Die Zukunftserwartungen trüben sich ein

Interview mit Dr. Katrin Leonhardt

Interview mit Dr. Katrin Leonhardt, Vorsitzende des Vorstands der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank – (SAB)

Die geopolitische Lage, steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe belasten die sächsischen Unternehmen. Bei der Förderung und Beratung wird die SAB kundenfreundlicher und arbeitet verstärkt mit Banken zusammen.   

Wie schätzen Sie die langfristigen Folgen des Ukraine-Kriegs auf die deutsche und speziell sächsische Wirtschaft ein?

Der Angriffskrieg in der Ukraine mit den beschlossenen Sanktionen gegen Russland haben Auswirkungen auf die Wachstumsaussichten unserer Wirtschaft. Die geopolitische Lage, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie die Störungen in den Lieferketten belasten die Unternehmen. Betroffen hiervon ist beispielsweise die Automobilindustrie in Sachsen, da Schlüsselbauteile aus der Ukraine kommen. Aktuell ist die Lage noch verkraftbar, aber die Zukunftserwartungen trüben sich deutlich ein.

Wie reagiert Ihre Bank auf die Folgen des Krieges?

Die aktuellen KfW-Kreditprogramme bieten für die vom Ukraine-Krieg betroffenen Firmen wichtige Unterstützungsmöglichkeiten. Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten können zudem unser Beratungszentrum Konsolidierung (BZK) kontaktieren. Wir unterstützen bei der Erstellung von Konzepten und stehen mit Restrukturierungs- und Umstrukturierungsdarlehen zur Verfügung.

Inwieweit werden ihre speziellen Förderprogramme für die Abfederung der Kriegsfolgen nachgefragt?

Wir führen viele Gespräche mit den Unternehmerinnen und Unternehmern im Freistaat. Der Beratungsbedarf hat deutlich zugenommen. Bislang haben wir noch keine Umstrukturierungsdarlehen gewährt. Wir stehen mit unserem Angebot weiter bereit.

Seit Ihrem Start an der Spitze haben Sie die Sächsische Aufbaubank in Richtung einer modernen und Kunden orientierten Förderbank umgebaut. Was haben Sie bisher dabei erreicht? Und hat sich dabei eine neue New-Work-Kultur entwickelt?

Erste spürbare Umsetzungsschritte sind in unserem neuen Kreditkonzept sowie der digitalen Anbindung der SAB an die Hausbanken sichtbar. Im Zuge der konsequenten Vereinfachung, Standardisierung und Digitalisierung der SAB haben und werden wir unser Förderportal für die kundenfreundliche digitale Antragstellung und anschließende Folgeprozesse weiter ausbauen. Jedes neue Förderprogramm der neuen EU-Strukturfondsförderperiode kann bei uns digital beantragt und abgerechnet werden.

Mit unserem neu etablierten Bereich Unternehmensentwicklung und einer expliziten Abteilung Kundenmanagement entwickeln wir bedarfsgerechte Finanzierungslösungen und bieten für unseren Kundinnen und Kunden größeren Nutzen durch mehr Präsenz und gute Beratung.

Die neue New-Work-Kultur ist vielfach spürbar. Neben dem seit zwei Jahren intensivem Strategie- und Transformationsprozess mit einem Chief Transformation Office und einem aus allen Ebenen zusammen gesetzten Strategiekreis befördern unsere Agil Coaches sowie der SAB-Neubau in Leipzig mit seinen modernen und offenen Büroflächen diese New Work Kultur.

Erst jüngst haben wir das innovative Ideenlabor InnoLab zur Weiterentwicklung unserer Produkte, Prozesse und der Zusammenarbeit eröffnet. Die 300 qm große Kommunikationsfläche fördert den offenen, interdisziplinären Informationsaustausch und die kreative Zusammenarbeit unter unseren Beschäftigten sowie mit unseren Partnern und Kunden.

Inwieweit ist es Ihnen bisher gelungen, das Darlehensgeschäft in Kooperation mit Banken auszubauen?

Mit Blick auf die Neugeschäftsstatistik der SAB in 2021 fällt eine deutliche Steigerung des Darlehnsgeschäfts auf. Der Anteil unseres Neugeschäfts konnte bereits auf 30 Prozent Darlehen gesteigert werden. Und das Zuschussgeschäft ist nicht weniger geworden, sondern wir haben mehr Darlehensgeschäft gemacht. Ein Weg, den wir konsequent weiter beschreiten werden. Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft sowie der Strukturwandel in den Kohleregionen und in vielen Branchen in Sachsen neben dem Umbau der Energieversorgung bringen erhebliche Finanzierungsbedarfe mit sich. Hier werden wir gemeinsam mit den Kreditinstituten in Sachsen eine wichtige Rolle spielen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, um die digitale und nachhaltige Transformation der sächsischen Unternehmen zu fördern?

In unserer Rolle als Förder- und Finanzierungspartner können wir den Weg der dualen Transformation der sächsischen Wirtschaft maßgeblich mitgestalten. Mit vielen Förderprogrammen insbesondere aus EU- und Landesmitteln haben wir bereits wichtige Akzente gesetzt. Das Thema Nachhaltigkeit wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Wichtig ist uns auch der enge Austausch mit den Unternehmerinnen und Unternehmern. In unserer neuen Veranstaltungsreihe SAB-DIALOG ging es am 5. Mai um die digitale Transformation, am 9. November steht das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda.

Die Fragen stellte Sabine Haupt