Energieversorgung und Telekommunikation haben eine große Gemeinsamkeit: sie brauchen eine leistungsfähige Leitungs-Infrastruktur


Dr. Andreas Breuer

Dr. Andreas Breuer, Leiter Neue Technologien/Projekte, RWE Deutschland AG

„4 Fragen an Herrn Dr. Breuer“ anlässlich des „Handelsblatt TK Gipfel 2014“

Q: Aus einer Preussag wurde einst eine erfolgreiche TUI, könnten Sie sich vorstellen, dass aus einer RWE eine…. wird? Welche Geschäfts- und Diversifikationsmodelle könnten Sie sich, außerhalb des Kernsegments  „Strom“, für die RWE AG vorstellen?

Dr. Breuer: Aus einem Bergbau-Konzern einen Touristik-Dienstleister zu machen, ist schon eine stramme Nummer. Soweit wollen wir nicht gehen, und das müssen wir auch gar nicht. Energieversorgung und Telekommunikation haben eine große Gemeinsamkeit: sie brauchen eine leistungsfähige Leitungs-Infrastruktur. In diesem Infrastrukturgeschäft kennen wir uns gut aus. Unsere Identität müssen wir dabei auch gar nicht verlassen. Wir wollen keine RWE Tele-Voda-Com werden, aber wir arbeiten punktuell heute schon erfolgreich mit TK-Dienstleistern zusammen. Gerade das gegenseitige Lernen über Technologien und Geschäftsmodelle ist hierbei mit Blick auf neue Geschäftsfelder lohnend.

Q: Ihr Vorstandschef Peter Terium erklärte anlässlich des IT Gipfels 2012, dass die Energiewende nur zu schaffen sei, wenn man den On Demand Verbrauch der Endkunden mittels Smart Meter ermitteln könnte. Welche Anreizsysteme & Geschäftsmodelle haben Sie bisher für den Endkunden entwickelt, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Dr. Breuer: Der Vorteil eines Smart-Meter-Einsatzes liegt beim Endkunden. Durch die damit mögliche Transparenz der Verbrauchsdaten, kann der Kunde sich optimieren Daher muss jeder Kunde persönlich abwägen, welchen Nutzen er aus intelligenten Messsystemen  ziehen kann –  wir werden ihn gern kompetent dabei beraten und gegebenenfalls weitergehend unterstützen.  Zur Steuerung von Netzinfrastruktur und dezentraler Erzeugung werden flächendeckend beim Kunden eingesetzte Smart-Meter nicht benötigt, hierzu kann auf eine sehr viel geringere Anzahl von Messpunkten an geeigneten Stellen innerhalb der Netzinfrastruktur zurückgegriffen werden.

Q: Können Sie sich call by call und lease cost routing Modelle, die einst den liberalisierten TK Markt revolutioniert haben, für den sich wandelnden Energiesektor in Deutschland vorstellen?

Dr. Breuer: Denkbar sind entsprechende Modelle auch bei Energie. Anders als bei der TK, wo Anbieter und Nutzer sich die Vorteile aus einer besser ausgelasteten Infrastruktur teilen, greifen diese Vorteile im Energiegeschäft nicht. Erzeugungsanlagen werden seit jeher in der Reihenfolge ihrer aktuellen Wirtschaftlichkeit, der sogenannten Merit-Order, eingesetzt. Und die Energie wird ohnehin immer auf dem optimalen Weg zum Kunden gebracht – dafür sorgt die Physik. Also eröffnen diese Modelle dem Kunden keinen erkennbaren Zusatznutzen.

Q: Wird Smart Metering der „Door Opener“ für den zukünftigen Smart-Home-Sektor sein?

Dr. Breuer: Mit Smart-Home-Anwendungen sind wir bereits jetzt sehr erfolgreich unterwegs. Insofern ist die Tür schon seit einiger Zeit weit geöffnet. Ein Smart Meter kann sich als weiteres Hilfsmittel für den Kunden in den Werkzeugkoffer eingliedern.