Marcel Fratzscher: Technologischer Wandel führte fast immer zu mehr Wohlstand und humaneren Arbeitsbedingungen

Im Zuge der Digitalisierung wird sich unsere Gesellschaft dramatisch und immer schneller verändern. Das stellt auch neue Anforderungen an Führungskräfte. Wir haben mit den Experten der diesjährigen C-Suite darüber gesprochen, was “digital Leadership” für Sie ausmacht und welche persönlichen
Strategien Sie für Ihren beruflichen Alltag sowie das Abschalten in ihrer freien Zeit haben.

Herr Fratzscher, Deutschland und die Digitalisierung – zeichnen Sie eine helles, düsteres oder ein „Sowohl, als auch“-Zukunftsbild für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung?

Ich bin ein großer Optimist was die Digitalisierung angeht. Der technologischen Wandel hat in der Geschichte fast immer dazu geführt, dass bessere und humanere neue Jobs und damit mehr Wohlstand entstanden sind. Es gibt überhaupt keinen guten Grund, wieso dies in Zukunft anders sein soll.

Welche technologische Entwicklung finden Sie derzeit am interessantesten und warum?

Die Künstliche Intelligenz ist für mich die große Unbekannte, die uns als Mensch hinterfragen wird. Inwiefern wird sie das, was uns als Mensch ausmacht, nämlich unsere Empathie und Kreativität, ersetzen können?

Erinnern Sie sich an eine berufliche Situation, aus der Sie besonders viel für Ihren weiteren Werdegang gelernt haben?

Ich habe 1996-98 als Makroökonom und Berater der indonesischen Regierung in Jakarta die Finanzkrise Asiens miterlebt. Sie hat mich gelehrt, welchen enormen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Schaden eine schlechte Wirtschaftspolitik anrichten kann.

Haben Sie eine Literatur-Empfehlung à la „Das sollte jeder in seinem Leben einmal gelesen haben?“ Oder einen entsprechenden Film-Tipp?

Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ ist eine beeindruckende Studie Europas am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine eindrückliche Warnung an uns Europäer heute, Frieden und Wohlstand nicht als etwas Selbstverständliches anzusehen, sondern Europa zu einen und zu stärken.

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