Alles neu? – Compliance beim ADAC


Interview mit Monika Hornik, Leiter Compliance, CCO, ADAC Compliance Service GmbH

Monika HornikFrau Hornik, vor etwa zwei Jahren hat der ADAC die Gründung einer Compliance-Gesellschaft als Reaktion auf den Compliance-Skandal beschlossen und Sie vor einem Jahr als verantwortliche Leiterin Compliance ernannt. Wir freuen uns, dass Sie uns erstmalig für ein Interview zur Verfügung stehen.

Frau Hornik, wie haben Sie die ersten 100 Tage empfunden und was waren Ihre ersten „Amtshandlungen“ als neue Compliance-Verantwortliche beim ADAC?

Monika Hornik: Die ersten 100 Tage waren für mich extrem spannend und ich bin beim ADAC sehr offen aufgenommen worden. Durch die Neuausrichtung des Clubs war die Frage, ob es überhaupt eine Compliance-Funktion braucht, bereits beantwortet – das hat es mir leicht gemacht. Unabhängig davon bin ich beeindruckt, wie entschieden und konsequent der ADAC das Thema Compliance angepackt hat. In meinem Postfach lagen bereits viele drängende Fragestellungen, bevor ich überhaupt angekommen war. Deswegen sind wir operativ auch sofort durchgestartet, um das Momentum einer hohen Frequenz an Fragen und Aufgaben nicht zu verlieren. Es gab sehr schnell einen Workshop aller Compliance-Beauftragten, wir haben uns an die Ausarbeitung verbindlicher Compliance-Richtlinien gemacht und den Gremien des ADAC bereits Ende 2015 vorgelegt.

Welche neuen Strukturen wurden geschaffen und was heißt dies für die zukünftige Compliance Arbeit des ADAC?

Monika Hornik: Mit unserer Compliance-Organisation, insbesondere mit der ADAC Compliance
Service GmbH, haben wir aus meiner Sicht eine wegweisende Plattform für die Organisation von Compliance in föderal organisierten Vereinen und Verbänden geschaffen. Unser Ziel ist es, ein einheitliches und wirksames Compliance Management System für den gesamten ADAC, das heißt sowohl für den e.V. als auch die rechtlich eigenständigen Regionalclubs zu schaffen.

Bemerkenswert ist, dass sämtliche ADAC-Einheiten Dienstleistungsverträge mit der Compliance GmbH abgeschlossen haben und sich darüber hinaus die allermeisten Regionalclubs auch als Gesellschafter unternehmerisch daran beteiligen. Auf Grundlage der Verträge erbringen mein Team und ich die Compliance-Arbeit fur den gesamten ADAC. Die Compliance GmbH ist eingebettet in eine Organisation, die sich aus den Gremien der Vereine, dem Compliance-Ausschuss, den sogenannten „dezentralen Compliance-Beauftragten“ und natürlich meinem Team zusammensetzt. Ich erachte diese Struktur als praktikabel, und wir sind genauso schnell wie in anderen Unternehmen üblich. Unsere Wege sind kurz, die Drähte eng, das hilft in der Abstimmung und Entwicklung von sinnvollen Compliance-Maßnahmen.

Was macht für Sie die Compliance-Arbeit besonders spannend, aber auch besonders herausfordernd?

Monika Hornik: Ein grundlegender Unterschied ist natürlich das föderale Zusammenspiel zwischen dem ADAC e.V. und den rechtlich eigenständigen Regionalclubs. Allein deshalb können Entscheidungen, beispielsweise über eine Richtlinie, nicht einfach von oben nach unten für den gesamten ADAC beschlossen und durchgesetzt werden. Wir gehen den Weg der Zusammenarbeit und entwickeln gemeinsam mit Kollegen aus vielen verschiedenen ADAC-Einheiten unsere Compliance-Maßnahmen. Das richtige Maß zu finden zwischen regionaler Besonderheit und der Einheitlichkeit des Compliance Management Systems in seinen Kernelementen ist dabei die große Herausforderung. Mein Ziel ist, den einzelnen ADAC-Einheiten Arbeit abzunehmen und sinnvolle Lösungen anzubieten, die gerade im operativen Bereich an die jeweiligen Prozesse anpassbar sind. Persönliche Kontakte und eine gute Kenntnis der Prozesse vor Ort sind das A und O.

Ist der Compliance-Weg schon beschritten bzw. was liegt noch vor Ihnen und den Kollegen?

Monika Hornik: Wir haben in kurzer Zeit schon viel geschafft. Es gibt eine für den gesamten ADAC gültige Compliance-Richtlinie, die zentralen Bausteine eines ADAC Compliance Management Systems sind gelegt und wir pflegen einen intensive Austausch mit den Kollegen. Insgesamt können wir uns über mangelnde Frequenz sicher nicht beklagen.

In zahlreichen Teilbereichen sind wir auch operativ zügig unterwegs, etwa im Bereich der ADACReisebüro oder im Einkauf. Klar ist aber auch dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt und das Thema Compliance sehr tief im ADAC verankert werden muss.

Der Aufbau eines Hinweisgebersystems für die Compliance-Arbeit ist in aller Munde. Wie können beim ADAC Hinweise eingehen?

Monika Hornik: Der ADAC hat im Jahr 2014 ein Hinweisgebersystem der Firma BKMS (BKMS® System) eingeführt, das von uns koordiniert wird. Im Vergleich zu anderen Unternehmen machen wir bei der Bearbeitung von Hinweisen keinen Unterschied. Allerdings legen wir deutlich mehr Wert auf Prozesssicherheit, Daten- und Geheimnisschutz, da wir für rechtlich selbständige Einheiten das Hinweisgebersystem zentral betreiben.

Abschließend eine persönliche Frage: Wenn der Compliance-Tag doch einmal zu stressig ist, wie tanken Sie Ihre Kräfte für den nächsten Tag wieder auf?

Monika Hornik: Meine Familie ist pferdesportbegeistert und am Wochenende gibt es für mich nichts Besseres zum Abschalten.

Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Kathrin Dietrich-Pfaffenbach, Conference Direktorin, Euroforum Deutschland SE


HB Journal Compliance Front

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