Interview.

Sebastian WarkentinSebastian Warkentin ist Geschäftsführer der Digital-Agentur Heidelberg GmbH. In seinem Best-Practice-Vortrag auf dem Handelsblatt Energy Boot Camp, am 21.05.19 spricht er zum Thema „QUO VADIS SMART CITY: DIE DIGITALE TRANSFORMATION IN HEIDELBERG“.

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Interview mit Sebastian Warkentin, Digital-Agentur Heidelberg

Herr Warkentin, was macht eine Stadt zur einer „Smart City“?

Viele verstehen unter einer Smart City eine Stadt, in der Informations- und Kommunikationstechnik eingesetzt wird, um moderne digitalgestützte Services anbieten zu können. In Heidelberg verfolgen wir einen bürgerzentrierten Ansatz, d.h. wir setzen Technologie nicht um ihrer selbst willen ein, sondern orientieren uns an den Bedürfnissen der Menschen in der Stadt. Heidelberg ist ein Smart-Sensible-City, d.h. neue Technologien und das Aufgreifen digitaler Trends werden dafür eingesetzt, die Lebensqualität jedes Einzelnen und die Standortqualität der ansässigen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen zu verbessern.

Was sind notwendige Basistechnologien, um überhaupt mit der Arbeit beginnen zu können?

Als Basis sind zum einen alle Technologien wichtig, die die Kommunikationsebene verbessern, wie z.B. der Glasfaserausbau, die Evolution von 4G zu 5G, öffentliches WLAN, Ausbau von IoT-Funknetzwerken wie LoRa, aber auch der Einsatz von Beacons zur Kontaktaufnahme mit Smartphones und dezentrale Rechenkapazitäten, kurz Edgecomputing. Auf dieser Kommunikationsschicht aufbauend kann man dann eine wohlorchestrierte IT-Systemlandschaft für neue Anwendungen und Services bereitstellen. Eine Voraussetzung ist dies aber nicht. Letztlich kann man jederzeit mit der Arbeit anfangen, das Wichtigste ist Ausprobieren und Lernen. Oder noch einfacher: der Digitalisierung offen und mutig gegenüber zu stehen.

Was sind neben der Technologie weitere entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Arbeit?

Die Einbeziehung der Bürger ist Richtschnur unseres Handelns. Zudem suchen wir die Kooperation mit anderen Städten zur Etablierung gemeinsamer Standards und überregionaler Lösungen. Auch die professionelle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Tech-Companies ist ein Erfolgsfaktor beim Aufbau einer Smart City. Die Digitalisierung hat vieles an neuen, vor allem agilen Arbeitsmethoden hervorgebracht. Ich glaube, hier haben alle Städte noch viel Potenzial um sich weiterzuentwickeln.
Neben der Stadtverwaltung stehen auch die Stadtwerke im Zentrum einer Smart City. Sie verfügen über technische Kompetenz, eine Workforce vor Ort und genießen das Vertrauen der Bevölkerung. Kurzum: eine Poleposition bei der Marktentwicklung zum Angebot von Smart-City-Services.

Welche Bereiche einer Stadt (Mobilität, Kommunikation, Versorgung etc.) sind am schwierigsten in ein Smart-City-Konzept zu integrieren?

Schwierig ist relativ. Die Frage ist: Wo ist der größte Hebel? Gibt es innerhalb der Stadt bereits erste Bestrebungen oder Wünsche, sich zu engagieren? Dabei ist es wichtig, ein Umfeld zu schaffen, in dem Konzepte und Ideen auf fruchtbaren Boden fallen. Denn Best-Practice-Beispiele sind ein gutes Mittel, um andere Bereiche zu motivieren, ebenfalls mitzuziehen.

Je komplexer eine IT-Infrastruktur ist und je etablierter die einzelnen Systeme sind, desto anspruchsvoller wird das Schnittstellenmanagement. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Für Heidelberg entwickeln wir gerade eine Smart-City-Referenzarchitektur, um sukzessive die städtische IT-Landschaft zu harmonisieren und die Entstehung weiterer Datensilos zu vermeiden. Sozusagen ein Idealbild einer IKT-Architektur einer Stadt. An diesem Zielbild können sich alle bestehenden und neuen Systeme orientieren. Zur Umsetzung braucht es dann Stellen, die in dieser Fragestellung zentral die Verantwortung übernehmen.