BU 360 Grad – Verbessern statt nur Versichern


BU 360 Grad – Verbessern statt nur Versichern

Michael Reinelt, Abteilungsdirektor, Generali Versicherung

Sie lesen es fast täglich in der Zeitung: In Deutschland fehlen Fachkräfte. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen suchen dringend gut ausgebildetes Personal. Es entsteht ein regelrechter Kampf um qualifiziertes Fachpersonal. Doch wer gewinnt den Kampf? Die Erfahrung zeigt, dass es nicht zwingend der Arbeitgeber ist, der das höchste Gehalt zahlt.

Vielmehr spielen heute auch „weiche Faktoren“ wie beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, Homeoffice oder die betriebliche Altersversorgung (bAV) bei der Wahl des Arbeitgebers eine wichtige Rolle. Mit diesen Maßnahmen können sich auch kleine Firmen als attraktive Arbeitgeber positionieren, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und gleichzeitig vorhandene Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Das Ergebnis: eine ausgewogene Work-Life-Balance, die Fluktuation sinkt und die Profitabilität der Arbeitskraft steigt.

Neue Ansätze zur Mitarbeiterbindung werden gesucht

In der Vergangenheit wurde häufig die bAV als Zugpferd beim Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter eingesetzt. Doch damit hebt sich der Arbeitgeber nicht mehr vom Markt ab – viele Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmern Entgeltumwandlungssysteme an. Gesucht werden also Lösungen, die neu am Markt sind, noch nicht von Mitbewerbern angeboten werden und gleichzeitig auf Bewährtem aufbauen.

Sinnvolle Ergänzung der bAV

Die bAV wird nach wie vor als wertvoller Baustein zur Mitarbeiterbindung geschätzt. Es lohnt sich jedoch, weitere Maßnahmen darauf aufzubauen. Das Problem ist, dass die versicherungsförmige bAV aufgrund der steuer- und arbeitsrechtlichen Voraussetzungen zur Anerkennung einer bAV kaum differenzierbar ist. Die Produktlandschaften ähneln sich und Produktneuerungen sind kaum zu finden. Arbeitgeber können sich vom Markt abheben, indem sie ein „Add-on“ anbieten: Warum nicht die Gesundheit der Mitarbeiter als eines der höchsten menschlichen Güter schützen und ein betriebliches Gesundheitsmanagement als Zusatzleistung einführen? Oder anders gesagt: Wieso immer erst reagieren, statt vorab agieren?

Clever agieren – Berufsunfähigkeit vermeiden

Die bisherige Produktlandschaft der Versicherer stellt den Schaden bzw. bei Lebensversicherungen das versicherte Ereignis, also den Tod und die Berufsunfähigkeit, in den Vordergrund. Erst bei Eintritt eines dieser Ereignisse wird die versicherte Leistung fällig. Wieso nicht schon vorher ansetzen und durch Früherkennung bzw. Vorsorge den Schadenfall vermeiden oder zumindest verringern? Setzen wir diese neue Denkweise bei der Berufsunfähigkeitsabsicherung ein, bedeutet das, dass wir durch Gesundheitsmaßnahmen die Berufsunfähigkeit im Idealfall vermeiden können. Somit werden lange Fehlzeiten der Mitarbeiter verhindert oder zumindest deutlich verkürzt.

Gesunde und leistungsstarke Mitarbeiter durch betriebliches Gesundheitsprogramm

Die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsprogramms lohnt sich für den Arbeitgeber. Für ihn entsteht ein überschaubarer Aufwand, welcher sich durch gesunde und leistungsstarke Mitarbeiter auszahlt. Der Arbeitgeber hilft damit seinen Mitarbeitern, im Krankheitsfall schnelle und kompetente Hilfe über spezialisierte Dienstleister zu erhalten oder Krankheiten sogar ganz zu vermeiden. Die Möglichkeiten eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sind vielfältig: Sie gehen über Vorsorgeuntersuchungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden, über Videosprechstunden bis hin zu Empfehlungen zu spezialisierten Fachärzten – um nur drei Beispiele zu nennen.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren

Durch Kombination der Berufsunfähigkeitsvorsorge mit Gesundheitsangeboten des Arbeitgebers entsteht eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer profitiert von den zusätzlichen Angeboten des Arbeitgebers und erhält professionelle Hilfe im Bedarfsfall. Da er die Kosten dafür nicht selbst tragen muss, nimmt er die Hilfestellungen eher in Anspruch, lässt sich regelmäßig gesundheitlich untersuchen und ist durch die Früherkennung weniger krank. Wird eine Krankheit gefunden, kann durch ein frühes Eingreifen die Ausfallzeit im Unternehmen häufig reduziert werden. Der Arbeitgeber verbessert sein Image gegenüber den Mitarbeitern und kann auf gesunde Arbeitnehmer mit geringeren Fehlzeiten bauen – was wiederum positive Effekte auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens haben kann. Zusätzlich steigert das betriebliche Gesundheitswesen die Attraktivität des Arbeitgebers in einer Marktwirtschaft, in der händeringend nach qualifiziertem Fachpersonal gesucht wird.