Frischer Wind für bAV-Kommunikation


Frischer Wind für bAV-Kommunikation

Michael Paulweber, Leader Western Europe and CEEMEA, Technology and Administration Solutions

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) muss einfacher, frischer und moderner erklärt werden. Die Unternehmen in Deutschland stehen dabei vor einem erheblichen  Veränderungsbedarf. Dies geht aus einer Studie zur bAV-Kommunikation und digitalen Medien von Willis Towers Watson hervor. Online-Banking, -Shopping und andere Angebote definieren das Konsumenten-, das Kommunikationsverhalten sowie die Serviceerwartungen im Allgemeinen neu. Das macht sich nicht nur im Alltag, sondern auch im Berufsleben bemerkbar.

Die Mitarbeiterbedürfnisse verändern sich: Mitarbeiter erwarten entsprechend ihrer Erfahrungen als Konsument zunehmend auch von ihrem Arbeitgeber, dass dieser ihnen Informationen zeitgemäß aufbereitet –  selbsterklärend und schnell von überall her abrufbar. Die Realität ist aber davon noch weit entfernt. Die heutigen Angebote decken sich kaum mit den Erwartungen der Mitarbeiter.

Die bAV wird den Mitarbeitern bis heute ganz überwiegend unter dem Motto „von Experten für Experten“ nahe gebracht: umständlich, überfrachtet mit Zahlen, rechtlichen Details und Fachbegriffen, schwer nachvollziehbar und uninteressant. Das spiegelt sich in den Einschätzungen der Unternehmen wider. Dreiviertel aller Mitarbeiter verstehen ihre bAV nicht und lediglich jeder siebte begreift die bAV-Prozesse in seinem Unternehmen. Standardmitteilungen oder Leistungsbescheide sind für mehr als die Hälfte ein Buch mit sieben Siegeln. Diese Verständnisbarrieren werden nicht von alleine verschwinden, sondern wegen der sich rasant ändernden Kommunikationsgewohnheiten eher noch größer werden.

Die Studie zeigt auch, dass die neuen Herausforderungen, die mit dem digitalen Wandel einhergehen, erkannt wurden. Digitalisierung sollte in diesem Kontext nicht ausschließlich als Synonym für Prozessverbesserungen und Effizienz verstanden werden, sondern auch als ein Weg, um die Service-Leistungen vor allem in der Kommunikation zu verbessern. Neun von zehn Befragten halten eine verständliche Kommunikation rund um die bAV für wichtig. Wer Mitarbeiter motivieren will, sich aktiv über seine bAV zu informieren und für diese auch mehr Wertschätzung erhalten möchte, muss die relevanten Zielgruppen erreichen – inhaltlich wie medial.

Dabei gewinnt das Smartphone als Plattform an Bedeutung. In  der Vergangenheit war die Umstellung der Kommunikation von Print auf Online teilweise umstritten. Es wurde befürchtet, dass man dabei vor allem Mitarbeiter aus der Produktion verlieren könnte. Heute gehen viele  Unternehmen davon aus, dass sie wegen der Verbreitung von Smartphones über alle Mitarbeitergruppen hinweg mit mobiler Kommunikation sogar die Reichweite vergrößert. Lediglich die Technologie zu nutzen, ist nicht alles – nur wenn die mobile Kommunikation konsequent umgesetzt wird, das heißt mit verknappten, plastischen Inhalten, kann sie sich im Wettstreit der mobilen Applikationen behaupten.

Viele Personalverantwortliche erkennen zudem die Möglichkeit, mit neuen Technologien den bisher weit verbreiteten Siloblick auf die bAV – oder sogar nur Teile davon – zu erweitern. bAV ist im Idealfall ein integrativer Bestandteil einer umfassenden Finanzplanung eines Mitarbeiters. Und genau so sollte sie auch verstanden und dargestellt werden. Der digitale bAV-Auftritt sollte nicht als Einzelthema isoliert, sondern in die Darstellung der anderen Benefits integriert werden: Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass künftig auch private und gesetzliche Leistungen in die Darstellung eingebunden werden. Und zwei Drittel wollen in spätestens fünf Jahren Simulationsrechner anbieten können, die nach Möglichkeit all diese Komponenten enthalten. Der Arbeitgeber kann mit einem solchen Angebot einen Mehrwert für seine Mitarbeiter leisten, der über den monetären Mehrwert der bAV-Leistungen deutlich hinausgeht.

Es wird spannend zu verfolgen, ob die Unternehmen ihre Ziele in den nächsten Jahren tatsächlich umsetzen können. Die Unternehmen verfolgen zwar das Ziel, die HR-Kommunikation am Konsumentengeschäft zu orientieren. Zugleich wird deutlich, dass die Realität davon weit entfernt ist.  Der Blick in die Praxis bestätigt das: Beispiele für eine konsequente bAV-Kommunikation aus Nutzersicht – nicht nur technologisch, sondern auch inhaltlich – sind bislang rar gesät.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: viele Unternehmen sind mit Pflichtaufgaben beschäftigt: Datenqualitäten, -schnittstellen und -schutz, rechtliche und operative Bewältigung komplexer Besitzstands- und Finanzierungsfragen, Anpassungen in Administrationssystemen stehen oben auf der Agenda. Für die bisher als Kür gesehene Disziplin der Kommunikation fehlen dementsprechend Ressourcen und zeitweise schlicht die Basis: Sind zum Beispiel die Daten lückenhaft oder falsch, hilft keine noch so gut gemeinte Kommunikation. Hinzu kommt das weithin verbreitete Missverständnis, dass gute Kommunikation etwas ist, was jeder kann. Abhilfe schafft der ganzheitliche und professionelle Blick auf alle genannten Themen – innerhalb einer bAV-Funktion, die nicht ausschließlich expertisegetrieben ist, sondern nach modernen Managementprinzipien geführt wird.

Über den Autor:

Michael Paulweber Michael Paulweber ist Leader Western Europe and CEEMEA bei der Technology and Administration Solutions.