KI & MI: das perfekte Duo – Julia Bösch (Gründerin & Geschäftsführerin, Outfittery)

Julia Bösch Outfittery

Mit jedem Einkauf lernt Outfittery die Vorlieben seiner Kunden kennen. Bei 600.000 Kunden kann sich aber auch kein Stylist mehr alle Datenpunkte und Vorlieben merken. Deshalb arbeiten im Outfittery Tech Team allein 12 Personen im Data Bereich, um den Algorithmen den Feinschlidff zu verpassen. Im C-Suite-Interview erklärt Outfittery-Gründerin & -Geschäftsführerin
Julia Bösch, warum für sie „KI“ und „MI“ (menschliche Intelligenz) das perfekte Duo ist.

Outfittery ist ein Musterbeispiel für die Innovationskraft, die Deutschland & Europa innewohnt.
Im Rahmen der C-Suite im Juli 2019 in Berlin wird Julia Bösch Ihnen 
zeigen,
wie auch Ihr Unternehmen die Innovationschallenge mit Hilfe intelligenter Technik meistern kann.

Julia Bösch (Gründerin & Geschäftsführerin, Outfittery) im C-Suite-Interview

Frau Bösch, mit Outfittery ist es ihr Ziel, Männern das Einkaufen so entspannt wie möglich zu gestalten. Wie funktioniert das?

Julia Bösch: Ganz einfach: Kunden durchlaufen auf der Webseite einen kurzen Stilfragebogen, wo sie Angaben zu ihren Größen, ihrem Budget, favorisierten Marken und natürlich gewünschten Stilrichtungen machen können. Daraufhin wird ihnen ein persönlicher Stylist zugeteilt, der für sie  eine individuelle Auswahl mit Kleidung zusammenstellt – das können komplette, zusammenpassende Outfits von Kopf bis Fuß sein, oder auch nur einzelne Kategorien wie neue Jeans oder Hemden – ganz nach Kundenwunsch. Die Kunden können alles zu Hause in Ruhe anprobieren und senden uns kostenfrei die Artikel zurück, die ihnen nicht zusagen. Sie zahlen nur das, was sie auch behalten.

Wieviel Prozent einer Outfittery-Box werden durchschnittlich vom Kunden behalten?

Julia Bösch: Das kommt ganz darauf an, was der Kunde angegeben hat, was er haben möchte und auch darauf, wie lange er schon Kunde ist, also wie gut der Stylist ihn kennt. Aber der durchschnittliche Warenkorb, den die Kunden behalten, liegt bei 200 Euro.

Während kostenlose Retouren viele Online-Händler in finanzielle Bedrängnis bringen, gehören diese offenbar zur Outfittery-Kernidee. Ist das optimal?

Julia Bösch: Retouren sind bei uns schon immer fester Teil des Geschäftsmodells: Wir schicken dem Kunden eine Auswahl an verschiedenen Kleidungsstücken zur Anprobe nach Hause, aus denen er dann seine Lieblingsteile wählt. Ein wenig wie in einer Umkleide im Laden: Man nimmt erstmal vieles mit rein zum Anprobieren, kauft am Ende aber nicht alles. Zudem lernen wir aus jeder Retoure etwas – das System empfiehlt dem Stylisten bei der nächsten Bestellung des Kunden dann entsprechende Artikel, oder eben nicht, basierend auf der Kauf- und Retourenhistorie. Somit werden wir über die Zeit immer besser darin, nicht nur Passformen oder Farbvorlieben, sondern auch den Bedarf des Kunden zu kennen und können ihn auf seiner „Stilreise“ immer besser begleiten.

Je genauer der Geschmack Ihrer Kunden vorhergesehen wird, desto besser läuft Ihr Geschäft. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei?

Julia Bösch: Wir glauben daran, dass die Mischung aus menschlicher Intelligenz durch den Stylisten in Kombination mit künstlicher Intelligenz die richtige Formel ist, um dem Kunden die für ihn persönlich relevanteste Modeauswahl zusammenzustellen. Mode ist zunächst ein sehr emotionales und persönliches Thema: Was trage ich? Wie ist mein Umfeld? Was drücke ich darüber aus? Was wird nächste Saison der Trend? Da sind viele irrationale Komponenten, die der Stylist abdeckt. Bei über 600.000 Kunden kann sich aber auch kein Stylist mehr alle Datenpunkte merken – welche Farben hat der Kunde bereits im Kleiderschrank? Welche gefallen ich, welche nicht? Was hat er zurückgeschickt? Bei welcher Marke trägt er eine andere Größe als gewöhnlich?  Da braucht es dann die Unterstützung unserer rund 20 Algorithmen – und so wird aus „KI“ und „MI“ (menschliche Intelligenz) das perfekte Duo.

Wie groß ist das Team bei Outfittery, das sich um KI/Machine Learning/etc. kümmert?

Julia Bösch: Unser Tech Team besteht aus rund 50 Personen, davon allein 12 im Data-Bereich.

Einen Schritt weitergedacht: Was ließe sich aus Ihrer Sicht mit diesem Datenwissen über den Kleidungsgeschmack von Männern noch anstellen? Könnte Outfittery das Geschäftsmodell ausweiten und z.B. Modelabels beraten?

Julia Bösch: Nach fast sieben Jahren, über 600.000 Kunden und einer entsprechenden Menge an Daten wissen wir mittlerweile genau, welche Produkte, Marken, Schnitte oder Farben sich wo und wann an welchen Typ Kunden am besten verkaufen. Daraus können wir mittlerweile sehr gute Insights und Prognosen für den Einkauf treffen, das ist natürlich auch für unsere Partnermarken spannend und wir sind hier eng im Austausch. Die erste Priorität für uns ist aber, das Datenwissen noch besser zu nutzen, um das Einkaufserlebnis für den Kunden zu verbessern. Erst kürzlich haben wir z.B. den „Volltreffer“ gelauncht – in der Android App können Kunden sich jetzt ganz spielerisch durch verschiedene Bilder mit Artikeln klicken und diese mittels Swipe-Funktion nach rechts oder links entweder mit „gefällt“ oder „gefällt nicht“ kennzeichnen. Solche spielerischen Features, die uns aber dabei helfen, mehr über den Kunden zu erfahren, werden künftig immer wichtiger.