Die Hidden Champions der Mitarbeiterzufriedenheit


Die Hidden Champions der Mitarbeiterzufriedenheit

Fred Marchlewski, CEO, Aon Kontinentaleuropa, Mittlerer Osten, Afrika, Retirement Solutions
Simon Mayer, Principal Aon |Retirement Solutions

An einem schief hängenden Bild über dem Sofa sollen ja schon Ehen zerbrochen sein. Man kennt das: Es sind oft nicht die großen Katastrophen, die Krisen auslösen, sondern die kleinen Dinge. Umgekehrt sind es gerade diese Kleinigkeiten, die den Kitt einer Beziehung ausmachen. Aufmerksamkeiten im alltäglichen Leben können viel bewirken. Stimmt es dann noch mit der Kommunikation, stehen die Chancen auf eine gelungene Beziehung schon mal nicht schlecht.

Genau so ist es im Unternehmen: Für das Wohlbefinden der Mitarbeiter sind weitaus mehr Dinge veranwortlich als nur Grundlegendes wie das Gehalt. Gerade heute, wo sich die Bedürfnisse von Mitarbeitern fundamental wandeln, Stichwort Worklife-Balance, müssen sich Unternehmen etwas einfallen lassen, um die besten Leute zu gewinnen. Ob diese kommen, bleiben oder gehen, hängt von einem ganzen Bündel von Faktoren ab.

Aon ist in einer Studie der Frage nachgegangen, welche Aspekte für Arbeitnehmer in Deutschland besonders wichtig für ihr „Financial Wellbeing“ sind – und was Arbeitgeber dafür tun können.

Dabei spielt Kommunikation eine zentrale Rolle – zum Beispiel zur Rente. Die meisten Arbeitnehmer wünschen sich hier mehr Durchblick: gesetzliche oder private Rente, betriebliche Altersversorgung – das alles empfinden sie als hochgradig kompliziert. Dabei kommt die betriebliche Altersversorgung in der Wahrnehmung noch am besten weg. Aber auch hier gibt es Defizite: Die repäsentative Studie zeigt, dass viele Arbeitnehmer überhaupt nicht wissen, was ihr Unternehmen anbietet. Es drängt sich die Frage auf, wie es sein kann, dass eine so wichtige  Nebenleistung auf dem Schirm der Arbeitnehmer, wenn überhaupt, allenfalls schemenhaft  auftaucht. Und das in einer Zeit, in der der „War for Talents” in vollem Gang ist. In der für den einen das Kita-Angebot des Unternehmens und für den anderen der WLAN-Empfang im zukünftigen Büro ausschlaggebend ist, ob ein Jobangebot attraktiv erscheint oder nicht. Übertrieben? Keineswegs.

Die Aon-Studie zeigt genau in diese Richtung: Nebenleistungen, wie auch die Betriebsrente, sind ein wichtiges Instrument bei der Mitarbeitergewinnung. Sie können entscheidend zum „Financial Wellbeing“ beitragen. Sie stärken nicht nur die Loyalität der Mitarbeiter, sondern verbessern deren Zufriedenheit und damit das Engagement und die Arbeitsleistung. Jeder dritte Arbeitnehmer gibt nämlich an, dass finanzielle Sorgen seine Arbeitsleistung beeinträchtigen. Nur: Gerade mal ein Viertel der Arbeitnehmer (27,1 %) fühlt sich über die Nebenleistungen bestens informiert und versteht sie voll und ganz. Der Großteil (72,9 %) kennt sie nur vom Hörensagen oder fühlt sich komplett uninformiert. Damit verpufft wertvolles Potenzial für eine Arbeitsbeziehung. Vor allem in den unteren Gehaltsklassen und in kleineren Unternehmen sind die Informationslücken groß, Frauen fühlen sich noch schlechter informiert als Männer. Diese Defizite führen dazu, dass viele Arbeitnehmer schlicht annehmen, das Angebot ihrer Unternehmen passe nicht zu ihren Bedürfnissen.

Hier gibt es viel zu tun. Reden zum Beispiel: Das persönliche Gespräch steht ganz oben auf der Wunschliste – auch bei jüngeren Arbeitnehmern. Laut der Aon-Umfrage sieht das ideale Informationsangebot vom Arbeitgeber so aus: persönliche Beratung, begleitet von regelmäßigen Infos per Brief oder E-Mail, dann noch Website und Info-Veranstaltungen. Eine App? Ist nicht so gefragt, auch nicht bei den Jüngeren. Die Studie zeigt zudem: Obwohl bei der Vermittlung finanzieller Themen die persönliche Beratung vorne liegt, wird bei der begleitenden Information eine papierlose digitale Form akzeptiert.

Wie gut fühlen Sie sich über die Nebenleistungen Ihres Arbeitgebers informiert
(z.B. Betriebsrente, Versicherungen, Firmenwagen oder Gesundheitsprogramme)?

Hier würde eine Übersicht der angebotenen Nebenleistungen schon viel helfen. Wenn eine Betriebsrente dazugehört, ist natürlich die erste Frage: Wie viel bringt sie mir? Dass sich Frauen sowie Menschen mit niedrigeren Einkommen schlechter informiert fühlen, wirft die Frage nach alternativen Informationskonzepten auf.

Aktive Information ist aber erst der Anfang. Arbeitgeber können bei ihren Mitarbeitern außerdem punkten, wenn sie diese bei ihrer finanziellen Absicherung unterstützen. Der Großteil (71,8 %) der jüngeren Arbeitnehmer (18 bis 29 Jahre) würde sich freuen, wenn ihr Arbeitgeber den Finanzdschungel für sie etwas lichten könnte, zum Beispiel durch gezielte Entscheidungshilfen und arbeitgeberfinanzierte Programme. Für die große Mehrheit (75,4 %) sind dabei Rente und Altersversorgung die mit Abstand wichtigsten Themen, gefolgt von der Risikoabsicherung (42,4 %).

Und noch auf einem weiteren Feld sind die Arbeitgeber gefragt. Dabei geht es um das Lebensthema Gesundheit: ein Megatrend – und längst nicht mehr nur Privatsache. Auch hier schlummert viel Potenzial, das Arbeit geber für zufriedene und loyale Mitarbeiter nutzen können.

80 % der Arbeitnehmer erwarten etwa, dass Arbeitgeber ihre gesundheitsfördernden Aktivitäten belohnen, zum Beispiel durch Sach-, Geldoder Versicherungsleistungen. Dieser Wunsch zieht sich durch, ganz gleich, wie groß die Unternehmen sind.

All das zeigt: Was sich für Mitarbeiter gut anfühlt, wenn sie über einen aktuellen oder zukünftigen Arbeitgeber nachdenken, spielt sich nicht allein auf dem Gehaltszettel ab. Den Unterschied machen „Kleinigkeiten”, die keine sind. Höchste Zeit, das Bild mal gerade zu rücken. Die Konkurrenz schläft nicht.