Was können Fintechs von Banken lernen?

Was können Fintechs von Banken lernen?

Dr. Markus Pertlwieser, CEO von Penta, über seinen Wechsel von der Bank zum Fintech, ruppigen Wettbewerb um die Kundenschnittstelle und die Frage, wie Banking in 10 Jahren aussehen wird

Herr Pertlwieser, Sie sind von der Deutschen Bank zu Penta gewechselt. Was war für Sie dabei die größte Überraschung oder Veränderung?

Die erste Überraschung war die positive Reaktion vieler Kolleginnen und Kollegen auf meinen Schritt von einer Bank hin zu einem FinTech. Ich erfahre laufend, wie lebhaft das Interesse der etablierten Banken an einem Austausch mit einem jungen Finanz-Technologie Start-up ist. Und bei Penta selbst sind mir gleich die Internationalität und die vielen unterschiedlichen Ausbildungsgänge und Berufsbiographien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgefallen.

Häufig fragen wir, was Banken von Fintechs lernen können. Aber was können Fintechs von Banken lernen?

Das hängt sehr davon ab, welche Bank und ihr Geschäftsmodell sie sich anschauen. Grundsätzlich riesig ist der Erfahrungsschatz der großen Finanzinstitute, wenn es darum geht, regulatorische Anforderungen umzusetzen. Und auch im täglichen Risikomanagement macht den Banken niemand etwas vor.

Was sind in Ihren Augen aktuell die spannendsten Entwicklungen im Bereich Banking?

Ich sehe mit großem Interesse, wie ruppig mittlerweile der Wettbewerb ausgetragen wird, wenn es darum geht, wer welchen digitalen Zugang und vor allem den unmittelbaren Kontakt zum Kunden hat. Das beste Beispiel dafür ist der Payment-Sektor. Hier versuchen sich kleine und große, neue und alteingesessene Spieler ständig mit Ideen für den Kunden zu überbieten. Der zweite Trend, auf den man achten muss, ist sicher die Digitalisierung von Kernprozessen und Infrastruktur mit Hilfe der Cloud-Technologie und Künstlicher Intelligenz.

Welches internationale Fintech hat Sie zuletzt beeindruckt und warum?

Beindruckend finde ich unter den FinTechs vor allem Stocard. Das Unternehmen hat direkten Kundenzugang und ist mit seinem Angebot für seine Kunden täglich relevant. Inzwischen nutzen fast 60 Millionen Menschen auf der ganzen Welt die Stocard-App. Stocard ist als sogenannte Nicht-Bank gestartet und hat jetzt sehr clever mit seiner Decoupled Debit Card die Tür zum Banking weit aufgestoßen.

Und welche Bank?

Bei den Banken sehe ich JP Morgan weit vorne. Die Amerikaner haben eine Multi-Cloud-Strategie, wie kaum eine andere Bank investieren sie in die Datenwolke. Dafür arbeiten sie gleich mit mehreren führenden Anbietern dieser Technologie zusammen. Und sie bauen zudem in Kooperation mit anderen Unternehmen noch eine eigene public-private Cloud auf. In den vergangenen Jahren hat JP Morgan auch zehntausende Technologie-Spezialisten angeheuert. Das Beispiel JP Morgan zeigt überdeutlich, dass bei Infrastrukturprojekten jene Unternehmen voll zum Zuge kommen, die entschlossen zupacken und strategisch investieren können. Das bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass der Wettbewerb um die Kundenschnittstelle, vor allem aber die Aufstellung bei Infrastruktur und Prozessen in den 20er Jahren mehr und mehr zu einer Frage der Größe und sich beschleunigender Marktkonsolidierung werden.

Als letztes möchten wir mit Ihnen in die Zukunft schauen: Wie sieht die Bankinglandschaft Ihrer Meinung nach in 5-10 Jahren aus?

Banken und FinTechs werden nicht mehr voneinander zu unterscheiden sein.