Ein gutes ESG-Rating und nachhaltige IT-Investitionen sorgen für eine gute Cost-Income-Ratio bei Banken

Ein gutes ESG-Rating und nachhaltige IT-Investitionen sorgen für eine gute Cost-Income-Ratio bei Banken

Autoren: Thomas Steiner, Globaler Leiter Banking & Capital Markets, BearingPoint und Frank Hofele, Partner Banking & Capital Markets, BearingPoint

Der Markt- und Transformationsdruck auf Europas Banken ist weiterhin ungebrochen und der Wettbewerb untereinander hoch. Hierbei zeigt sich, dass gerade die Banken die beste Cost-Income-Ratio (CIR) aufweisen, die ESG-Risiken besser managen und in ihr operatives Handeln integrieren sowie gleichzeitig stark in ihre IT-Infrastruktur investieren. Gleichzeitig hinterlassen COVID19-Krise und Brexit auch bei den Banken deutliche Spuren und erfordern zumindest kurzfristig eine Verschiebung des strategischen Fokus.

Bedingt durch die COVID19-Krise ist die Risikovorsorge zum zentralen Fokus der Banken geworden. Während diese zwischen 2016 und 2019 noch um rund ein Drittel sank, hat sie sich im Jahr 2020 mit 225 Prozent mehr als verdoppelt. Die höchsten Zuwächse verzeichnen dabei Österreich & Schweiz (+422 Prozent), Deutschland (+340 Prozent) sowie Großbritannien & Irland (+334 Prozent). Die Banken Italiens (+164 Prozent) und Spaniens (+158 Prozent) haben, von einem niedrigeren Niveau kommend, die geringsten Zuführungen zu verzeichnen und es stellt sich hier die Frage, ob die getroffen Vorsorgemaßnahmen ausreichen werden, um die Krise zu überstehen.

Auch die Bilanzen europäischer Banken haben sich durch die COVID19-Krise strukturell gewandelt. Die aggregierte Bilanzsumme europäischer Banken erhöhte sich im Jahr 2020 um 10 Prozent, während sie in den Jahren von 2016 bis 2019 durchschnittlich nur um 1,2 Prozent wuchs. Ursache der Bilanzausweitung ist die Steigerung der Liquiditätsreserven. Allein die größten Banken (Banken mit einer Bilanzsumme von über 500 Milliarden Euro) haben 2020 ihre Liquiditätsreserven im Vergleich zum Vorjahr um knapp 70 Prozent erhöht. Obwohl das Kreditvolumen in Europa insgesamt gestiegen ist, sank der Anteil der Kredite an der Bilanzsumme im Vergleich zu 2019 um knapp vier Prozent.

Und auch mit einer scheinbar überwundenen Krise verbleiben substanzielle Risiken im Markt. Restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben sich für Teile der Wirtschaft weit ins Jahr 2021 gezogen und neue sind weiterhin denkbar. So folgt der zeitweisen Aussetzung der Pflicht zum Insolvenzantrag bei Zahlungsunfähigkeit eine erhebliche Steigerung der erwarteten Insolvenzen von rund 63 Prozent. Dieses Risiko manifestiert sich vor allem im privaten Verbraucherbereich und trifft besonders jene Banken hart, die bei ihrer Transformation noch am Anfang stehen.  Aber auch die Herabstufung von Banken durch Ratingagenturen stellt sich mit Blick auf den deutschen Bankenmarkt als ein reales Problem dar. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat im Juni 2021 das Rating einiger deutscher Banken herabgestuft. Betroffen sind vor allem der genossenschaftliche und der öffentlich-rechtliche Bankensektor, was die anhaltenden Probleme der Sektoren hinsichtlich Profitabilität widerspiegelt. Die Gründe für die Herabstufung liegen dabei weniger in der schwachen Ertragsseite als vielmehr in der hohen Kostenseite.

Nichtsdestotrotz können viele Banken trotz der Krise und trotz des erheblichen Anstiegs der Risikovorsorge beachtenswerte Ergebnisse vorweisen, die einerseits auf das gute Umfeld für das Kapitalmarktgeschäft und andererseits auf regulatorische und geldpolitische Maßnahmen zurückzuführen sind.

