3 Fragen an….Dr. Holger Bengs, CEO, BCNP Consultants GmbH


Dr. Holger Bengs

Spricht man über Innovation und Digitale Transformation, wird oft über den Clash Alt VS Neu gesprochen. Dr. Holger Bengs, CEO der BCNP Consultants GmbH aber betont, dass  weder die behäbige Arroganz der Alten noch das flinke „wie toll wir sind“ der Jungen allein selten ein Erfolgsgarant sind. Für Bengs transformiert sich ein Unternehmen erfolgreich, wenn man auf die Kombination aus Alt UND Neu setzt.

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3 Fragen an….
Dr. Holger Bengs, CEO, BCNP Consultants GmbH

Doktor Bengs, die Chemiebranche will und muss sich innovieren. Lohnt sich für die Etablierten da ein Blick auf die Startups? Wie sieht es in der deutschen Chemie-Gründerszene aus?

Dr. Holger Bengs: In unserem Alltag bewegen wir uns immer in Handlungsspektren. Wir sehen zum Beispiel nur im Bereich für uns sichtbarer Wellenlängen. Doch hinter den Rändern gibt es mehr. Wer sich mit Innovationen in der Chemie befasst tut gut daran, aus der eigenen Box herauszutreten. Startups spielen eine wesentliche Rolle bei Innovationen; dabei geht es nicht nur um Technologien, sondern auch um inspirierende Arbeits- und Denkkulturen. Und Startups, die die Chemieproduktion in den nächsten Jahren auf den Kopf stellen werden, gibt es reichlich – nicht nur in Deutschland; und diese kommen auch aus der Bioökonomie und der Digitalisierung, um nur zwei Felder abseits klassischer Chemie zu nennen.

Wo haben Startups die besten Chancen, auf den Chemiemarkt zu drängen? Liegt das größte Potenzial wie in anderen Branchen auch in den digitalen Geschäftsmodellen?

Dr. Holger Bengs:  Digital klingt in der Tat immer nach schnell. Doch das entscheidende für mich ist immer ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wenn ein Investor sieht, dass nach einer gut geplanten Zeitspanne Rendite fließt, dann gibt es auch Geld für hohe Anfangsinvestionen. Ein ökonomisch funktionierendes Team und eine klare Marktnische scheinen mir allemal wichtiger zu sein als nur die Komplexität eines Gründungsvorhabens oder die Höhe einer Erstinvestition zu betrachten. Wir haben in den letzten Jahren soviel Geld gedruckt; das sucht nach renditeträchtigen Anlagechancen, egal ob diese aus dem Computer oder aus dem Labor kommen.

Anstatt in der Chemie über „ALT vs NEU“ zu reden, kann man natürlich auch auf „ALT & NEU“ setzen. Nutzt die Branche Ihrer Meinung nach die Vorteile, die Kollaborationen zwischen traditionellen Unternehmen und neuen Playern bringen können, genug?

Dr. Holger Bengs: Nein. So ist das menschliche Naturell. Es gibt immer drei Gruppen. Die Begeisterten. Die Neutralen. Und die Bestandsbewahrer, die glauben, wir haben eine Sache schon immer erfolgreich so gemacht, warum sollten wir das jetzt ändern. Innovation und das Geschäft von Morgen entsteht immer an den Grenzen, zwischen Disziplinen, Kulturen, Geschlechtern, Regionen, Nationen und natürlich auch zwischen oder in der Kombination von Alt und Neu, das betrifft Menschen wie Strukturen. Das ist ja das spannende. Einige Große und einige Kleine müssen noch lernen: behäbige Arroganz der Alten oder flinkes „wie toll wir sind“ der Jungen allein ist selten ein Erfolgsgarant. Sich öffnen und sich selbst in Frage stellen führt vermutlich zu den tragfähigsten Neuerungen im Kapitalismus, in dem wir nun einmal wirken.