Interview mit Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO von Scalable Capital

Interview mit Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO von Scalable Capital

Technologiebasierte Geldanlage setzt sich durch

Die Corona-Pandemie stärkt die Nutzung digitaler Finanzdienste und das Interesse an Aktien. Auch etablierte Banken nutzen dafür immer mehr die Innovationen der Fintechs, die zudem schnell auf Nachfragetrends reagieren.

Durch die Coronakrise hat die Digitalisierung Auftrieb gekommen. Dürfte sich damit das Wachstum der deutschen FinTechs noch beschleunigen? 

Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass sich von heute auf morgen viele Bereiche des Lebens komplett ins Digitale verlagert haben. Hier konnten all jene Unternehmen punkten, die schon zuvor konsequent auf Digitalisierung gesetzt haben. So konnten Kundinnen und Kunden von Fintechs wie Scalable Capital digitale Angebote auch im Lockdown problemlos weiter nutzen. Viele Menschen hatten seit Beginn der Pandemie außerdem schlicht mehr Zeit dafür, sich mit ihren Finanzen und dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen. Dieses gestiegene Interesse an Möglichkeiten zur Geldanlage am Kapitalmarkt haben sicherlich nicht nur wir gespürt.

Scalable Capital entwickelt sich weiter, hat als digitaler Vermögensverwalter verschiedene Risikostrategien aufgelegt, ist ins Broker-Geschäft eingestiegen. Was können etablierte Banken von Ihrer Strategie lernen? 

Auch nach mehr als sechs Jahren nach der Gründung denken wir Etabliertes immer wieder neu, womit sich andere aufgrund ihrer Größe und Historie manchmal schwertun. Wir sind als Robo-Advisor und B2B-Anbieter gestartet, haben unseren Kundinnen und Kunden später den Zugang zu Tages- und Festgeldangeboten ermöglicht und bieten nun zusätzlich den Neo-Broker an – alles mit dem Ziel, die Geldanlage einfacher und günstiger zu machen. Dieses konsequent kundenzentrierte Handeln zeichnet uns aus. Ein Beispiel dafür sind unsere nachhaltigen ESG-Strategien. Unsere Kundinnen und Kunden haben vermehrt Interesse an nachhaltiger Geldanlage gezeigt und daraufhin haben wir nachhaltige Anlagestrategien in unser Angebot integriert. Mit nur wenigen Schritten können Anlegerinnen und Anleger auf diese Strategien wechseln. Ich bin mir sicher, dass die Integration eines solchen Produkts und die Änderung für die Anlegerinnen und Anlegern bei etablierten Banken komplizierter wäre und länger dauern würde.

Sie arbeiten mit einigen etablierten Banken und Versicherungskonzernen zusammen. Wie können FinTechs etablierte Banken bei ihren Innovationen unterstützen?

Mit Scalable Capital haben wir viel Zeit in die Entwicklung einer ausgereiften Technologie zur Vermögensverwaltung gesteckt. Für unsere Partner ist besonders interessant, dass es sich dabei nicht nur um ein Produkt auf dem Papier handelt, sondern sich die Technologie bereits in unserem eigenen B2C-Geschäft bewährt hat. So können zum Beispiel regulatorische Fragen konkret und aus der Praxis heraus beantwortet werden.

Für viele etablierte Banken und Versicherungskonzerne würde es sich schlicht nicht lohnen oder sehr viel Zeit kosten, komplexe Technologien zur Vermögensverwaltung von Grund auf neu zu entwickeln. Daher setzen sie auf Lösungen wie die unseren und treiben so ihre eigene Innovation voran.

Etablierte Banken und FinTechs gehen immer mehr Kooperationen ein. Spüren sie dabei bereits einen Wettbewerb? Beispielsweise der Online-Vermögensverwalter um Partnerschaften mit Direktbanken und Versicherern?

Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche renommierte Partner gewonnen und sind zuversichtlich, auch in Zukunft neue Kooperationen einzugehen. Das B2B-Geschäft macht heute schon rund die Hälfte unseres Umsatzes aus. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns sehr gut aufgestellt.

Wo stoßen digitale Tools an ihre Grenzen? Was machen etablierte Banken besser?

