Kreativität ist das Gut, das uns Menschen weiter „nötig“ macht – Maks Giordano (CEO, kreait)

Maks Giordano Kreativität

Für Maks Giordano, CEO der Agentur kreait, steht fest: Jeder von uns ist kreativ und kann kreativer werden. Und wir sollten kreativer werden. Denn für Maks Giordano ist Kreativtiät in einer von KI getriebenen Zukunft voller AR und VR das Gut, was uns Menschen weiter bleibt und uns weiter „nötig“ macht. Ein C-Suite-Interview über das Glück im Hier und Jetzt, Shopping per Kopfnicken und die Einzigartigkeit des Burning Man Festivals.

Im Rahmen der C-Suite im Juli 2019 in Berlin wird Maks Giordano als Digitalstratege, Kreativer und Futurist Ihnen zeigen,
warum uns die exponentielle Entwicklung der Welt vom Denken zum Handeln zwingt.

Maks Giordano (CEO, kreait) im C-Suite-Interview

Herr Giordano, Ihr Twitter-Slogan ist „in arcadia ego“. Was bedeutet dieses Zitat, das aus dem Barock stammt, für Sie?

Maks Giordano: Für mich steht „Arcadia“ für eine Art Paradies und der Ausspruch „Et in arcadia ego“ – also – „Auch ich (bin) in Arkadien“ als kleine Erinnerung daran, dass wir alle im Hier und Jetzt glücklich sein können und weniger benötigen, als uns manchmal bewusst ist. Die Zukunft bleibt ungewiss, die Vergangenheit können wir nicht mehr verändern, sprich – der Augenblick als die einzige Gestaltungsmöglichkeit Glück und Zufriedenheit zu suchen und zu erlangen.

Sie sind überzeugter Burning-Man-Pilger. Was verpassen alle, die noch nie bei dem Festival in der Wüste Nevadas waren?

Maks Giordano: Pilger ist vielleicht etwas übertrieben – Ich war das erste Mal 2007 und habe mir immer einen Abstand von zwei/drei Jahren gegönnt und gehe dieses Jahr das 4. Mal. Ich habe einige Freunde die jedes Jahr gehen und ein gutes Dutzend Mal dort waren. Es ist jedenfalls sehr schwer bis unmöglich zu beschreiben. Einen ersten – sicherlich verfälschten – Eindruck erhält man, wenn man entsprechende Bilder sucht: Es ist eine Stadt in der Wüste, mitten in Nichts, für eine Woche gebaut aus abertausenden Wohnwägen, Zelten, abenteuerlichen Installationen. Die Bilder spiegeln irgendwas zwischen MadMax, Karneval und Techno Festival wider. Wer aber dort war, findet in allererster Linie ganz andere Sachen vor:
Die Wüste lehrt Demut. Es gibt dort nichts, rein gar nichts. Entsprechend muss alles persönlich mitgebracht werden. Hat man etwas vergessen, gibt es nirgends ein Geschäft, wo man es kaufen könnte. Geld hat keinerlei Bedeutung in der Wüste. Gehen einem die Müllbeutel aus, geht man zu Nachbarn und tauscht gegen etwas anderes. Und das Motto „Leave no trace“ bedeutet dass die Wüste auch genauso verlassen wird, wie sie vorgefunden wurde. Sprich – jeder nimmt seinen eigenen Müll wieder mit und hinterlässt keine Spuren.
Es ist eine persönliche Erfahrung, die man findet. Wer feiern will, kann das Rund um die Uhr tun, wer mit Familie und kleinen Kindern kommen mag, kann das tun. Wer tagsüber Yoga machen möchte, gesund Essen, Kunst anschauen, Workshops besuchen, Vorträge lauschen will, kann das auch machen und um 23 Uhr ins Bett gehen. Während andere dann erst aufwachen und in den wildesten Outfits und mit LED Lichtern behängt in die Wüste zum Feiern gehen. Wie gesagt – lässt sich unmöglich beschreiben. Ich selbst hatte jedenfalls extrem spannende Gespräche, tolle neue Leute kennengelernt, interessante Workshops besucht, unfassbar gute Kunst gesehen, einen Rausch an Eindrücken, vor allem aber auch die Herzlichkeit. Selbstlosigkeit und Aufmerksamkeit von anderen Teilnehmern erlebt etc. während der Tagesstunden und ganz ohne Alkohol oder Drogen.

