Transparenz in der niederländischen bAV als Messlatte


Vogel bAV

Beitrag von Frank G. Vogel, Geschäftsleiter, KAS BANK N.V. – German Branch

Der niederländische Markt der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist im europäischen Vergleich der am weitesten entwickelte Pensionsmarkt und nimmt vor allem beim Thema Transparenz eine klare Vorreiterrolle ein.

Dabei hat der Schutz der bAV-Berechtigten eine besonders hohe Priorität, was sich insbesondere im Regulierungsgrad sowie im Transparenzprofil widerspiegelt.

Dies resultiert zum einen aus der hohen Relevanz der bAV in diesem Markt. In den Niederlanden macht das Pensionsvermögen rund 170 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus und ist damit um ein Vielfaches höher als bei allen europäischen Nachbarn. Zum anderen erfordern Defined Contribution (DC) Modelle, die in den Niederlanden vermehrt zum Einsatz kommen, einen erhöhten Schutz der Beitragszahler und ziehen eine stärkere Kontrolle und Transparenz nach sich. Grund hierfür ist unter anderem die Verlagerung des Risikos bei DC-Modellen in Richtung Arbeitnehmer.

Starke gesetzliche Regulierung mit hohen Transparenz-Anforderungen

Entsprechend hoch sind die Transparenz-Anforderungen der zuständigen Aufsichtsbehörden in den Niederlanden. Der dort geltende Pension Act und seine Erweiterung durch das Financial Assessment Framework (FTK) sind einzigartig in Europa und gehen deutlich weiter als bisherige EU-Regulierungen wie IORP I und IORP II. 2015 erfolgte sogar noch eine Verschärfung der FTK mit einer Vielzahl von Maßnahmen für erhöhte Transparenz bei Prozessen, Kosten und Verpflichtungen.

So sind zum Beispiel für niederländische Pensionsfonds eine Kapitaldeckung der Pensionsverpflichtungen von mindestens 105 Prozent und eine monatliche Berichterstattung des Deckungsgrades an die Aufsichtsbehörde gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis liegt der durchschnittliche Deckungsgrad sogar bei 125 bis 130 Prozent. Anders das Bild in Deutschland: Die Pensionsverpflichtungen der Großkonzerne im Deutschen Aktienindex (DAX) sind derzeit nur zu gut 60 Prozent durch dafür gebildetes Vermögen abgedeckt – im Mittelstand ist die Quote noch deutlich schlechter und liegt unterhalb der 50-Prozent-Marke. Mit weiter fallenden Markt- und Rechnungszinsen steigen die Pensionsverpflichtungen, weshalb die Unternehmen in Erwägung ziehen sollten, ihre Pensionsverpflichtungen teilweise von der Bilanz abzutrennen und adäquat mit Kapital zu unterlegen.

Trotz hoher Regulierung niedrige Kostenquote

Eine höhere Regulierung und Transparenz haben aber nicht zwangsläufig steigende Kosten zur Folge, wie das Beispiel Niederlande zeigt. Dort ist die Kostenquote sogar 20 Prozent niedriger als in Deutschland. Niederländische Pensionsfonds haben durch das umfangreichere Reporting bereits Strukturen etabliert, um die Effizienz zu steigern und Prozesse zu optimieren.

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Kostensenkungspotenziale werden in den Niederlanden auch durch weitergehende Analysen gehoben. So werden Kosten in Wechselwirkung mit Faktoren wie Performance, Risiko und Asset Allokation betrachtet, um fundierte Analageentscheidungen zu treffen und Portfolien genauer zu beurteilen. Auch wird ein in Europa bisher einzigartiges Benchmarking genutzt, bei dem ein ganzheitlicher Kostenansatz als Grundlage dient, um neben Transaktions-, Administrations und Managementkosten auch indirekte Kosten aufzuzeigen, welche die Höhe der Auszahlungen an die Rentner direkt beeinflussen können. Die Darstellung in klar definierten „Peer Groups“ ermöglicht es, durch die erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit weitere Einsparmöglichkeiten zu identifizieren.

Skaleneffekte resultieren auch aus der zunehmenden Konsolidierung in den Niederlanden. Die Anzahl der Pensionsfonds ist seit 2005 von rund 800 auf mittlerweile 350 gesunken. Die Niederlande zeigen sich zudem innovativ in der Schaffung neuer Pensionsvehikel: Zwar später als zunächst geplant, sollen Anfang Januar 2017 APFs (Algemeen Pensioenfonds) eingeführt werden, die insgesamt viel kosteneffizienter als kleinere Pensionsfonds agieren. Diese können sich den größeren APFs anschließen, ohne ihre Identität oder Anlagestrategie aufzugeben. Auch sind unterschiedliche Risikoprofile innerhalb eines APFs möglich. Experten rechnen für kleine und mittlere Pensionsfonds durch den Wechsel in APFs mit einer Ersparnis bei den Verwaltungsaufwendungen von 30 bis 40 Prozent.

Umdenken in Deutschland erforderlich

Auch in Deutschland wächst für bAV-Einrichtungen der Druck durch das Niedrigzinsumfeld, den Mangel an renditestarken Anlagemöglichkeiten, die steigende Lebenserwartung und die zunehmenden Leistungsverpflichtungen. Mögliche Wege zeigen die Niederlande mit innovativen DC-Modellen, detaillierteren Analysen und stärkerer Kostentransparenz. Letztere ist den Deutschen sogar wichtiger als die Wertsteigerung der investierten Beiträge, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der KAS BANK von 2015 zeigte. Zweifellos ist ein Umdenken notwendig. Aber wie weit sind die Marktteilnehmer in Deutschland bereit zu gehen?

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Forsa/KAS BANK Umfrage zur Betrieblichen Altersversorgung

Frank G. Vogel, Geschäftsleiter, KAS BANK N.V. – German Branch, spricht im Rahmen der Handelsblatt Jahrestagung „Betriebliche Altersversorgung“ zum Thema „Transparenz in der betrieblichen Altersversorgung – Ein Blick in die Niederlande“.

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