Fabian Kienbaum: Digitale Transformation erfordert einen Wandel der Unternehmenskultur

Fabian Kienbaum

Digitale Transformation innerhalb eines Unternehmens fängt in der Chefetage an. Wer den Wandel in seinem Unternehmen vorantreiben möchte, muss bei der Unternehmensstruktur und den Mitarbeitern ansetzen. Für Fabian Kienbaum steht fest: „Digital Leadership wird zum strategischen Erfolgsfaktor“, so sein Vortragstitel im Rahmen von „C-Suite – Next Level Leadership“. Was unter anderem Employer Branding damit zu tun hat, hat er uns schon im Vorfeld des neuen Business-Salons beantwortet.

Was wird in Ihren Augen die größte Herausforderung für das angehende C-Level in 2016 sein?

Die größte Herausforderung ist ohne Frage, die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Konkret geht es in vielen Unternehmen darum, mit arrivierten Kräften und einhergehendem Statusdenken den Wandel zu gestalten und gleichzeitig neue digitale Talente einzubinden. Die digitale Transformation erfordert neben einer strategischen Weichenstellung mit neuen Geschäftsmodellen einen Wandel der Unternehmenskultur. Nur wenn die Mitarbeiter auf allen Ebenen motiviert und befähigt werden, diese Mammutaufgabe aktiv voranzutreiben und zu unterstützen, kann der Change gelingen. Der Entwicklung eines Grundverständnisses für die Kraft von Daten und der intelligenten Nutzung von Technologie ist dabei unabdingbar.

Welchen Rat geben Sie dem angehenden C-Level, um diese Herausforderung zu meistern?

Entscheidend sind die Faktoren Mensch und Organisation – was heißt das? In Bezug auf Menschen bedarf es einer deutlich höheren Sensibilität für die Wünsche und das Streben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der Sinnhaftigkeit der Arbeit. Somit rückt transformationale Führung in den Vordergrund. Wir beobachten, dass eine Command und Control Führungskultur in der digitalen Ära häufig als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird. Die Autorität einer Führungskraft wird wesentlich häufiger dann gesehen, wenn sich einzelne und Gruppen intellektuell und emotional abgeholt fühlen: offene, wertschätzende Kommunikation, Transparenz, kein Imponiergehabe wird mehr und mehr zum Zeitgeist. Das bedeutet übersetzt auf Seiten der Organisation, dass Strukturen und Prozesse innerhalb des Unternehmens schlanker und ungezwungener werden sollten. Warum sind coworking spaces mehr und mehr im Kommen? Wieso gewinnen Areale und Campi an Beliebtheit? Es ist die Möglichkeit des Austauschs, des Neuen, des Anderen, mögliche Analogien, die stimulieren, aber gleichzeitig auch für Innovationen sorgen. Im Unternehmen kann ein erster Schritt zur Veränderung in der Gründung von Labs oder Digial-Units bestehen, die die nötige Auseinandersetzung zwischen alter und neuer Welt schaffen und dabei gleichzeitig Freiraum für trial and error bieten. Diesen Wandel der internen Arbeitswelt sollte man als Arbeitgeber dann natürlich auch nach außen tragen, um mit attraktiven digitalen Arbeitgebern mithalten zu können – Stichwort Employer Branding.

Welchen Stellenwert räumen Sie Ihrem persönlichen Netzwerk bei Ihrem Karriereweg ein?

Absolut fundamental und essenziell. Dies aber weniger in Bezug auf meinen eigentlichen Karriereweg, der ja relativ unspektakulär verlaufen ist, sondern in Bezug auf den Mehrwert im beruflichen Alltag heute. Ein Beispiel: Als ich angefangen habe, der Frage nachzugehen, was Digitalisierung eigentlich für unser Unternehmen bedeutet, kannte ich aus der Gründerszene genau eine Person, heute sind es glücklicherweise ein paar mehr. Mit einem guten, gepflegten Netzwerk bleiben Sie immer am Puls der Zeit

Hatten Sie einen Mentor auf Ihrem Weg? Und welche Rolle hat dieser für Sie gespielt?

Mein Mentor war und ist mein Vater. Er hat mich schon früh an das familieneigene Geschäft herangeführt, aber immer nur indirekt, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ich hatte nie das Gefühl, in unser Unternehmen einsteigen zu müssen, habe es aber getan, weil es mich ungemein gereizt hat, bei uns mitwirken zu dürfen. Und ich habe es bisher keine Sekunde bereut, denn die Zusammenarbeit mit meinem Vater macht mir wirklich große Freude. Einerseits profitiere ich ungemein von seiner Erfahrung, andererseits gewährt er mir genügend Freiraum, dass ich selbst viel ausprobieren kann.

Sind Sie selbst Mentor?

Ich gebe gerne meine Erfahrungen als Nachfolger bei allen Gelegenheiten an andere Unternehmer weiter und engagiere mich bei zahlreichen Familienunternehmerveranstaltungen.

Verraten Sie uns etwas über sich, das wir noch nicht wussten (ein außergewöhnliches Hobby, einen Berufswunsch aus Kindertagen…)

Ich könnte den ganzen Tag Haribo oder Katjes essen…

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Fabian Kienbaum ist Geschäftsführender Gesellschafter der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum.

„Bei C-Suite – Next Level Leadership“, dem neuen Business-Salon für das C-Level von morgen, referiert er zum Thema „Digital Leadership wird zum strategischen Erfolgsfaktor“.

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