Welche Rolle spielt die bAV im Unternehmen?


Welche Rolle spielt die bAV im Unternehmen?

von Dr. Dietmar Droste

Die einfache Frage, welche Bedeutung die betriebliche Altersversorgung (bAV) im Unternehmen hat, ist nicht ohne weiteres ganz einfach zu beantworten. Wir können uns aber einer Antwort nähern, indem wir zunächst der Frage nachgehen, warum Arbeitgeber überhaupt bAV betreiben.

Sozialleistung und Vergütungsbestandteil
Von ihrem Ursprung her ist die bAV eine freiwillige Sozialleistung des Unternehmens für seine Mitarbeiter. In ihr verkörpert sich die Idee einer vom Fürsorgegedanken geprägten Sorge des Arbeitgebers um die Sicherung des Lebensstandards seiner Mitarbeiter im Alter.

Die bAV ist aber nicht nur Sozialleistung, sondern auch Vergütungsbestandteil, und zwar je nach Ausgestaltung ein sehr bedeutender. Sie ist als integraler Bestandteil des Vergütungspakets bei einer großen Vielzahl von Unternehmen etabliert.

Dass die bAV für Arbeitnehmer die bedeutendste aller Nebenleistungen ist, tritt immer wieder in Umfragen zu Tage, wie sie etwa von den großen Beratungsunternehmen gelegentlich veröffentlicht werden. Dies ist auch keineswegs verwunderlich, weil die erste Säule der Alterssicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, für den Großteil der Arbeitnehmer nicht bzw. nicht mehr ausreichend ist, um eine angemessene Sicherung des Lebensstandards im Alter zu gewährleisten. Die betriebliche Altersversorgung, die zweite Säule im System der Alterssicherung, ist aufgrund der durch den Arbeitgeber generierten Skaleneffekte die effizienteste Form der zusätzlichen Altersvorsorge. Für Unternehmen bietet die bAV daher eine sehr gute Möglichkeit, sich bei der Mitarbeitergewinnung einen Vorteil im Wettbewerb, um qualifiziertes Personal zu verschaffen.

Effizienzvorteile gegenüber privater Vorsorge
Soweit eine Versorgungszusage noch mit Garantien, etwa einer vom Arbeitgeber garantierten Verzinsung der Beiträge, ausgestattet ist, erschließt sich die Vorteilhaftigkeit der bAV für die Mitarbeiter ohne Weiteres. Bei „moderneren“ Modellen mit variabler Verzinsung oder einer wertpapiergebundenen Zusage ist der Erklärungsbedarf gegenüber den Mitarbeitern grundsätzlich höher, aber auch diese heute stärker verbreiteten, aus Unternehmenssicht risikoärmeren Modelle sind in der Regel wegen ihrer Kostenvorteile deutlich effizienter im Vergleich mit den am Markt erhältlichen Angeboten der Finanzdienstleister im Bereich der dritten Säule, also der privaten Altersvorsorge.

Bewährtes Instrument zur Mitarbeiterbindung
Neben der Mitarbeitergewinnung ist aus Arbeitgebersicht die Bindungswirkung der bAV von großer Bedeutung. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass mit der Mitarbeiterbindung im wohlverstandenen Sinne nicht die früher häufig mit der bAV in Verbindung gebrachte  Einordnung als „goldene Fessel“ gemeint ist. Dieses Bild passt heute aus unterschiedlichen Gründen nicht (mehr) in die Landschaft: Zum einen wird nach heutiger Gesetzeslage eine arbeitgeberfinanzierte Anwartschaft auf die bAV bereits nach drei Jahren unverfallbar, eine arbeitnehmerfinanzierte Zusage ohnehin sofort. Zum anderen wird sich ein Mitarbeiter, der sich mit Abwanderungsgedanken trägt, in der Regel nicht durch die bAV vom Weggang abhalten lassen. Gleichwohl sollte nicht unterschätzt werden, dass eine werthaltige bAV-Zusage sehr wohl dazu beitragen kann, bei betriebstreuen Mitarbeitern die Mitarbeiterzufriedenheit auf einem hohen Niveau zu stabilisieren.

bAV als Teil der Unternehmenskultur
Gerade bei Unternehmen mit einer über viele Jahrzehnte etablierten bAV ist festzustellen, dass die Altersversorgung stark im Sinne des Vertrauens in der Unternehmenskultur verwurzelt und im Bewusstsein der Belegschaften präsent ist. Der kollektivrechtliche Charakter der bAV und die kontinuierliche Einbindung der betrieblichen Mitbestimmung sowie nicht zuletzt auch die  gesetzliche Insolvenzsicherung tragen dazu bei, dass die bAV als Ganze, insbesondere aber auch die Entgeltumwandlung, ein hohes Maß an Vertrauen bei den Mitarbeitern genießt.

Nachholbedarf bei KMU
Die bAV ist bei großen Unternehmen immer noch deutlich stärker verbreitet als bei kleinen, aber auch im Bereich der kleineren Unternehmen hat sie – jedenfalls in Form der arbeitnehmerfinanzierten bAV – seit Inkrafttreten des gesetzlichen Anspruchs auf  Entgeltumwandlung zu Beginn der 2000er Jahre deutlich an Boden gewonnen. Für die gleichwohl noch deutlich geringere Verbreitung bei kleineren Unternehmen dürften unterschiedliche Gründe maßgeblich sein, insbesondere die für Nicht-Experten schwer zu durchschauende Komplexität der Durchführungswege und eine bisweilen diffuse Angst vor finanziellen Risiken, auch bei risikoarmen Gestaltungsformen. Die durch das  Betriebsrentenstärkungsgesetz ermöglichte Zusageform einer reinen Beitragszusage ist grundsätzlich dazu geeignet, diese Hemmschwelle zu senken. In der Praxis hat sie sich bislang noch nicht auf breiter Front etabliert, weil hierzu nach der gesetzlichen Regelung zwingend eine  tarifvertragliche Grundlage benötigt wird. Eine Nachbesserung seitens des Gesetzgebers an dieser Stelle könnte durchaus eine segensreiche Wirkung entfalten.

Neben der Mitarbeitergewinnung ist aus Arbeitgebersicht die Bindungswirkung der bAV von großer Bedeutung.

Dr. Dietmar DrosteDr. Dietmar Droste
Leading Expert Pensions
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Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Betriebliche Altersversorgung und Kapitalanlage“ erschienen.

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