Sozialpartnermodell: Die reine Beitragszusage verspricht mehr Rente


Lars Golatka

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat eine spürbare Schubkraft entwickelt: Es stärkt die betriebliche Altersversorgung in Deutschland in vielfältiger Weise – sowohl die „alte bAV-Welt“ als auch die „neue bAV-Welt“. Im Ergebnis verspricht die reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell mehr Rente als klassische Garantieprodukte und weniger Haftungsrisiken für den Arbeitgeber – die bAV ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer attraktiver geworden.

Matching von Produkt und Kapitalanlage in der „neuen bAV-Welt“

Der Gesetzgeber sieht im Sozialpartnermodell keinerlei Garantiezusagen vor, die Kapitalanlage kann deshalb flexibel und langfristig ertragreicher erfolgen. Diesem Paradigma folgt selbstverständlich auch „Die Deutsche Betriebsrente“, das Konsortium von Zurich und Talanx.

Im Konsortium legt Zurich moderne, kapitalmarktbasierte Pensionsfondslösungen zugrunde, die speziell auf die Anforderungen des Sozialpartnermodells abgestimmt sind. Dabei handelt es sich um eine kollektive Kapitalanlage, die durch den Verzicht auf Garantien deutlich höhere Renditechancen bietet als herkömmliche Versicherungsprodukte.

Die kollektive Kapitalanlage stellt ein breit gestreutes Anlageportfolio mit einem attraktivem Ertrags- und Risikoprofil dar. Neben den ökonomischen Gesichtspunkten stehen ökologische, sozial-gesellschaftliche Aspekte und die Qualität der Governance (ESG) bei der Auswahl der Kapitalanlage im Vordergrund. Zurich hat bereits seit 2012 die ESG Kriterien in ihre internationalen Kerngeschäftspraktiken aufgenommen und hat den Anspruch als langfristiger institutioneller Investor und als internationales Versicherungsunternehmen wichtige wirtschaftliche und politische Impulse zu setzen.

Die Kapitalanlage umfasst einen klar strukturierten, transparenten und erfolgserprobten Investmentprozess. Dieser Prozess beinhaltet sechs Erfolgsbausteine: Asset-Liability-Management, Strategische Anlageallokation, Taktische Anlageallokation, Asset Manager Auswahl, Portfoliokonstruktion und – implementierung sowie Risiko- und Performance-Controlling. Bei der Selektion der Asset Manager werden insbesondere Qualität, Leistungsfähigkeit und Kosten („best in class“) berücksichtigt. Grundsätzlich zeichnet sich die Kapitalanlage durch geringe institutionelle Kosten für das Asset Management, die Kapitalverwaltungsgesellschaft und Depotbank aus.

Das Produktmodell kann durch eine Vielzahl von Parametern so justiert werden, dass es optimal zu der Kapitalanlage passt. Hierbei werden die Anlagebeiträge zum Teil einem kollektiven Puffer zugeführt, der dafür genutzt werden kann, für jeden Anwärter einen geglätteten Kapitalaufbau zu ermöglichen. In Teilen kann die Verzinsung der Anwärterkonten sogar verstetigt werden, was zu einer Stabilisierung der Zielrenten führt.

Digitalisierung der Zielrentenadministration – kollektiv, modular und umfänglich

Für Zurich und „Die Deutsche Betriebsrente“ gilt: Der Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad ist maßgeblich für den Erfolg im Markt. Die Verwaltung der Konten erfolgt soweit wie möglich digital und automatisiert, um damit nicht nur einen einfachen und schnellen Zugriff auf die eigenen Daten zu ermöglichen, sondern auch Sorge zu tragen, dass reduzierte Verwaltungskosten den Anlagebetrag erhöhen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber können ihre Versorgungskonten über ein Portal einsehen und selbständig verwalten. Beispielsweise kann der Arbeitnehmer seine eigenen Beiträge im Rahmen der gesetzlichen bzw. tariflichen Möglichkeiten variieren. Auch eine steuerliche Günstigkeitsprüfung hinsichtlich der Riester-Förderung kann durchgeführt und automatisch bewertet werden. Die Auswirkungen auf Nettoaufwand und späteren Rentenleistung, die Zielrente, sind unmittelbar ersichtlich. Die Entscheidungen trifft der Arbeitnehmer direkt im Portal – diese sowie die damit zusammenhängenden Informationen werden direkt in das jeweilige HR-System des Arbeitgebers eingespielt.

