Fit für die Zukunft – mit Low-Code in der Cloud

Fit für die Zukunft – mit Low-Code in der Cloud

Von Michael Baldauf*

Nur mit regelmäßigen Innovationen bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig. Angesichts des weltweiten Fachkräftemangels haben viele IT-Abteilungen jedoch mit diesem Innovationstempo zu kämpfen. Es betrifft vor allem auch den Bankenbereich, in dem ein starker Wettbewerbsdruck besteht – forciert auch aufgrund neuer Konkurrenz durch Fintechs oder Internetplattformen.

Eine zentrale Herausforderung eines Finanzinstituts lautet folglich, Produkte und Services durch verkürzte Entwicklungszyklen und eine hohe Skalierbarkeit schnell auf den Markt zu bringen. Vor allem müssen sie auch kurzfristig auf sich verändernde Kundenanforderungen reagieren. Eine Lösung für diese Herausforderung ist die Nutzung von Low-Code-Plattformen in Kombination mit Cloud-Umgebungen.

Low-Code-Plattformen binden die Anwender aus Fachbereichen eng in Entwicklungsprozesse ein. Die Plattformen richten sich an Spezialisten aus den Fachabteilungen – die sogenannten Citizen Developer – und ermöglichen ihnen, Business-Apps weitgehend selbstständig aus fertigen Software-Bausteinen zu erstellen und komfortabel anzupassen. Auch die Optimierung von Prozessen und Benutzeroberflächen oder die Änderung von Regelwerken wird unterstützt. Dank visueller Modellierungstools, Drag-and-Drop-Funktionen und einer intuitiven Benutzerführung sind dafür keine Programmierkenntnisse erforderlich. IT- und Entwicklungsabteilungen sind damit zwar nicht völlig von den Entwicklungsaufgaben entbunden, aber sie können sich auf die Bereitstellung der Komponenten, Integrationen und IT-Governance konzentrieren. Dadurch bleibt ihnen mehr Zeit für die klassische Software-Entwicklung und die großen Transformations- und Migrationsprojekte. Und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Fachbereichen besteht mit Low-Code die Möglichkeit, Anwendungen zu konzipieren, die genau zu ihren Problemstellungen im Tagesgeschäft passen – ohne dabei wie früher eine Schatten-IT beziehungsweise IDV (Individuelle Datenverarbeitung) aufzubauen.

Low-Code-Plattformen gibt es viele auf dem Markt. Doch welche Leistungsmerkmale sollte eine optimale Lösung aufweisen? Sie muss zunächst ein breites Anwendungsspektrum abdecken – von der Automatisierung einfacher Prozesse bis zu komplexen geschäftlichen Herausforderungen. Eine Grundvoraussetzung ist auch, dass eine Low-Code-Plattform automatisch Prüfungen hinsichtlich Sicherheit, Performance und Stabilität vornimmt. Zudem sollten detaillierte Audit-Trails Änderungen an den Anwendungen und Regelwerken detailliert dokumentieren. Diese Leistungsmerkmale sind allein schon im Hinblick auf die MaRisk-Konformität von entscheidender Bedeutung.

Weitere wichtige Komponenten sind die Wiederverwendbarkeit und Case-Funktionalitäten. An diesen Punkten trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Durch die vorgefertigten Software-Bausteine sind die neuen Apps und Tools prinzipiell sehr einheitlich, von hoher Qualität und stark standardisiert. Wichtig ist, dass der Citizen Developer die Bausteine auch wiederverwenden kann, um ein breites Spektrum unterschiedlicher Apps und Tools zu erstellen. Die Wiederverwendung garantiert etwa eine Layer-Cake-Architektur, wie sie Pegasystems bei seiner Low-Code-Plattform verwendet. Prozesse, Richtlinien, Datenmodelle oder User Interface sind dabei in Schichten organisiert. Das heißt, Nutzer können neue Produkte, Regionen oder Kanäle hinzufügen, ohne ihre Anwendung kopieren oder neu erstellen zu müssen. Sie ergänzen dabei nur das wirklich Neue – und zwar in einzelnen Schichten, die sich weiter vererben können. Bietet eine Low-Code-Plattform zudem ein Case Management, können im Hintergrund intelligent die Prozesse gesteuert werden. Beispiele dafür sind das Zusammenstellen aller benötigten Informationen, das Einleiten der nächsten Bearbeitungsschritte oder die Rückübertragung der bearbeiteten Daten in die Quellsysteme.

Zusätzliche Vorteile bietet die Low-Code-Nutzung in Kombination mit einer Cloud-Umgebung. Pegasystems stellt seine Low-Code-Plattform etwa auf AWS bereit. Der Nutzer profitiert dabei von der Kostenoptimierung, dem Zugriff auf jeweils aktuelle Technologien und einer schnellen und sicheren Entwicklung, Anpassung und Bereitstellung von Applikationen. Die Cloud ist zudem die Voraussetzung für den Zugang zu digitalen Ökosystemen, die eine Vernetzung mit Drittanbieter-Services oder die Nutzung neuer Plattformen und Kanäle unterstützt.

Prinzipiell ist eine Low-Code-Plattform für alle bankspezifischen Use Cases und Prozesse geeignet. Dazu gehören etwa die Kontenpflege von der Kontoeröffnung bis zur -löschung inklusive der Abdeckung von Know-Your-Customer- und Onboarding-Prozessen, die Kreditvergabe oder der Zahlungsverkehr. Bei der Anwendungsentwicklung fungiert die Low-Code-Plattform dabei quasi als Automatisierungsschicht zwischen den Backend-Systemen der Bank und den verschiedenen Kommunikationskanälen.

Fast alle Finanzinstitute stehen heute vor der Herausforderung, Abläufe im Tagesgeschäft zu verbessern, Kundenerlebnisse zu optimieren und Kosten zu senken. Ein zentrales Hilfsmittel ist dabei eine zukunftsfähige Plattform wie eine skalierbare Lösung für die Low-Code-Entwicklung. In Kombination mit einer Cloud-Nutzung ist eine Bank so nicht nur für die heutigen Aufgaben, sondern auch für die künftigen Herausforderungen bestens aufgestellt. Und eines darf dabei nicht vergessen werden: Letztlich ist eine Low-Code-Plattform immer auch die Basis für ein modernes, abteilungsübergreifendes agiles Arbeiten.

* Michael Baldauf ist Industry Architect/Strategist Financial Service EMEA bei Pegasystems