Eine Langfriststrategie für den versicherungsförmigen Bestand – Interview mit Dirk Jargstorff


Dirk Jargstorff

Die große Herausforderung bei versicherungsförmigen Beständen ist die sachgerechte Absicherung bei einer langanhaltenden Niedrigzinsphase. Wie Simulationen und Szenarioanalysen bei der Entwicklung einer Langfriststrategie helfen können und welche Entwicklungen in den kommenden zehn Jahren zu erwarten sind, darüber haben wir mit Dirk Jargstorff, Senior Vice President Corporate Pensions and Related Benefits, Robert Bosch GmbH; CEO, Bosch Pensionsfonds AG, im folgenden Interview gesprochen.

Dirk Jargstorff ist Senior Vice President Corporate Pensions and Related Benefits der Robert Bosch GmbH und CEO der Bosch Pensionsfonds AG. In seiner Keynote auf der Handelsblatt Jahrestagung BAV 2019 in Berlin, wird er über eine Langfriststrategie für den versicherungsförmigen Bestand sprechen.

Interview mit Dirk Jargstorff (Senior Vice President Corporate Pensions and Related Benefits, Robert Bosch GmbH; CEO, Bosch Pensionsfonds AG)

Herr Jargstorff, Sie sprechen auf der Handelsblatt Jahrestagung BAV über eine Langfriststrategie für den versicherungsförmigen Bestand. Welche Herausforderungen gibt es bei der Versicherungsförmigkeit?

Die große Herausforderung bei versicherungsförmigen Beständen ist die sachgerechte Absicherung bei einer langanhaltenden Niedrigzinsphase. Hierzu gehören neben der Sicherstellung der Finanzierung der geschäftsplanmäßigen Garantieleistungen, der jederzeitigen Bedeckung der Solvabilitätsanforderungen und der möglichst stetigen Gewährung von Rentenanpassungen auch die Identifizierung von weiteren Finanzierungsquellen für Extremszenarien.

Können Simulationen und Szenarioanalysen bei der Entwicklung einer Langfriststrategie helfen?

Simulationen und Szenarioanalysen helfen insbesondere durch das Aufzeigen der Wirkung der einzelnen Stellhebel, z. B. der Kapitalanlagestrategie oder der Vorfinanzierung von Reserven für Zinsrisiken. Eine langfristige Prognose liefert darüber hinaus wichtige Erkenntnisse zu den Fragen, welche durchschnittliche Verzinsung zur Finanzierung von Garantieleistungen erforderlich ist, welche Fehlbeträge sich bei einem Worst-Case-Szenario ergeben oder ob bzw. in welcher Höhe Rentenanpassungen möglich sind.

Wie lassen sich selbst bei einem andauernden Niedrigzinsniveau alle Verpflichtungen finanzieren und alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllen?

Ein wesentlicher Stellhebel ist sicherlich zunächst einmal die Kapitalanlagestrategie, die sich bei der Bosch Pensionsfonds AG aus einem Kapitalisierungsprodukt sowie Aktien- und Rentenanlagen zusammensetzt. Das Kapitalisierungsprodukt kann durch eine garantierte Mindestverzinsung und Überschussbeteiligungen die Verpflichtungen fast vollständig abdecken.

Desweiteren hat sich bei der Bosch Pensionsfonds AG ausgezahlt, dass zur Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen bereits vor Jahren mit der Vorfinanzierung über Reserven für Zinsrisiken gestartet wurde. Zudem haben die Trägerunternehmen durch den Verzicht auf die Rückerstattung von Beiträgen aus dem Fluktuationskapital – Mittel, die aus verfallbaren arbeitgeberfinanzierten Anwartschaften bei vorzeitigem Ausscheiden freiwerden – ihren Beitrag geleistet.

Und zuletzt ein kurzer Blick in das Jahr 2030: Wo geht die Reise Ihrer Meinung nach hin?

Trotz jüngster gesetzgeberischer Maßnahmen zur Dämpfung der Bildung von Zinszusatzreserven werden die Herausforderungen enorm bleiben. Alternative Durchführungen liegen aber vor, sie sollten konsequent genutzt werden: Durch die Schließung des versicherungsförmigen Bestands und den Wechsel auf die Fondsrente hat die Bosch Pensionsfonds AG bereits in den vergangenen Jahren die Weichen für die Zukunft gestellt. Mit der Fondsrente können nicht nur attraktivere Renten gestaltet werden, auch die Bildung von Reserven für Zinsrisiken ist durch den Verzicht auf versicherungsförmige Garantien nicht mehr erforderlich.