Arbeitnehmer können ihren aktuellen Kontostand jederzeit im Portal abrufen und sehen, wie hoch ihre spätere Rente ist – auch die optionale Hinterbliebenenversorgung ist transparent aufgeführt. Auch Änderungen ihrer persönlichen Daten können jederzeit im Portal durchgeführt werden. Daraus resultierende Arbeitsschritte werden automatisch abgewickelt. Zum Beispiel: Ein Wechsel des Arbeitgebers innerhalb eines Tarifpartnermodells der „Die Deutschen Betriebsrente“ führt zu einer Fortführung des bestehenden Kontos – der Arbeitgeberwechsel wird vom System automatisch erkannt. Alle relevanten Dokumente werden in einer Postbox abgelegt und sind jederzeit von dem Nutzer einsehbar.

Hinterbliebenen- und Einkommensabsicherung: Ein wichtiger Baustein, der häufig vergessen wird

Die Hinterbliebenen- und Invaliditätsabsicherung gehört seit jeher zum Spektrum der betrieblichen Altersversorgung. In der aktuellen Debatte zum Sozialpartnermodell, die sich bisher stark auf die Altersrente fokussiert, wird die Vorsorge im Todesfall und bei Invalidität leider noch zu häufig nur am Rande behandelt – wenn sie nicht ganz vergessen wird. Der Handlungsbedarf ist gerade hier enorm, da immer noch sehr viele Menschen in Deutschland keinen Schutz gegen die oft dramatischen finanziellen Folgen bei Invalidität haben. Das bestätigt auch die „Income Protection Gap“ Studie 2016 der Smith School der Universität Oxford im Auftrag der Zurich, wonach Deutschland unter 11 untersuchten Ländern das Schlusslicht in puncto Hinterbliebenen- und Invaliditätsabsicherung bildet.

Dabei bietet der kollektive Gedanke des Sozialpartnermodells eine ideale Grundlage für den Einschluss einer Hinterbliebenen- und Invaliditätsabsicherung. Denn kollektive Absicherungslösungen – für die Einzelpersonen allein keinen Zugang haben – bieten viele Vorteile wie: Umfangreicher Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung und Berücksichtigung von Vorerkrankungen. Sie bietet einen einfachen Aufnahmeprozess und schlanke Verwaltung, sowie hohe Flexibilität, die es ermöglicht den Leistungsumfang an unterschiedliche Bedürfnisse anzupassen.

Was bringt uns die Zukunft

Aus zahlreichen Gesprächen mit diversen Vertretern der Tarifvertragsparteien wissen wir, dass die Umsetzung von Sozialpartnermodellen kein Schnellschuss ist. Um die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge grundsätzlich zu steigern, bietet das Sozialpartnermodell die Möglichkeit Optionssysteme tarifvertraglich zu implementieren (Auto-Enrollment). Erste Tarifabschlüsse sind frühestens Ende 2019 zu erwarten. Bis dahin gilt es die verbleibende Zeit konsequent zu nutzen, um die Ziele und Wünsche der Tarifvertragsparteien in die Wertschöpfungskette, von der Beratung bis hin zum Reporting, einfließen zu lassen. Zurich versteht sich als Partner der Tarifvertragsparteien und setzt Know-how und Netzwerk für den Erfolg der tariflichen bAV ein.

Autor: Lars Golatka, Leiter betriebliche Altersversorgung der Zurich Gruppe Deutschland und Vorstand Deutscher Pensionsfonds AG. Daneben ist er mitverantwortlich für „Die Deutsche Betriebsrente“, die Kooperation für das Sozialpartnermodell von Zurich und Talanx.