Attraktive Betriebsrenten


Attraktive Betriebsrenten

Ohne Zinsen bleibt nur der Verzicht auf Garantien

In Zeiten niedriger Zinsen sollte das Garantieniveau in der betrieblichen Altersversorgung deutlich unter den Beitragserhalt abgesenkt werden. Arbeitnehmer könnten dann mit mehr Leistungen rechnen, ohne dass sich die Risiken für die Arbeitgeber erhöhen.

von Friedemann Lucius und Rainald Meyer

Die gesetzliche Rentenversicherung mag sicher sein, aber sie allein kann den Vorsorgebedarf im Alter nicht decken. Mit der betrieblichen Altersversorgung stellen Arbeitnehmer ihre Rente auf ein breiteres Fundament. Die Alterssicherung über den Arbeitgeber bietet dabei nicht nur staatliche Förderung. Als kollektive Form der Alters- und Risikovorsorge ist sie besonders effizient und im Idealfall beteiligt sich der Arbeitgeber mit eigenen Beiträgen am Aufbau der Betriebsrente. Unabhängig davon, wer die zugesagten Leistungen finanziert hat, steht am Ende der Arbeitgeber dafür ein.

Garantieversprechen nicht mehr haltbar
Arbeitgeber wiederum setzen im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter gezielt auf die betriebliche Altersversorgung als Teil ihrer HR-Strategie. Um die finanziellen Risiken für sich zu begrenzen, nutzen sie Lebensversicherer, Pensionskassen oder Pensionsfonds als externe Risikoträger, die dann die zugesagten Leistungen ganz oder teilweise garantieren. Doch die sogenannte versicherungsförmige Gestaltung stößt in Zeiten, in denen sichere Zinspapiere wie etwa zehnjährige Bundesanleihen eine negative Rendite einbringen, an ihre Grenzen. Denn der Garantiegeber muss mit entsprechend niedrigen Zinsannahmen kalkulieren und die Beiträge auch entsprechend sicher anlegen. Damit sinkt der Anteil der Leistung, der aus Vermögenserträgen finanziert werden kann, und es steigt der Anteil, der aus Beiträgen finanziert werden muss. Beim aktuellen Zinsniveau, spätestens mit der vorgesehenen Absenkung des Rechnungszinses auf 0,25 Prozent wird es praktisch unmöglich, die Summe der eingezahlten Beiträge wie versprochen zum Rentenbeginn zur Verfügung zu stellen. Die erst 2002 eingeführte Beitragszusage mit Mindestleistung, die diesen Beitragserhalt verlangt, ist damit für den Arbeitgeber nicht mehr voll versicherbar.

Die beitragsorientierte Leistungszusage neu gedacht
Unter diesen Bedingungen rückt ein angemessenes Leistungsniveau zu vertretbaren Kosten in weite Ferne. Ganz zu schweigen von der Geldentwertung, die am Ende sogar zu einer negativen Realverzinsung der eingesetzten Mittel führt. Der Ausweg aus diesem Dilemma besteht darin, die Garantieanforderungen in der betrieblichen Altersversorgung deutlich zu lockern. Dann  hätten die Risikoträger völlig neue Kalkulationsmöglichkeiten und die Arbeitgeber damit mehr Gestaltungsspielraum. Die seit Jahrzehnten bewährte beitragsorientierte Leistungszusage bietet dabei den geeigneten arbeitsrechtlichen Rahmen: Der Arbeitgeber legt einen Beitrag fest und wandelt diesen in eine Versorgungsanwartschaft um. Deren Mindesthöhe muss zum Zeitpunkt der Umwandlung eindeutig feststehen, mehr ist erst einmal nicht gefordert. Insbesondere enthält die gesetzliche Definition der beitragsorientierten Leistungszusage zum Niveau der Versorgungsanwartschaft keine Vorgaben. Um die Zusage von einer reinen Beitragszusage ohne Garantien klar abzugrenzen, erscheint es vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsen derzeit ausreichend, wenn zum Rentenbeginn wertmäßig mehr als die Hälfte der eingezahlten Beiträge als Versorgungskapital zur Verfügung steht. Unter diesen Voraussetzungen können die Versorgungsträger größere Anteile ihrer Anlagen am freien Kapitalmarkt investieren und die damit verbundenen Renditechancen nutzen. Vom Kapitalmarktrisiko sollten sich weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer abschrecken lassen. Denn dieses Risiko wird gemeinhin überschätzt. Schließlich muss das Versorgungskapital, das aus den Beiträgen sukzessive aufgebaut wird, entgegen einer weitverbreiteten Vorstellung nicht jederzeit abrufbar sein, sondern frühestens zum Rentenbeginn bereitstehen. Da man es in der betrieblichen Altersversorgung mit sehr langen Anlagezeiträumen zu tun hat, können zwischenzeitliche Wertschwankungen durch ein professionelles Management der Kapitalanlage im Zeitablauf ausgeglichen werden. Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Versorgungslücken sollte die Aussicht auf ein attraktives Leistungsniveau jedenfalls deutlich höher bewertet werden als das Risiko eines möglichen Wertverlustes.

Weniger Garantie für mehr Leistung
Mit der in Deutschland immer noch vorherrschenden Fixierung auf Garantien wird die Chance auf höhere Leistungen in der betrieblichen Altersversorgung vertan. Ein Garantieniveau deutlich unterhalb des bisherigen Beitragserhalts ist vor dem Hintergrund dauerhaft niedriger Zinsen wahrscheinlich die einzige Möglichkeit auf einen realen Zugewinn. Wenn dann noch der Arbeitgeber mit zusätzlichen Beiträgen Entgeltverzichte der Arbeitnehmer honoriert und damit Anreize für eine höhere Eigenbeteiligung schafft, entstehen attraktive Versorgungssysteme, mit denen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen gewinnen.

Friedemann Lucius (li) ist Vorstandssprecher der HEUBECK AG, die seit 75 Jahren Unternehmen im Bereich der betrieblichen Altersversorgung betreut. Der promovierte Mathematiker ist Aktuar und berät Unternehmen vor allem im Hinblick auf die finanziellen Aspekte der bAV. Sein Vorstandskollege Rainald Meyer ist auf die Gestaltung und Implementierung von Versorgungswerken und deren Einbettung in die HR-Strategie der Kunden spezialisiert.

heubeck

www.heubeck.de

Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Betriebliche Altersversorgung und Kapitalanlage“ erschienen.

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