Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein – Interview mit Roland Boekhout (ING-DiBa)

Roland BoekhoutDie Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die wachsende Konkurrenz durch Fintechs setzten die deutschen Banken unter Druck. Den widrigen Bedingungen zum Trotz verfolgt die ING-DiBa das ehrgeizige Ziel durch Innovation und Prozessoptimierung zur führenden Digitalbank zu werden.

Im Vorfeld der diesjährigen Handelsblatt Jahrestagung Banken Umbruch (31. August und 1. September 2016, Frankfurt am Main) hatten wir die Gelegenheit, mit Roland Boekhout (CEO ING-DiBa, Head ING Germany & Austria) über die Innovationsstrategie der ING-DiBa und allgemeine Entwicklungen im deutschen Bankensektor zu sprechen.

Interview mit Roland Boekhout, CEO, ING-DiBa

1. Herr Boekhout, die EZB-Zinspolitik setzt Banken zunehmend unter Druck. Gleichzeitig sorgen Fintechs für Gegenwind. Sind die goldenen Zeiten für Banken bald vorbei?

Das Problem der Banken mit dem Niedrigzins wird ja schon seit drei Jahren heftig diskutiert, aber bislang geht es den Banken immer noch relativ gut. Durch die sehr gute Wirtschaftslage gibt es nur wenige Kreditausfälle.
Das Kernproblem ist, dass viele deutsche Banken einfach zu hohe Kosten haben. Das konnten sie bisher durch gute Zinseinnahmen vertuschen, doch jetzt nimmt der Wettbewerb, auch durch die Fintechs, immer mehr zu. Bislang fand die Konsolidierung im deutschen Bankensektor nicht statt. Jetzt, mit der andauernden Niedrigzinsphase, wird sie kommen.
In anderen europäischen Ländern ist es für Privatkunden in der Regel billiger, Bankgeschäfte abzuwickeln. Viele Institute erhöhen aber lieber die Gebühren, statt Kosten zu senken. Man sollte die Schwierigkeiten nicht über den Kunden lösen und die Gebühren erhöhen.

2. Sie setzen verstärkt auf das Geschäft mit Firmenkunden, doch der Wettbewerb um den Mittelstand ist hart. Können Sie hier überhaupt mit digitalen Produkten und Prozessen punkten? Welche Strategie verfolgen Sie hier?

Wir haben uns vorgenommen, im Firmenkundengeschäft weiter kräftig zu wachsen. Wir konzentrieren uns dabei auf DAX-Konzerne und große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro. Einer unserer Wettbewerbsvorteile ist sicherlich das internationale ING Netzwerk. Wir haben sehr viele internationale Kunden und Deutschland ist für die ING ein sehr wichtiger Wachstumsmarkt. Dies wird daran deutlich, dass bei uns in Frankfurt aktuell drei globale Kompetenzzentren im Bereich Wholesale Banking angesiedelt sind: Structured Export Finance, Automotive Platform for Corporate Clients und Rail and Aviation Finance. Der konstant hohe Zustrom an Kundengeldern im Privatkundengeschäft sichert uns darüber hinaus die günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten für unser Unternehmenskundengeschäft.

Unsere Firmenkunden wünschen sich, dass die Prozesse ihrer Bank schlank, effizient und so weit wie möglich digital sind. Deshalb investieren wir nicht nur im Privat- sondern im Unternehmenskunden-geschäft in digitale Services. Im kommenden Quartal werden wir beispielsweise eine Anwendung einführen, mit der sämtliche Kredit- und Währungspositionen per Smartphone überwacht und entsprechende Transaktionen veranlasst werden können.

3. Wie schafft die ING-DiBa es, permanent innovativ zu sein und dennoch die Kosten im Griff zu haben?

Indem wir uns und unsere Prozesse immer wieder hinterfragen und uns verändern. Dabei haben wir schon immer den technischen Fortschritt genutzt, um unsere Prozesse noch effizienter und für den Kunden so einfach wie möglich zu halten. Trotz unserer im deutschen Bankenmarkt sicherlich einmaligen Wachstumsgeschichte haben wir uns nie auf unserem Erfolg ausgeruht. Um die führende Digitalbank zu werden, bauen wir aktuell die halbe Bank um. Getreu dem Motto: Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.

4. Fast täglich werden neue Fintechs gegründet. Wie entscheiden Sie, mit welchen Sie kooperieren?

Eine Kooperation mit Fintechs kommt für uns dann in Frage, wenn das Unternehmen Produkte oder Services anbietet, die unseren Kunden einen Mehrwert bieten. Also Bankgeschäfte noch komfortabler machen. Ein Beispiel ist die Fotoüberweisung.

Herr Boekhout, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


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