Nach dem Hype: Drei Handlungsfelder für die Banken-Digitalisierung


Peer Hannig Karl im Brahm

Autoren: Peer Hannig, Head of Business Development, Avaloq (Sourcing) Europe; Karl im Brahm, CEO, Avaloq (Sourcing) Europe

Betrachtet man die Entwicklung der Banking-Technologie im Verlauf der letzten Jahre, lassen sich durchaus positive Entwicklungen beobachten. Robotic Process Automation wird immer stärker adoptiert, und Robo-Advisory gewinnt an Bedeutung. Derzeit entdeckt der Markt auch Blockchain-Technologie und Tokenisierung als Themen. Untätig war die Branche in Sachen Digitalisierung nicht. Dennoch muss man konstatieren, dass die Umsetzung der neuen Technologien oft hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Jetzt, nach dem ersten Hype, gibt es drei zentrale Handlungsfelder.

Digitalisierung als Frage der Unternehmenskultur

Ein Grund für zögerliche Digitalisierung ist, dass sie nicht nur eine technologische Dimension hat, sondern immer auch eine Frage des Mindsets ist. Digitale Affinität ergibt sich aus der Unternehmenskultur. Studien verorten gerade Deutschland eher im Mittelfeld. Die Untersuchung von Deloitte zur „EMEA Digital Banking Maturity 2018“ etwa sieht Nationen wie Polen, die Schweiz und Spanien in der Spitzengruppe der „Digital Champions“, zu den „Digital Smart Followers“ gehören dann Länder wie Frankreich und Norwegen, während Deutschland nur einen Platz im sehr breiten Mittelfeld beanspruchen kann.

Unbewegliche Legacy-Systeme behindern Innovation

Die kulturelle Bereitschaft zu einer digitalen Transformation ist das eine, die dafür geeignete Infrastruktur ist das andere. Die neuen Technologien haben bei deutschen Banken und Vermögensverwaltern auch deswegen noch nicht die intendierte Wirkung gezeigt, weil sie sehr oft in Form von Insellösungen betrieben werden. Banken stoßen bei der Adoption immer wieder an die Grenzen der Veränderungs- und Integrationsfähigkeit ihrer Legacy-Systeme. Die bestehende Infrastruktur behindert in vielen Fällen die Innovationsfähigkeit.

Die richtige Strategie gegen das disruptive GAFA-Potenzial

Dabei ist die Zukunft etablierter Banken letztlich weit weniger durch aufstrebende Fintechs bedroht als durch die globalen Technologiegiganten mit ihrer immensen Datenmacht: durch die GAFAs – durch Google, Apple, Facebook, Amazon & Co. Um auf dieses disruptive Potenzial der Digitalisierung und den Datenschatz der GAFAs angemessen zu antworten, sollten Banken und Vermögensverwalter drei zentrale Handlungsfelder adressieren: Banking mit einer offenen Architektur, an die sich per API leicht digitale Lösungen von Partnern anbinden lassen; ein Betrieb der Banking-Plattform in der Cloud – bis hin zu Banking-as-a-Service-Modellen; und die Adoption von Distributed-Ledger-Technologie, Krypto-Assets und Tokenisierung, die völlig neue Anlageklassen ermöglichen werden.

  1. Open Banking hat Zukunft

Mit der Innovationsgeschwindigkeit des Marktes Schritt zu halten und die Ansprüche moderner Kunden wirklich zu erfüllen, wird vielen Marktteilnehmern nur möglich sein, wenn sie bereit sind, innovative digitale Lösungen anderer Partner in ihre eigenen Services zu integrieren. Nur ein Open-Banking-Ansatz und eine prinzipiell offene Plattform mit entsprechenden API-Möglichkeiten eröffnen Banken die erforderliche Flexibilität. So ist die Time-to-Market für neue Services sehr viel geringer, und das Finanzinstitut gewinnt die Fähigkeit zu flexiblen Innovationen.

  1. Industrialisierung des Bankings durch die Cloud und SaaS-/BPaaS-Modelle

Für Banken und Wealth Manager eröffnet der Weg in die Cloud prinzipiell dieselben Vorteile wie für alle anderen Unternehmen: Es entstehen Kostenvorteile und Effizienzgewinne, während zugleich die Innovationsgeschwindigkeit steigt. Software-as-a-Service (SaaS)- und Business-Process-as-a-Service-Modelle (BPaaS) reduzieren für Banken die Komplexität individuell gewachsener Strukturen. Zugleich führt die Industrialisierung bzw. Automatisierung des Bankings zu viel höheren Straight-through-Processing-Raten (STP). Banking-as-a-Service eröffnet einem Institut die Möglichkeit, sich auf seine echten, wettbewerbsdifferenzierenden Stärken zu konzentrieren.

  1. Blockchain-Technologie und Tokenisierung

Auch wenn die Kryptowährung Bitcoin schon aufgrund ihrer Volatilität seit jeher umstritten ist – sie hat doch der zugrunde liegenden Blockchain- bzw. Distributed-Ledger-Technologie den Weg geebnet. Die Regulierungsbehörden schaffen derzeit die Voraussetzungen für Token als neue Klasse digitaler Assets. Dadurch werden völlig neue Anlageklassen möglich, denn prinzipiell lässt sich fast alles tokenisieren. Der große Vorteil, den Banken und Vermögensverwalter in diesem Markt gegenüber reinen Krypto-Unternehmen haben, besteht darin, bereits mit der traditionellen Fiat-Welt verbunden zu sein. Und: Die Kunden vertrauen ihnen!

Autoren: Peer Hannig, Head of Business Development, Avaloq (Sourcing) Europe; Karl im Brahm, CEO, Avaloq (Sourcing) Europe

Avaloq ist Partner der Handelsblatt Jahrestagung Banken-Technologie 

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