Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner: durch künstliche Intelligenz entsteht etwas komplett Neues

Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleiter ist eine der einflussreichsten Personen der deutschen Wirtschaft: Neben ihrer Professur für Unternehmensfinanzierung kontrolliert sie als Aufsichtsrätin drei Dax-Konzerne. Wir haben die Mit-Initiatorin und Gastgeberin der Handelsblatt C-Suite zu ihrer ganz persönlichen Sicht auf eine digitale Zukunft befragt.

Deutschland und die Digitalisierung – zeichnen Sie eine helles, düsteres oder ein „Sowohl, als auch“-Zukunftsbild für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung?

Da sich Fortschritt nicht aufhalten lässt, werden wir uns mit ihm auseinander zu setzen haben. Wir können dies mit Missmut machen, was wenig motivierend ist, oder die Chancen sehen und den Wandel aktiv annehmen. Wenngleich wir in Deutschland eher zur Skepsis neigen, so sollten wir uns für den aktiven Weg entscheiden, weil er mehr Erfolg verspricht und mehr Freude macht.

Welche technologische Entwicklung finden Sie derzeit am interessantesten und warum?

Am bahnbrechendsten finde ich die derzeitigen Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Zukunft wird keine Verlängerung der Vergangenheit sein. Hier entsteht etwas komplett Neues und es ist offen, wie sich das Miteinander der menschlichen und künstlichen Intelligenz entwickelt und wie es aus ethischen und anderen Perspektiven gestaltet werden sollte.

Erinnern Sie sich an eine berufliche Situation, aus der Sie besonders viel für Ihren weiteren Werdegang gelernt haben?

Es gibt keine besondere Situation, aber meine Lehrer haben mir mitgegeben, immer neugierig zu sein, Fragen zu stellen und Neuem offen zu begegnen, ohne naiv fortschrittgläubig zu sein.

Was glauben Sie, zeichnet eine Führungspersönlichkeit – insbesondere im digitalen Zeitalter – aus?

Ein hybrides, manche sagen ambidextres Wesen: Sie muss geistige Offenheit haben und ohne Tabus neue Dinge anpacken, mit neuen Führungs- und Organisationsverständnissen, darf aber gleichzeitig das bestehende Geschäft mit seinen anderen Herausforderungen und vor allem den dort beschäftigen Menschen nicht vernachlässigen.

Was möchten Sie einmal im Rückblick über Ihr (Berufs-)leben sagen können?

Dass ich etwas positiv mitgestaltet habe und dabei Menschen, mit denen ich zu tun hatte, geholfen habe.

Was motiviert Sie?

Täglich Neues zu lernen und Wissen zu vermitteln.

Haben Sie eine Literatur-Empfehlung à la „Das sollte jeder in seinem Leben einmal gelesen haben?“ Oder einen entsprechenden Film-Tipp?

Zur Zeit ist „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari das Buch, über das ich am liebsten mit anderen diskutiere. Und wenn es ein anderer Bereich sein soll, ist „Licht aus dem Osten: eine neue Geschichte der Welt“ von Peter Frankopan ein für mich interessanter Ausbruch aus unserer europäischen Sicht der Weltgeschichte.

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