Die deutschen Banken konnten erste Erfolge bei der Reduzierung ihrer Kosten erzielen, ohne gleichzeitig hohe Ertragseinbußen zu verzeichnen – demnach zeigen sich erste Transformationserfolge auf dem Weg zu mehr Effizienz und Steigerung der Profitabilität. Für die langfristige Zukunftsfähigkeit deutscher wie auch europäischer Banken muss aber auch das immer noch vorhandene Potenzial, insbesondere was die Erschließung neuer Ertragsquellen anbelangt, besser genutzt werden. Denn auch im Jahr 2020 fielen die Erträge der Banken europaweit weiter ab und setzten damit die seit 2015 bestehende Abwärtsspirale weiter fort. Aufgrund anhaltender Restrukturierungsprogramme sind hiervon vor allem auch die 25 größten Banken in Europa betroffen.  Die Ertragseinbußen spiegeln sich demzufolge auch in der Rentabilität der Banken wider. Die seit Jahren schwachen Eigenkapitalrenditen (RoE) haben sich im Jahr 2020 nochmals verschlechtert.

Investitionen in ESG und in die IT stellen einen Ausweg aus der Ertragsspirale dar. Banken mit keinem oder nur geringem ESG-Risiko (Risikoklassen 1 und 2) im Sustainalytics Rating haben in den letzten drei Jahren sowohl beim Nettozinsertrag als auch bei den Provisionserträgen besser abgeschnitten als der Durchschnitt. Während im Markt der Nettozinsertrag um 4,9 Prozent zurückging, ist bei Banken der Klasse 1 ein Anstieg von 0,6 Prozent zu erkennen. In Klasse 2 ging der Ertrag um lediglich 1,5 Prozent zurück. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch hinsichtlich des Provisionsertrags: Während der Markt bei den Provisionen einen Rückgang von zwei Prozent verzeichnet, konnten Banken der Klasse 1 im gleichen Zeitraum ihre Provisionserträge um 7,9 Prozent steigern und auch bei jenen der Klasse 2 verringerten sie sich um nur 0,5 Prozent.

Daher lautet unser Fazit: Transformation ist der Schlüssel zu nachhaltiger Effizienz. Die Performer unter den Banken sind diejenigen, die früh und konsequent reagiert und ihren Wettbewerbsvorsprung durch massive Investitionen in die Modernisierung von Prozessen und Systemen ausgebaut haben und ESG-Faktoren in ihr operatives Handeln integrieren. Die Laggards unter den Banken, die nach wie vor nur auf Sparprogramme setzen, haben dagegen die gesteckten Ziele nicht erreicht.

Die klare Botschaft an die Banken lautet: Mehr ESG wagen, stärker in die IT investieren und den Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie Robotic Process Automation forcieren. Damit gelingt es, Prozesse effizient zu gestalten, zu automatisieren und vermehrt Standardsoftware als Cloudlösung zu implementieren, um Change-the-Bank Kosten langfristig auf niedrigem Niveau zu halten.

Aus unserer Sicht sollten Banken den NEW-Ansatz (Nachhaltigkeit, Effizienz, Wachstum) verfolgen, damit der Transformationsprozess zu einer nachhaltig profitablen Bank gelingt.

Die Aussagen basieren auf unserer Studie “Europe’s banks are on the road to recovery with the shift to efficiency and sustainability”. In dieser Studie haben wir die Jahresabschlüsse von 123 europäischen Banken, die für den Zeitraum von 2013 bis 2020 erfasst wurden und unter Aufsicht der EZB oder den nationalen Aufsichtsbehörden stehen, analysiert. Das Datenset umfasst über 70 Prozent der aggregierten Bilanzsumme aller monetären Finanzinstitute in der Europäischen Union. Für das Thema ESG wurde auf externe Bewertungen von unabhängigen Ratingagenturen zurückgegriffen.

Die Studie steht zum Download unter https://www.bearingpoint.com/de-de/unser-erfolg/insights/europes_banks_are_on_the_road_to_recovery/ bereit.