Chancen digitaler Plattformen für die bAV – Interview mit Robert Sütsch


Robert Sütsch

Digitalisierung von bAV-Prozessen und -Services ist kein Projekt, das nach wenigen Jahren abgeschlossen ist. Der Siemens Konzern startete vor fast 10 Jahren seine Digitalisierungsoffensive. Inzwischen setzt Siemens in der bAV auf Apps, Chatbots, eine eigene Suchmaschine und Cloudlösungen. Wie die Mitarbeiter von den neuen Technologien profitieren und was der Konzern als nächstes plant, verrät Robert Sütsch, Pension Manager Human Resources beim Siemens Konzern, im Interview.

Robert Sütsch ist Pension Manager Human Resources beim Siemens Konzern. In seiner Keynote auf der Handelsblatt Jahrestagung BAV 2019 in Berlin, wird er über die digitale bAV Kommunikation bei Siemens sprechen.

Interview mit Robert Sütsch (Pension Manager Human Resources, Siemens Konzern)

Herr Sütsch, vor welchen Herausforderungen standen Sie bei dem Digitalisierungsprozess der bAV und wie haben Sie diese gemeistert?

In den letzten Jahren hat bei uns die Komplexität in der Administration und der Kommunikation der bAV deutlich zugenommen.

Unsere Digitalisierungsoffensive startete vor fast 10 Jahren. Die Basis war eine umfangreiche Datenprüfung aller versorgungsrelevanten Daten für über 120.000 aktive Siemens-Mitarbeiter in Deutschland. Die Aktion hat rund 1,5 Jahre in Anspruch genommen. Seitdem wurden zahlreiche Prozesse voll automatisiert. Sämtliche Ansprüche der Mitarbeiter können nun auf „Knopfdruck“ ermittelt werden.

Welche Vorteile bietet die Digitalisierung von bAV-Prozessen und -Services für Ihr Unternehmen und die Mitarbeiter von Siemens?

Wir können hoch automatisierte und kosteneffiziente Prozessabläufe gestalten. Beispielsweise können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unseren Online-Berechnungstools jederzeit und individuell ihre Altersvorsorge planen. Über unsere App-Lösung haben sie jederzeit und überall Zugriff auf „ihre“ bAV. CARL, unsere Suchmaschine und unser ChatBot, unterstützt die Mitarbeiter aktiv bei HR-relevanten Inhalten und Fragen zur bAV.

Ein Unternehmen wie Siemens hat eine sehr heterogene Mitarbeiterstruktur. Wie wollen Sie sicherstellen, dass gerade ältere Mitarbeiter durch digitale bAV-Lösungen nicht überfordert werden?

Online-Services sind mittlerweile nicht nur bei Siemens selbstverständlich, sondern auch bei vielen Dingen, die wir im Privatleben erledigen. Denken Sie nur daran, was heutzutage bereits alles online recherchiert, gebucht und gekauft wird. Vieles ist dadurch einfacher geworden und das haben auch ältere Menschen erkannt. Nichtsdestotrotz ist unser Anspruch, auch die bAV-Themen so einfach wie möglich zu kommunizieren, ohne den haftungsrechtlichen Aspekt zu vernachlässigen. Wir können die Akzeptanz unseres Online-Angebots auch gut messen. So ist z. B. die Rückfragequote äußerst gering.

Sie haben bei Siemens mit dem Umstieg auf ein globales cloudbasiertes HR-System begonnen. Gab es aus Mitarbeiterkreisen oder vom Betriebsrat Bedenken bzgl. Datenschutz und Datensicherheit?

Der Umstieg auf das globale HR-Cloudsystem hat im letzten Jahr begonnen und wird in mehreren Wellen weltweit erfolgen. Aktuell haben wir in Deutschland gerade den Performance Management Prozess auf die cloudbasierte Plattform umgestellt. Unsere Risikomanagementprozesse stellen sicher, dass die datenschutzrechtlichen Anforderungen und die Informationssicherheit in jedem Fall eingehalten werden.

Mit der Einführung des HR-Cloudsystem stehen wir in einem engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, die wir frühzeitig eingebunden haben.

Und zuletzt ein kurzer Blick in das Jahr 2030: Wo geht die Reise Ihrer Meinung nach hin?

Mit der Umstellung auf eine globale HR-Cloudlösung werden alle Prozessketten in der bAV weitestgehend digitalisiert ablaufen. Der Zugriff der Mitarbeiter auf ihre bAV erfolgt mobil. Chatbots und KI werden nicht nur für Anfragen und Routinetätigkeiten eingesetzt, sondern sind auch für komplexere Tätigkeiten im Einsatz. Algorithmen sind in der Lage komplexe Rechtsfälle zu lösen.

Das bedeutet für uns: wir müssen bereit sein, ein Leben lang zu lernen. Wir müssen in dem, was wir können, besser werden und – viel wichtiger – auch komplett neue Fähigkeiten erlernen. Nur so werden wir es schaffen, den Strukturwandel zu gestalten und nicht umgekehrt.