3 Fragen an…. Stefan Bartens, Vice President – Logistics Procurement Europe, BASF SE


Stefan Bartens BASF

Die BASF nennt den Rhein auch die Lebensader des Unternehmens, denn rund 40 Prozent aller eingehenden Transporte zum größten Standort Ludwigshafen kommen per das Schiff. Und wenn diese Lebensader wie im Jahr 2018 wegen Niedrigwasser versiegt, hat ein Unternehmen Probleme. Stefan Bartens, Vice President – Logistics Procurement Europe bei BASF SE spricht in diesem Interview darüber, wie man sich auf solche wiederkehrenden Eventualitäten bei BASF vorbereitet.


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3 Fragen an….
Stefan Bartens (Vice President – Logistics Procurement Europe, BASF SE)

Herr Bartens, welches ist der größte Painpoint in der BASF-Logistik? Wie lindern Sie diesen „Schmerz“?

Die BASF ist auf eine leistungsfähige öffentliche Logistikinfrastruktur angewiesen, das gilt sowohl für Schienen, wie für Straßen als auch besonders für Schifffahrtswege. Sichere Verkehrswege sind für den Transport unserer Rohstoffe, wie auch unserer Fertigprodukte unerlässlich. Nach dem Desaster des Eisenbahntunneleinsturzes bei Raststatt im Jahr 2017 hat das Thema für uns nochmal an Bedeutung gewonnen und es wurde deutlich, dass diese Infrastruktur keineswegs selbstverständlich ist. Wir haben daraufhin unsere Anstrengungen, auf dieses Thema hinzuweisen, in den Diskussionen mit den politischen Entscheidungsträgern noch einmal deutlich erhöht. Wir versuchen dabei immer ganz spezifisch auf für uns wichtige Projekte zu benennen. Der Rhein ist sicherlich die Logistikinfrastruktur von herausragender Bedeutung für die BASF. Wir nennen den Rhein auch die Lebensader der BASF. Über den Rhein kommen viele großen Rohstoffe für unseren größten Standort Ludwigshafen. So werden rund 40 Prozent aller eingehenden Transporte über das Schiff abgewickelt. Das sind pro Tag rund 10.000 Tonnen, was, je nach Größe, etwa 5 bis 10 Binnenschiffen entspricht.

2018 sorgte das Bild von Rhein-Frachtern, die aufgrund der monatelangen Trockenheit und des daraus resultierenden Niedrigwassers festsaßen, für Aufsehen. War auch BASF von dieser Situation betroffen?

Während der Niedrigwasserphase im Jahr 2018 konnte Ludwigshafen nur noch von wenigen Schiffen angefahren werden. Eine Verlagerung von Mengen auf alternative Transportmittel wie Pipeline, Lkw und Schiene war nur begrenzt möglich. Die Versorgung mit einigen wichtigen Rohstoffen war eingeschränkt. Durch die Einschränkungen in der Produktion kam es bei einzelnen Produkten zu Lieferengpässen bei Kunden. Allein im 3. Quartal 2018 war der Einfluss auf das Ergebnis von rund 50 Mio. Euro zu verzeichnen.

War das Niedrigwasser aus Ihrer Sicht eine Ausnahme? Oder haben Sie Lehren daraus gezogen und sich für Eventualitäten anders aufgestellt?

Um den Standort widerstandsfähiger gegen langanhaltende Niedrigwasserereignisse zu machen, arbeitet die BASF an einem Konzept, das einen Reihe von Maßnahmen umfassen soll. Zu den Optionen, die diskutiert werden, gehören unter anderem die Erweiterung von Tankkapazitäten und die Umstellung auf Schiffstypen, die für Niedrigwasser geeignet sind. Die ersten Maßnahmen werden 2019 umgesetzt.
Aber auch die öffentliche Hand sollte ihren Teil dazu beitragen, den Schifffahrtsweg Rhein robuster auf Rheinpegeländerungen vorzubereiten. So gibt es ja auch ein Projekt, die nutzbare Fahrrinne am Mittelrhein um 20 cm zu erhöhen und einige weitere Ideen, die im Bundesverkehrswegeplan auch verankert sind. Der Zeithorizont der Umsetzung mit 2030ff ist allerdings sehr weit in der Zukunft.