Sie sagen, dass wir in der virtuellen Realität mit einem Nicken einkaufen werden. Wann wird diese Zukunftsvision Ihrer Meinung nach Alltag sein?

Maks Giordano: Dies können chinesische Käufer in einer virtuellen Macy´s NYC Welt auf Alibaba bereits seit Ende 2016! Es gibt eine ganze Reihe von AR/VR Möglichkeiten des Konsums, von virtuellen Pop-Up Stores in Augmented Reality, Extendend Reality Installationen im Retail, als Marketing Gimmick, als AR App für das Smartphone, als komplett immersive VR Shopping Welt wo ich selber mir meine Adidas Schuhe gestalte, etc. Um es mit William Gibson zu sagen:„The future is already here — it’s just not very evenly distributed.“ Ob und wann es also die Allgemeinheit, meine ältere Schwester, die Nachbarin etc erreicht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Irgendwann erreicht VR die Auflösung, die der menschlichen Retina sehr nahekommt. Wir können den Eindruck noch weiter verstärken mit taktilen Anzügen, mit Gerüchen etc. – ich denke in wenigen Jahren sind wir in der Lage komplett immersive, virtuelle Welten zu erschaffen. Frage ist, ob wir das wollen und was es uns bringt. Ich persönlich bin sehr skeptisch was VR als B2C und für den Heimanwender angeht. Neben Gaming und Porno wird es den wenigsten dauerhaft was bringen. VR ist für mich def. Spannender in B2B Kontext: bereits Heute werden sehr erfolgreich Mitarbeiter in VR geschult, bspw in Sicherheit oder Umgang mit Kunden oder Maschinen. VR in Education ist extrem spannend. Für medizinische Fortbildung oder gar auch den VR enabled Chirurgen. Im Autohaus bei der Autokonfiguration etc. Ich denke für B2B wird VR sehr spannend bleiben und weiter ausgebaut in der Nutzung.
Für uns Allgemeinheit ist eher das Thema „Augmented Reality“ (AR) spannend. Es ist weniger aufwändig in der Nutzung, man ist nicht komplett abgetaucht in einer anderen Welt sondern sieht seine Umgebung noch, etc.
Ich denke AR Nutzung auf dem Smartphone wird explodieren und in wenigen Jahren wird es von einer Mehrheit täglich genutzt. Ich nutze bspw immer im Ausland die AR Übersetzungsmöglichkeiten von Google Translate. Speisekarte auf Japanisch oder Spanisch – kein Problem – mein Smartphone übersetzt es in Realtime per Kamera. Für Navigation ist es ein hoher Mehrwert, wenn ich nicht auf Maps mich orientiere, sondern wenn ich die Navigation als AR Overlay auf mein Kamerabild bekomme und mich besser orientieren kann. Mir fallen dutzende spannende Anwendungen ein, die in AR wesentlich besser sind, als in VR. Zum Abschluss das Thema „Shopping“ nochmals aufgegriffen: mit AR kann ich mich besser in Shopping Malls orientieren, ich kann ein Bild machen von etwas was ich kaufen will und Bilderkennung wird mir anzeigen was es ist und wo ich es bekomme, ich werde AR Marketing Kampagnen nutzen können etc etc.

Sie sind Managing Director einer Kreativagentur, haben namhafte Kunden. Wie ist es Ihrer Meinung nach um die Kreativität in den deutschen Führungsetagen bestellt?

