Mitarbeiterbeteiligung und bAV – die perfekte Symbiose


schwinger

Die bAV ist ein Muss – darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Unternehmen brauchen gute Mitarbeiter – gerade in einem Arbeitsmarkt, der nicht durch ein überreichliches Angebot an guten Bewerbern geprägt ist. Und Mitarbeiter brauchen Unterstützung bei der Altersvorsorge. Fast drei Viertel (74%) erwarten, dass sich ihr Arbeitgeber in der bAV engagiert, wie der letzte Global Benefits Attitudes Survey von Willis Towers Watson zeigt.

bAV – unverzichtbar

So weit, so gut – nur: warum ist die bAV dann immer noch nicht überall verbreitet? Fragt man Unternehmen, stößt man immer wieder auf Desinteresse, Angst vor Zusatzaufwand oder den Hinweis, die Mitarbeiter zögen Barlohn dem Versorgungslohn vor. Diese Probleme verdienen es, adressiert zu werden – und sie lassen sich übrigens in der Praxis gut lösen. Mich überzeugen sie jedenfalls nicht, auf eine Win-win-Situation, langfristiges Denken und die grundlegend notwendige Alterssicherung zu verzichten.

Mitarbeiterbeteiligung – pro und contra

Mitarbeiterbeteiligungen scheinen hingegen alle Unternehmen gut zu finden. Auch für sie sprechen gute Gründe – sie fördert eine Ownership-Mentalität bei den Mitarbeitern und lässt sie am Unternehmenserfolg partizipieren. Eine Erhöhung des Eigenkapitals und steuerliche Gründe werden ebenfalls angeführt.

Aber: Effiziente Mitarbeiterbeteiligungen haben ihre Grenzen und sind aufwändig zu administrieren. Systeme der bAV hingegen sind bewährt, oft bereits vorhanden, effizient administrierbar, bieten einen hinreichenden Dotierungsrahmen und ermöglichen unternehmensspezifische Lösungen. Warum sollte man also darauf verzichten, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Kombiniert man bAV und Mitarbeiterbeteiligung, profitieren die Unternehmen und Mitarbeiter vom Besten aus beiden Welten. Die Ownership-Mentalität ihrer Mitarbeiter wird gestärkt, die Finanzierungsbasis für die bAV ausgebaut und dabei auch ein gesamtgesellschaftlicher Verteilungskonflikt aufgelöst. Und last but not least bietet die Zusammenführung von Mitarbeiterbeteiligung und bAV den Mitarbeitern die Möglichkeit ihr Vorsorgesparen einheitlich auf einem Blick in einem Konto zu verwalten. Das ist moderne User Experience!

Kreative Plangestaltung statt „one size fits all“

Und wie sieht die Kombination von bAV und Mitarbeiterbeteiligungen konkret aus? Zuerst einmal gilt es den Begriff der Mitarbeiterbeteiligung weiter zu fassen – die Beteiligung von Arbeitnehmern am Produktivvermögen ist mehr als reine Aktienbeteiligungsprogramme, denn diese kann ein breites Spektrum von Eigenkapitalsurrogaten umfassen. Ist Ihr Unternehmen eine an den Börsen gehandelte AG, dann ist es vielleicht am einfachsten ein Aktienprogramm direkt in die bAV zu integrieren. Handelt es sich bei Ihrem Unternehmen aber z.B. um eine Familien-GmbH, bei der keine Verwässerung der Stimmanteile angestrebt wird, dann bietet sich ein klassisches Kontenmodell in der ökonomischen Form eines partiarischen Darlehens an. Diese Modelle sind so vielfältig wie die Unternehmen.

Dabei gilt wie bei jedem Investment die alte Regel, nicht alle Eier in einen Korb zu packen. Deshalb braucht es zuerst eine solide gestaltete und finanzierte bAV als Grundlage. Die Kombination mit der Mitarbeiterbeteiligung ist dann das Sahnehäubchen auf der Torte oder das Chili in der Soße.

Der Autor:
Dr. Reiner Schwinger ist Head of the Northern Europe Region und Head of Germany/Austria bei Willis Towers Watson.