Etablierte Banken verfügen häufig über Kundenbeziehungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Damit geht auch eine gewachsene Reputation und ein großer Kundenstamm einher. Beides müssen sich neue, digitale Anbieter erst einmal erarbeiten.

Ein rein digitales Geschäftsmodell heißt aber nicht, dass keiner da ist. Wir machen unseren Kundinnen und Kunden zahlreiche Service- und Informationsangebote, etwa per E-Mail, Live-Chat, mit Webinaren oder persönlichen Beratungsgesprächen in ausgewählten deutschen Städten. Diese Herangehensweise haben sich Fintechs wie wir sicher ein wenig von etablierten Banken abgeschaut. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir bei der Technologie die Nase vorn haben.

Wie hat sich das Kräftemesse von organisierten Kleinanlegern und Hedgefonds an der Wallstreet auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Wird es auch die deutsche Aktienkultur und das Geschäft der Online-Broker verändern?

Ganz unabhängig von einzelnen Ereignissen haben wir im letzten Corona-Jahr gesehen, dass die Aktienkultur in Deutschland wieder erstarkt ist. Die Menschen hatten Zeit, sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen. In diesem Zuge haben sie erkannt, dass für die Altersvorsorge kein Weg am Kapitalmarkt vorbeiführt. Der Hype um Aktien wie Gamestop, AMC und Blackberry hat nochmal zusätzliches Interesse für Kapitalmarktthemen entfacht. Online-Broker wie wir konnten davon profitieren. Bei uns ist ein kleiner Teil unserer Kundinnen und Kunden von heute auf morgen plötzlich sehr aktiv geworden. Die täglichen Umsätze über den Scalable-Capital-Broker haben sich im Zuge dessen zeitweise fast verdoppelt. Zudem haben sich unsere Neukundenzahlen verdreifacht, sodass wir zeitweise ein paar Tausend Kundinnen und Kunden pro Tag gewonnen haben.

Auch wenn diese Dynamik auf Dauer etwas abflachen wird, so hat sie doch einige Deutsche überhaupt erst an die Börse gebracht. Und deshalb begrüßen wir diese Entwicklung sehr. Unser im Sommer gestarteter Online-Broker kam somit genau zum richtigen Zeitpunkt. Angebote wie die Trading-Flatrate unseres Brokers machen den günstigen und einfachen Aktienhandel für die breite Masse erst möglich.

Ihr Geschäftsmodell hat sich in Zeiten von insgesamt steigenden Aktienkursen und Börsenindizes gut entwickelt. Fürchten Sie einen Börsen-Einbruch?

Das Geschäftsmodell von Scalable Capital fußt auf drei Säulen. Neben dem Angebot unserer digitalen Vermögensverwaltung und unserem Online-Broker bieten wir B2B-Lösungen rund um die digitale Vermögensverwaltung an. Damit sind wir als Unternehmen breit aufgestellt und können von Trends in unterschiedlichen Geschäftsfeldern profitieren, ohne schwankende Aktienmärkte fürchten zu müssen. Wir sehen uns als Zuhause für die Geldanlage unserer Kundinnen und Kunden. Dabei kommt uns zugute, dass Digitalisierung mittlerweile in alle Altersschichten angekommen ist. Kundinnen und Kunden, die ihre Finanzen lange Zeit analog geregelt haben, nutzen immer häufiger digitale Tools, während für die nachwachsende Kundengeneration die technologiebasierte Geldanlage ohnehin ganz natürlich ist.

Um Verluste durch volatile Einzeltitel zu vermeiden, setzen wir mit unserer digitalen Vermögensverwaltung auf Diversifikation. Auch mit unserem breiten Angebot an ETF-Sparplänen in unserem Online-Broker gehen wir diesen Weg. Es wird immer wieder kleinere oder auch größere Einbrüche geben. Doch ein Blick auf die Börsenhistorie zeigt, dass sich die Märkte auch wieder erholen. Der Großteil unserer Anlegerinnen und Anleger ist langfristig orientiert. Wir sind mit unserer Vermögensverwaltung wie auch unserem Broker der Partner an der Seite unserer Kundinnen und Kunden – in allen Marktphasen.