Die betriebliche Altersversorgung (bAV) bei BMW als Best Practice-Modell


BAV Rente BMW Anfang 2014 hat die BMW Group bei der betrieblichen Altersvorsorge ein sogenanntes „Matching-Modell“ eingeführt. Zusätzlich zu einem von BMW monatlich eingezahlten Betrag in die Altersversorgung der Arbeitsnehmer können die Angestellten entscheiden, ob sie obendrauf selbst einen Eigenbetrag zurücklegen wollen. Diesen Eigenbetrag honoriert („matcht“) BMW mit einem Zuschuss in Höhe dieses Eigenbetrags. Wolfgang Degel als Leiter des Center of Competence Altersversorgungssysteme bei der BMW Group erläutert das Modell im folgenden Artikel im Detail.

Handelsblatt Journal BAV

Den Beitrag von Wolfgang Degel finden Sie in der Juli-Ausgabe des Handelsblatt Journal Betriebliche Altersvorsorge, das Sie HIER gratis herunterladen können.

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Eckpunkte BAV BMWIm Rahmen der Altersversorgung bietet BMW den Mitarbeitern betrieblich finanzierte Systeme sowie attraktive Systeme zur Eigenvorsorge. Deshalb empfiehlt BMW den Mitarbeitern, sich frühzeitig und regelmäßig um eine ausreichende persönliche Altersabsicherung zu kümmern. BMW will seinen Mitarbeitern so ermöglichen, finanziell abgesichert in den Ruhestand zu gehen. Zudem ist es personalpolitisch notwendig, möglichst flexible Systeme für den Übergang in den Ruhestand anzubieten, um den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter Rechnung zu tragen. Die BMW Group hat dazu ab Januar 2014 ein neues flexibles beitragsorientiertes Altersversorgungssystem, das BMW Alterskapital, eingeführt.

BMW zahlt monatlich einen festen, arbeitgeberfinanzierten Beitrag in ein Altersversorgungskonto des Mitarbeiters ein. Der individuelle Beitrag ist von der Entgeltgruppe des Mitarbeiters abhängig. Um die Mitarbeiter zu motivieren, auch einen eigenen

Beitragsstruktur BAV BMW

Beitrag zu leisten, hat sich die BMW Group für ein sogenanntes „Matching System“ entschieden. Das bedeutet konkret: Der Mitarbeiter kann entscheiden, ob er im Rahmen der

Entgeltumwandlung einen zusätzlichen, fest definierten Eigenbeitrag leisten will. Dies honoriert die BMW Group mit einem Zuschuss in gleicher Höhe wie der Eigenbeitrag, also mit einem Zuschuss von 100 Prozent.

BMW entscheidet sich für Opting-Out-Modell

Bei der Konzeption des neuen, beitragsorientierten Altersversorgungssystems stellte sich die Frage, ob der Mitarbeiter sich aktiv für den Eigenbeitrag entscheiden muss (Opting-In), er also die Initiative ergreifen muss, um seinen Eigenbeitrag zu leisten oder der Mitarbeiter automatisch am Matching teilnimmt, jedoch die Möglichkeit erhält, der Teilnahme am Matching zu widersprechen (Opting-Out). Die BMW Group hat sich aufgrund der Attraktivität des Zuschusses für letzteres entschieden.

Die einbezahlten Beiträge werden in einem individuellen Ansparkonto je Mitarbeiter geführt. Neben den Beiträgen profitieren die Mitarbeiter von einer attraktiven Kapitalanlage in einem sogenannten Life-Cycle Modell. Dabei orientiert sich die Kapitalanlage am Lebensalter des Mitarbeiters und somit an der zu erwartenden Anspardauer bis zum Beginn der Auszahlung. Zudem gewährt die BMW AG den Mitarbeitern eine Mindestrendite, die sich an den Regelungen der Mindestverzinsung für Kapitallebensversicherungen orientiert.

Beitragsstruktur BAV BMW

Wesentliche Neuerungen ergeben sich für die Auszahlung im Rentenalter: Damit trägt die BMW Group den immer differenzierteren Anforderungen des Unternehmens und der Mitarbeiter hinsichtlich des Altersaustritts Rechnung. Weite Teile der Belegschaft wollen früher in Rente gehen, während andere Mitarbeiter noch länger im Unternehmen tätig sein wollen und auch mit ihrem über viele Jahre erworbenen und wertvollen Know-how länger arbeiten sollen.

Die Mitarbeiter können flexibel je nach Bedarf den Beginn der Auszahlung zwischen dem vollendeten 62. und dem 67. Lebensjahr wählen. Voraussetzung für die Auszahlung ist lediglich die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Auf eine Koppelung an die gesetzliche Rente wurde bewusst verzichtet.

Bei der Auszahlungsart hat sich BMW für eine Kapitalauszahlung entschieden 

Dabei kann der Mitarbeiter flexibel entscheiden, in wie vielen Jahresraten er sein Alterskapital ausbezahlt haben möchte. Maximal sind im Ratenplan 20 Jahre vorgesehen, Tarifmitarbeiter können auch bis zu 30% des Ansparkapitals als Einmalzahlung zu Beginn der Auszahlung erhalten.   Nachdem in der Auszahlungsphase auch noch Kapitalerträge generiert werden und diese ebenfalls an den Mitarbeiter weitergegeben werden, erhöht sich die Leistung im Rentenalter über die Jahresraten hinaus. Im Todesfall des Mitarbeiters während der Auszahlungsphase wird der gewählte Ratenplan weiter an Hinterbliebene/ Erben ausbezahlt. Dadurch wird die Leistung nicht wie in vielen Rentensystemen auf 60 Prozent reduziert, sondern der Ratenplan wird zu 100 Prozent weitergeführt.

Wesentlicher Erfolgsfaktor für ein betriebliches Altersversorgungssystem ist die Kommunikation und Transparenz der Zusatzleistung 

Alle Mitarbeiter erhalten einen Zugriff auf das BMW Altersvorsorgeportal, in welchem neben Informationen zum Pensionsplan auch das individuelle Ansparkonto eingesehen werden kann. Ebenso besteht die Möglichkeit, über den BMW Vorsorgerechner individuelle Modellrechnungen zu erstellen.

Vergleich BAV BMW

Gerade die jüngeren Mitarbeiter wissen, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt im Rentenalter zu bestreiten. Das Bewusstsein, dass sie einen eigenen Beitrag zu einem finanziell abgesicherten Ruhestand leisten müssen, wächst. Mit dem BMW Alterskapital bietet die BMW Group eine attraktive Altersversorgung, die zu großen Teilen vom Unternehmen finanziert wird, aber auch eine Beteiligung des Mitarbeiters erfordert. Das Modell wird von den Mitarbeitern sehr gut angenommen: Über 90 Prozent der Mitarbeiter nehmen am Matching-System teil.

Der Autor

Wolfgang Degel BMW BAV