Maks Giordano: Wir haben deswegen unseren Namen „KREAIT“ gewählt, weil wir an KREAtivität in Zusammenhang mit IT fest glauben. Wenn die industrielle Revolution eines losgetreten hat, dann die Möglichkeit effizienter zu arbeiten und zu skalieren. Effizienz und Skalierung ist das, was wir in den letzten 100 Jahren perfektioniert haben. Es ist auch das, was wir in den meisten Chef Etagen und im Management am Besten beherrschen und zugegebenermaßen am Schnellsten als Resultat messen und als Erfolge ausweisen können. Gerade auch wichtig wenn ein Unternehmen an der Börse ist und jedes Quartal Zahlen meldet. Leider ist Effizienz und Skalierung aber auch exakt das, was die neue Konkurrenz aus Asien oder USA unter Umständen besser kann als wir und im Kontext der kommenden Jahren auch exakt das, was Künstliche Intelligenz und Robotics besser machen wird als wir!
Im Zusammenhang mit KI und Robotics wird ja häufig berechtigt vor dem Wegfall vieler Jobs in der Produktion gewarnt. Der deutsche Autobau als Beispiel einer Branche – Elektromobilität benötigt nachweislich weniger Komponenten, ist einfacher zu bauen und zu warten etc. Ferner wird KI und Robotics die Produktion noch besser optimieren – zusammen ergeben diese Faktoren mit Sicherheit den Wegfall von vielen Arbeitsplätzen, die so nicht mehr benötigt werden.
In dieser Diskussion wird aber häufig übersehen, dass es viel weiter geht. Diese Entwicklungen machen nicht vor Produktion halt, sondern gehen in Medizin, Juristische Berufe etc. Wo immer ich auch Daten und klare Regeln habe. Bereits Heute hat eine KI in Tests führende Anwälte in der Bearbeitung von NDA Verträgen geschlagen. In China wurden führende Neurologen von der KI geschlagen im Analysieren von MRT Aufnahmen.
In solch einer Zukunft ist Kreativität meiner Meinung das Gut, was uns Menschen weiter bleibt und uns weiter „nötig“ macht. Ich bin bei weitem kein Gegner von KI und Robotics, sondern begrüße und freue mich auf eine Utopie, wo menschliche Kreativität auf Skalierung und Effizienz von KI und Robotics trifft. Wo wir die Maschine als Hilfe, als Verlängerung unserer Möglichkeiten sehen.

Ein weiterer Aspekt im Hier und Jetzt ist sicherlich, dass Kreativität uns im Management gut tut im Umgang mit unseren Kunden, unseren Kollegen, mit neuen Herausforderungen, mit dem Aufbrechen alter Denkmuster etc. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht – gerade im Top Management – mit Leuten, die von sich behaupten „NULL Kreativ“ zu sein und dann im Workshop über sich hinauswachsen. Customer Journey Mapping, Design Thinking, Moonshot Ideation, Design Sprints etc etc. Es gibt eine Vielzahl an spannenden Workshop Formaten und Methoden, die im Top Management uns helfen, kreatives Potential zu entfalten. Ich habe so viele positive Erlebnisse hier gemacht, wie diese freigesetzte Kreativität zu besseren Produkten, neuen Geschäftsmodellen, Innovativen Ideen, besserer Zusammenarbeit etc. geführt hat. Jeder von uns ist kreativ und kann kreativer werden. Und wir sollten kreativer werden.

Ein CEO sagt Ihnen, dass er nicht mehr als 5 beeindruckende Startups in seiner Branche kennt. Was antworten Sie?

Maks Giordano: Ich würde vorsichtig darauf hinweisen, dass jede exponentielle Innovation „enttäuschend“ und unter den Erwartungen startet. Das ist ja exakt das Problem im Vergleich von inkrementeller zu exponentieller Innovation. Zugegeben – bei etlichen StartUps steht am Anfang zu sehr „Hype“, das Geschäftsmodell ist nicht wirklich vorhanden, das Wachstum nicht so, wie erhofft etc.
Zwei Jahre später kann das aber ganz anders aussehen.
Als CEO muss ich meiner festen Überzeugung die Entwicklungen im StartUp Umfeld sehr ernst nehmen, sehr gut beobachten und ich muss aktive Entscheidungen treffen können.
Die heutige rasante Innovationsgeschwindigkeit zwingt Unternehmen zu einem sehr guten Trendscouting. Trends und Entwicklungen, relevante StartUps müssen schnell identifiziert werden und es muss eine Entscheidung getroffen werden im Management – wie relevant ist dies für unser Unternehmen? Steigen wir ein? Investieren wir? Gründen wir selber etwas? Partnern wir mit StartUps?
Neben den reinen Investment Möglichkeiten und Ausblick auf ROI finde ich persönlich fast noch spannender, was ich als etabliertes Unternehmen von StartUps „lernen“ kann? Agilität als Mindset. Das Arbeiten mit MVPs. Daten-zentrierte Entscheidungen im Management zu treffen und nicht basierend auf bloßen Annahmen. Die Kundenorientierung die über allem steht. Etc.
Ich traue mir zu, nahezu für jede Branche StartUps nennen zu können, die mich „beeindrucken“ und die ich als CEO eines etablierten Unternehmen ernst nehmen würde.