Neue Dimension der Erwerbsminderungsabsicherung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung


Neue Dimension der Erwerbsminderungsabsicherung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung

Lars Golatka, Leiter Geschäftsbereich betriebliche Altersversorgung, Zurich Gruppe Deutschland

Bundesministerin Nahles hat Ende letzten Jahres ein umfassendes Rentenkonzept vorgelegt, in dem es um alle drei Säulen der Alterssicherung geht. Die gesetzliche Rente, die private und die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Neben den angekündigten Verbesserungen in der bAV gilt eine Verbesserung der Erwerbsminderungsrente als dringend notwendig, da ein erheblicher Teil der Deutschen, die unfall- oder krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, in die Grundsicherung fallen.

Für die Betroffenen soll die Versorgung aus der gesetzlichen Rentenversicherung durch eine stufenweise Verlängerung der Zurechnungszeit verbessert werden. Diese Maßnahme alleine wird allerdings nicht zu spürbaren Verbesserungen führen, da das gesetzliche Absicherungsniveau mit einer durchschnittlichen Erwerbsminderungsrente in Höhe von 600 Euro im Monat gering ist.

Studie zeigt Vorsorgelücke der Deutschen auf

Eine Studie der Zurich Versicherung verdeutlicht die Vorsorgelücke der Deutschen. Bei der Einkommensabsicherung sind sie im internationalen Vergleich auf dem letzten Platz: Lediglich 17 Prozent besitzen eine Versicherung gegen den finanziellen Ausfall aufgrund von Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit. Im Vergleich dazu verfügen über 60 Prozent der Bürger in Hongkong oder Malaysia als Spitzenreiter der Umfrage über eine Police. Mögliche Ursachen dafür sind das ungerechtfertigte Vertrauen in die ausreichende staatliche Absicherung, Informationslücken über Versicherungsangebote, aber auch die falsche Annahme, dass eine Vorsorge teuer sei.

Jeder zweite Deutsche hat nur geringe Kenntnisse über Lebensversicherungen oder darüber, wie man Einkommen gegen Erwerbsunfähigkeit oder schwere Krankheit absichern kann. Für Viele ist es jedoch wichtig, gut informiert zu sein, um eine entsprechende Vorsorge zu treffen.

Auch unterschätzen Deutsche das Risiko für eine Erwerbsunfähigkeit. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung trifft dieses Schicksal jede fünfte Frau und sogar jeden dritten Mann. Hierbei sind nur selten Unfälle die Ursache. In der weit überwiegenden Zahl sind Krankheiten der Auslöser.

Die in solchen Fällen zu beobachtenden Schicksale sind oft dramatisch. Denn im Falle einer Erwerbsunfähigkeit reicht die staatliche Absicherung in der Regel nicht aus. Für alle nach 1960 Geborenen gibt es die Erwerbsminderungsrente, die nur unter bestimmten Bedingungen gezahlt wird. Im Zweifel müssen Betroffene einer ungelernten Tätigkeit nachgehen. Die Erwerbsminderungsrente genügt oft nicht, um die tatsächlichen Lebenshaltungskosten zu decken.

Rein auf die staatliche Absicherung sollten die Bürger sich daher nicht verlassen und für den Fall der Fälle anderweitig vorsorgen.

Neue Wege der kollektiven Existenzabsicherung im Rahmen der bAV

Wie die Studie belegt, hat die notwendige private ergänzende Absicherung bei Weitem nicht flächendeckend alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreicht. Zusätzlich zu den in der Studie aufgegriffenen Aspekten finden sich häufig finanzielle oder gesundheitliche Umstände, die eine Absicherung der Berufstätigkeit nicht zulassen.

In diesem Zusammenhang kann eine kollektive Absicherung über den Arbeitgeber für jeden Einzelnen große Vorteile mit sich bringen. Verbindet man diesen Ansatz mit einem neuartigen Konzept der kollektiven Gruppenabsicherung, so ergeben sich völlig neue Perspektiven – für den Arbeitnehmer und für den Arbeitgeber.

Das Besondere an dieser kollektiven Gruppenabsicherung: Das Modell beruht auf dem Prinzip einer rein zufälligen Auswahl der zu versichernden Gruppe aus dem Arbeitnehmerkreis. Dabei wird die gesamte Belegschaft in einen sehr hohen Risikoschutz einbezogen – und dies ohne Rücksicht auf deren Gesundheitszustand.

Hohe Absicherungssummen bei Invalidität

Finanzieren beispielsweise Mitarbeiter in einem Unternehmen die Altersversorgung über Entgeltumwandlung (100 Euro monatlich), und baut der Arbeitgeber mit den ersparten Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung von rund 20 Prozent der Entgeltumwandlungsbeträge eine Invaliditätsabsicherung für seine Arbeitnehmer über eine kollektive Gruppenabsicherung auf, können nennenswerte Renten von rund 600 Euro 1 monatlich im Fall der Invalidität abgesichert werden. Bei einer individuellen Kalkulation würde dagegen die Absicherung mit etwa 200 Euro monatlich deutlich geringer ausfallen. Im Falle der kollektiven Gruppenabsicherung ist zudem ein Todesfallschutz in Höhe von ca. 60.000 Euro mitversichert.

Mit kollektiven Absicherungen werden neue Gestaltungsspielräume in der bAV eröffnet. Mit dem Modell kann für alle Beschäftigten eines Unternehmens ein umfassender Existenzschutz zu günstigen Konditionen bereitgestellt werden, den diese im Rahmen privater Vorsorge nicht hätten abschließen können. Und eben dieser kollektive Ansatz ist eines der Kerninhalte des neuen Betriebsrentenstärkungsgesetzes.

Lars GolatkaLars Golatka
Leiter Geschäftsbereich betriebliche Altersversorgung
Zurich Gruppe Deutschland


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