Flugsicherung – Im Visier der Hacker?

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Flugsicherung Cybersecurity

IT-Technik wird in der Luftfahrt schon sehr schon lange verwendet und bot von Anfang an eine andere Angriffsfläche als Papierdaten. Natürlich kann Osman Saafan als Leiter der Bereiche Unternehmenssicherheitsmanagement und Militärische Unternehmensangelegenheiten bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH nur begrenzt darauf eingehen, wie sich die Flugsicherung konkret vor Cyberangriffen schützt. Die Deutsche Flugsicherung ist sich aber der Bedeutung ihrer Dienstleistungen für die Luftfahrt bewusst, schützt sich angemessen und entwickelt notwendigen Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiter. Neben der hier gebotenen Industrie-übergreifenden Zusammenarbeit benennt Saafan einen Vorteil des hohen Stellenwertes der Cybersecurity in Deutschland im internationalen Vergleich: das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

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Herr Saafan, jeden Tag finden ca. 10.000 Flüge über und durch den deutschen Luftraum statt und das IT-System im Bereich der Flugsicherung ist hoch spezialisiert. Wie genau funktioniert die Cyberabwehr bei der Flugsicherung, welches sind die wichtigsten Aufgaben und Besonderheiten?

Osman Saafan: Als eine sehr sensible Einrichtung möchten wir Dritten natürlich nur begrenzt offenlegen, wie wir uns im Detail schützen. Allerdings können wir so viel sagen, dass wir Methoden verwenden, die für Hochverfügbarkeitssysteme angemessen sind. Dies beginnt im Vorfeld eines Projekts mit der Analyse von Risiken, also Eintrittswahrscheinlichkeiten und Ausmaß einer potentiellen Störung und dem Festlegen angemessener Gegenmaßnahmen, um dieses Risiko schon im Vorfeld zu minimieren. Aber dies ist nur der Anfang unserer „Cyberabwehr“. Incident Erkennung, ein geregeltes Meldesystem von potentiellen Vorfällen gehört ebenso dazu, wie die Analyse von technischen Entwicklungen und neuen Angriffsvektoren, sowie auch Vorgaben zu Security und die Ausbildung des Personals mit Blick auf dessen know how und angemessenen Sicherheitsbewußtseins. Insgesamt wird Cybersecurity bei uns als ein sehr wichtiges und durchaus komplexes Thema angesehen, das nur ganzheitlich angegangen und beherrscht werden kann.

Auch die Flugsicherung ist sicher im Visier von Hackern. Sehen Sie mehr Nutzen als Risiken durch die Digitalisierung des Flugverkehrs?

Osman Saafan: IT Technik wird in der Luftfahrt schon sehr schon lange verwendet und bot von Anfang an eine andere Angriffsfläche als Papierdaten. Natürlich bietet uns die fortschreitende Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten effizientere und bessere Leistungen zu erbringen. Hier ist ein klarer Nutzen zu sehen. Dass sich die Cyberwelt und damit auch die Herausforderung im Bereich Cyber Security verändert haben, ist leider auch selbstverständlich. Hacker haben heute ganz andere Möglichkeiten und Ressourcen als früher. Viele Systeme, die früher sehr speziell waren und somit nur für einen kleineren Kreis angreifbar, sind heute durch weit verbreitete marktübliche Systeme ersetzt. Aber ich würde dies mit dem Straßenverkehr vergleichen. Der Verkehr hat im Laufe der Jahre zugenommen, Autos sind schneller geworden, gleichzeitig haben Sie aber auch neue Sicherheitsfeatures bekommen, wie Airbags und bessere Knautschzonen. Somit ist es schlicht eine technische Evolution, die neue Vorteile aber auch größere Abhängigkeiten und Risiken bringt. Parallel werden aber auch die notwendigen Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiter entwickelt. Insofern sehe ich vor allem den Nutzen, den die Digitalisierung bringt.

Sie kooperieren ja auch international, mit welchen Ländern ist die Zusammenarbeit besonders eng und welche Unterschiede bestehen in Bezug auf IT-Sicherheit?

Osman Saafan: Sicherlich sind es die großen, stark technologisierten Flugsicherungen, sowohl in Europa als auch weltweit, die uns in der Zusammenarbeit den größeren Nutzen im direkten Austausch bringen. Dabei gibt es aber auch durchaus Unterschiede. So wurde vor einigen Jahren eine große Flugsicherungsorganisation Opfer eines Angriffs, da dort das operative und das Bürokommunikationsnetz miteinander verbunden waren. Dies ist bei uns z.B nicht so. Des Weiteren ist es so, dass Deutschland eines der wenigen europäischen Länder ist, in dem etwas ähnliches wie ein Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) existiert, das u.a. zur Aufgabe hat, mit Unternehmen Gefahrentrends und Informationen auszutauschen. Das kann im Einzelfall sehr nützlich sein, um sich zeitnah gegen neue Angriffsvektoren zu schützen. Dies ist ein deutlicher Standortvorteil für Deutschland.

Wie funktioniert die zivil-militärische Zusammenarbeit im Bereich der Flugsicherung und im Bereich Safety/Security Management bei der DFS?

Osman Saafan: Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 ist die DFS ein zivil-militärisch integriertes Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr auf dem Gebiet des Flugverkehrsmanagement ist außerordentlich gut und erfolgreich, für alle Luftraumnutzer gewinnbringend und ein von Flugsicherungs-Dienstleistern in der ganzen Welt bestauntes Vorzeigemodell. So arbeiten wir natürlich auch im Bereich Safety intensiv und vertrauensvoll zum Beispiel mit dem General Flugsicherheit in der Bundeswehr zusammen, natürlich immer unter Beachtung der jeweiligen Zuständigkeiten.
Bei dem Thema „Cyber Security“ stehen wir noch am Anfang einer aus meiner Sicht gebotenen Zusammenarbeit. Die Bundeswehr hat gerade mit der Aufstellung einer relativ großen Spezialistentruppe für Cyber insgesamt begonnen. Natürlichen werden wir versuchen, unsere guten zivil-militärischen Beziehungen dafür zu nutzen, auch hier ähnlich intensiv zusammen zu arbeiten, wie wir es bereits in fast allen Handlungsfeldern der Luftfahrt tun.


Osman Saafan FlugsicherungOberst Osman Saafan leitet bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH die Bereiche Unternehmenssicherheitsmanagement und Militärische Unternehmensangelegenheiten. Bevor er im Jahr 1996 zur DFS kam, war er bei der Luftwaffe in verschiedenen operativen Aufgaben und Stabsverwendungen im Einsatz. Bei der deutschen Flugsicherung wurde der gebürtige Bonner zunächst Projektleiter für die Beschaffung und Inbetriebnahme eines Anflugkontrollsystems für die Anflugkontrolle in München. Das Projekt wurde später mit dem Jane´s ATC Award ausgezeichneten. Später übernahm er verschiedene Führungsaufgaben: Unter anderem war er Leiter Betrieb der Flugsicherungskontrollzentrale München sowie Niederlassungsleiter der Kontrollzentrale Mitte in Langen, dem größten Control Center der DFS. In seiner jetzigen Funktion ist Osman Saafan verantwortlich für die Themen Safety, Security und Human Factors sowie für die zivil-militärische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Flugsicherung. Herr Saafan ist nebenberuflich als Berater, Trainer und Coach für Führungskräfte tätig.

Bei der Handelsblatt Jahrestagung Cybersecurity spricht Oberst Osman Saafan zum Thema Flugsicherung und die Frage der Verletzlichkeit – alte und neue Herausforderungen.
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