Wir denken, dass in uns das Potenzial einer großen Mainstream-Bank steckt. – Interview mit Anne Boden (Starling Bank)


Nach einer langen Karriere in führenden Funktionen im traditionellen Bankgeschäft, gab die Britin Anne Boden ihren alten Job auf, um die Digitalbank Starling zu gründen. Was sie zu diesem mutigen Schritt bewogen hat und was Starling von anderen Banken unterscheidet, verrät Anne Boden im Interview.

Anne Boden ist Gründerin und CEO der Starling Bank, einer britischen Smartphone-Bank. 2018 wurde sie vom Forbes Magazin unter die 50 einflussreichsten Frauen der Technologiebranche in Europa gewählt.

Ob Neo-Banks, Captives & Tech-Player die besseren Banken sind, diese Frage diskutieren wir am am 4. September 2019 auf dem Handelsblatt Banken-Gipfel  in Frankfurt am Main.

Interview mit Anne Boden, CEO der Starling Bank

Frau Boden, 2014 haben Sie Ihren alten Job aufgegeben, um Starling zu gründen. Was hat Sie zu diesem riskanten Schritt bewegt?

Nach der Finanzkrise 2008 war nicht zu übersehen, dass die Finanzbranche Reformen und Innovationen bitter nötig hatte. Ich habe selbst miterlebt wie die Banken von der Branche einfach wieder so aufgebaut wurden, als wäre nichts passiert. Als ausgebildete Computerwissenschaftlerin war mir klar, dass die damaligen Technologien und Systeme nicht zu retten waren, mit ihnen hätte man nie die nötigen Verbesserungen in puncto Geschwindigkeit und Kundenservice erzielen können. Darum habe ich mich dazu entschieden, meine eigene Bank zu gründen und die Technologie dafür selbst zu entwickeln. Sie haben absolut recht, das war ein Risiko. Man sagte mir, das würde so nicht funktionieren. Aber hier stehen wir fünf Jahre später und bedienen 600.000 Kunden – Tendenz steigend.

600.000 Kunden in fünf Jahren, das ist wirklich beachtlich. Wie viel Wachstumspotenzial steckt noch in Starling?

Wir denken, dass in uns das Potenzial einer großen Mainstream-Bank steckt – für UK, Europa und darüber hinaus – und sind uns sicher, dass wir Millionen von Kunden für uns gewinnen können. Wir freuen uns auch besonders darauf, mehr Kleinunternehmer in unseren Kundenkreis aufnehmen zu dürfen. Weiterhin werden wir voraussichtlich eine marktführende Position im Sektor Bankdienstleistungen einnehmen.

Wodurch hebt sich Starling von anderen (Neo-)Banken ab?

Durch alles! Wir bieten unseren Kunden ein erstklassiges persönliches Konto und wollen auch für kleine und mittelständige Unternehmen ein herausragendes Angebot bereitstellen. Dank unseres revolutionären, proprietären und hervorragend skalierbaren Tech-Stacks können wir die Plattform für den Verkauf von Zahlungs- und Bankdiensten nutzen und monetarisieren. Durch unseren Fokus auf Technik profitieren wir von enormen Service- und Kostenvorteilen, da können etablierte und Neo-Banken nicht mithalten.

Ihre Bank ist in England ansässig. Hat der Brexit Auswirkungen auf die Expansionspläne für Europa?

Der Brexit wird unsere Expansionspläne für Europa nicht aus der Bahn werfen, sorgt aber durchaus für Verzögerungen. Wir wollen zunächst nach Irland, dann nach Frankreich und Deutschland und schließlich auch darüber hinaus expandieren. Momentan bewerben wir uns für eine Banklizenz in Irland, die uns Zugang zu anderen EU-Mitgliedsstaaten verschaffen wird.

Danke für das Gespräch.