Ein Blick in den Werkzeugkasten: Remote Leadership als gesamtunternehmerische Kulturfrage

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Ein Fachbeitrag von Nina Neuwinger, Senior Consultant bei combine Consulting

Die Autonomie des Einzelnen stellt Organisationen im Ganzen vor immense Chancen und Herausforderungen. Mitarbeiter:innen, denen die Freiheit eingeräumt wird, ortsunabhängig zu arbeiten, sind in vielen Fällen gesünder und dem eigenen Arbeitsplatz gegenüber positiver eingestellt. Moderne Unternehmen, denen es gelingt, Remote Work erfolgreich umsetzen, profitieren nicht nur im Bereich Recruiting und Arbeitgebermarke – sie können ihre Profitabilität ausbauen, selbst in Krisenzeiten.

Gleichzeitig erzwingt Remote Work ein neues Verständnis der Arbeits- und Führungskultur. Es erfordert ein Um- und Überdenken der Strukturen und Prozesse im gesamten Unternehmen. Einige Werkzeuge haben sich aus combine Perspektive als besonders relevant erwiesen. Jedes Werkzeug wird dabei stets an die kulturellen Eckpfeiler des Unternehmens geknüpft. So entsteht Raum für eine Transformation, die Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führt.

Tragende Säule der hybriden Arbeitswelt ist die technische Infrastruktur.

Mitarbeitende müssen optimal ausgestattet werden – ob am Standort, im Homeoffice oder mobil. Das Ziel: Eine Zusammenarbeit, die in alle Richtungen funktioniert: Am Unternehmensstandort, rein virtuell, in der Kombination von beidem, Face-2-Face und mit vielen Teilnehmern an verschiedenen Orten. Die Hardware, die Tools für Video Conferencing und Document Sharing, der gemeinsame Kalender, mobile E-Mail-Zugänge, virtuelle Whiteboards, Cloud Visualisierungen und intelligente Kollaborations-Apps sind dabei nicht alles. Erst das Know-how der Menschen im Unternehmen und die regelmäßige Analyse von Verständnis und Einsatz der technischen Infrastruktur macht die zur Verfügung stehenden Instrumente erfolgreich.

Für Führungskräfte gilt es außerdem, mit dem Wandel hin zur Vertrauenskultur umzugehen, diesen Wandel als Chance zu erkennen und gleichzeitig aus verteilten Individuen ein Team zu formen. Von Seiten der Mitarbeitenden ist die Bereitschaft zentral, den Transformationen im Unternehmen und in der Zusammenarbeit mit Offenheit zu begegnen, die Selbstorganisation zu optimieren und eigene Anliegen sichtbar zu machen. Vertrauen wächst gerade in Remote Teams durch eine offene Fehlerkultur. Mit Fehlschlägen konstruktiv umzugehen, ist für moderne Führung zentral. Es ermöglicht fortlaufend wichtige Anpassungen in der Arbeits- und Unternehmenskultur.

In einer sich wandelnden, von Unsicherheit, und Komplexität geprägten Arbeitswelt gewinnt Empathie an Bedeutung. Führungskräfte, denen es gelingt, im virtuellen Raum Einfühlungsvermögen und Verständnis an den Tag zu legen, sind in Sachen Remote Leadership auf einem guten Weg. Eine gelebte Feedbackkultur spielt in beide Richtungen eine Rolle: Mitarbeitende sind auf Orientierung, Unterstützung und Motivation angewiesen; für Führende ist es wichtig, zu erfahren, in welchen Bereichen aus Sicht der einzelnen Teammitglieder Nachbesserungsbedarf besteht.


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Mehr Autonomie verlangt auch feste Verbindlichkeiten und Regeln.

Wer ist wann erreichbar? Wer trägt für welchen Teil eines Projektes die Verantwortung? Welche Termine sind obligatorisch? Ein unverzichtbarer Rahmen für die Zusammenarbeit und den Erfolg von Remote Teams. Eine auf die Unternehmenskultur abgestimmte Kommunikation ist dabei unerlässlich. Sie muss – online und offline – Klarheit und Transparenz sowie Sinn und Verständnis vermitteln.

Büroflächen, die die Gemeinschaft und den Austausch fördern, die motivieren und kreatives Arbeiten begünstigen sind auch und gerade für Unternehmen, die ihren Mitarbeiter:innen Autonomie einräumen, zentrale Faktoren. Als Orte, an denen das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft gestillt werden kann, an denen die eigene Kompetenz und Wirkmächtigkeit im Team erlebt wird und man Erfolge gemeinsam zelebriert. Regelmäßige Feierabend- oder Mittags-Meetings etwa haben sich als Baustein remoter Unternehmenskultur bewährt. Auch in Sachen Onboarding kommt den Büroräumen eine zentrale Bedeutung zu. Sie sind Touchpoint, Teil der Arbeitgebermarke und helfen bei der Integration neuer Mitarbeiter.

So vielseitig die genannten Werkzeuge, so unterschiedlich ihre Einsatzmöglichkeiten. In welchem Unternehmen sich welche Anpassungen bewähren, dafür gibt es keinen idealtypischen Masterplan. Statt eines starren Korsetts bedarf Remote Leadership einer individuellen, ganzheitlichen und am Menschen orientierten Kulturanalyse. Gemeinsam mit combine kann dieser Prozess gestaltet werden.

Nina Neuwinger

Nina Neuwinger
www.combine-consulting.com