Ruhestand in einer Welt geringerer Renditen


Quiring

Der Vermögensaufbau für den Ruhestand gehört zu Herausforderungen für jeden Arbeitnehmer. Warum der Arbeitgeber den Arbeitnehmer dabei unterstützen sollte und welchen Einfluss die Rendite auf die Vermögensbildung hat.

Die Sicherung eines angemessenen Einkommens im Ruhestand gehört aufgrund signifikant gestiegener Lebenserwartungen zu den besonderen Herausforderungen der Arbeitnehmer in Deutschland. Laut einer repräsentativen Befragung von Deloitte aus dem Jahr 2017 befürchten 61 Prozent der befragten 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Altersarmut. Die meisten (80 Prozent) haben daher neben den Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung zusätzliche Sparmaßnahmen getroffen.

Beim Vermögensaufbau für den Ruhestand wird der betrieblichen Altersversorgung eine besondere Rolle zukommen, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Arbeitnehmer bringen ihrem Arbeitgeber beim Thema Altersvorsorge ein hohes Vertrauen entgegen. 88 Prozent der Befragten würden bei der Arbeitsplatzsuche mittlerweile auf eine vom Arbeitgeber mitfinanzierte Leistung achten.
  • Der Arbeitgeber reduziert für den Arbeitnehmer die Komplexität des Themas durch die Definition eines häufig unternehmensspezifischen Angebots.
  • Der Arbeitgeber nutzt seine „Einkaufsmacht“ bei den Kosten für Beratung, Kapitalanlage und Risikoabsicherung.
  • Der Arbeitgeber stellt sein Finanz-Knowhow zur Verfügung und löst das „Risikoparadoxon“ für den Arbeitnehmer auf.

Das Risikoparadoxon besteht darin, dass die Befragten auf der einen Seite das Risiko der Altersarmut sehen, auf der anderen Seite die Eigenschaften „Garantien und Sicherheit“ am stärksten gewichten. Die Rendite steht nur für 14 Prozent der Befragten an 1. Stelle. Damit unterschätzt die Mehrheit der Befragten den direkten Einfluss der Kapitalmarktrenditen auf ihre Konsummöglichkeiten im Ruhestand.

Die Höhe des aufgebauten Vermögens für den Ruhestand ist eine Funktion der Variablen Einzahlungsbetrag, Ansparzeit und Investmentrendite. Idealerweise setzt sich der Einzahlungsbetrag aus Finanzierungsbeiträgen des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers zusammen. Matching-Systeme, die den Arbeitnehmer zum sparen animieren, bieten eine gute Möglichkeit auf signifikante Beiträge zu kommen.

75 Prozent des Gehalts als Ziel

Nach einer empirischen Studie von Fidelity International und der Uni Bochum wünschen sich die Arbeitnehmer im Ruhestand ein Einkommensniveau in Höhe von 75 Prozent ihres letzten Gehalts. Um dies zu erreichen, muss ein Durchschnittsverdiener mit einer gesetzlichen Rente in Höhe von EUR 1.383 zu Rentenbeginn ein Kapital in Höhe von EUR 500.000 aufgebaut haben. Bei einer angenommenen Anspardauer von 30 Jahren und einer Durchschnittsrendite von 6 Prozent p.a. erfordert dieser Kapitalbetrag einen monatlichen Sparbeitrag in Höhe von EUR 513. Der Zusammenhang zwischen Rendite und Sparbeitrag ist dabei nicht linear. Ein Rückgang der Durchschnittsrendite um einen Prozentpunkt auf 5 Prozent erhöht den notwendigen Sparbeitrag um knapp 20 Prozent, während der Rückgang auf 3 Prozent bereits einen um gut 68 Prozent höheren Sparbeitrag erfordert.

Konservative Produkte betroffen

In den vergangenen 20 Jahren waren Durchschnittsrenditen von 4 Prozent mit konservativen Anlagen nicht unrealistisch. In der aktuellen makro ökonomischen Situation ist es allerdings schwer vorstellbar, dass die Durchschnittsrenditen der nächsten zehn Jahre auf einem ähnlichen Niveau liegen werden. Das gilt besonders für konservative Anlagen, die traditionell den höchsten Anteil in Vorsorgeprodukten haben. Nach unseren Einschätzungen werden insbesondere Anleihen (50 Prozent Staatsanleihen Europa, 50 Prozent Unternehmensanleihen Investmentgrade) in den kommenden zehn Jahren nur einen Beitrag von gut 3 Prozent pro Jahr liefern. Daher sind Anlagestrategien gefragt, die den Ansparzeitraum bis zum Zieldatum durch eine dynamische, global ausgerichtete Vermögenszusammensetzung optimal ausnutzen. Laufzeitenfonds wie die Fidelity TargetTM (Euro) Funds haben sich in vielen Ländern mit kapitalgedeckten Vorsorgesystemen als Kernprodukt bewährt, weil bei langfristigen Ansparvorgängen die Risikoprämien von Beteiligungen am globalen Produktivvermögen nicht verschenkt werden sollten.

Christof Quiring,
Head of Workplace Investing, Fidelity International

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