Die Zukunft ist Beyond Banking

Die Zukunft ist Beyond Banking

Wie ist der Prozess gestartet? Welche Ziele wurden vorab definiert?

Cyrosch Kalateh: Tink und Degussa sind sich einander schon lange bekannt – und wir haben schon immer die Aktivitäten des jeweils anderen beobachtet. Als die Idee zu placons konkret wurde, kam Stefan Zörner auf uns zu, weil wir diesbezüglich über die größte Erfahrung am Markt verfügen. Unsere gemeinsame Ambition war es, ein Projekt umzusetzen, dass die Potentiale von Open Banking weiter auszuschöpft, als Enabler an der Schnittstelle zum Kunden agiert und einen Schritt weitergeht – Beyond Banking, sozusagen.

Stefan Zörner: Indem wir als Plattform für Connected Services in unterschiedlichen Themenfeldern für einzelne User relevante Services miteinander verbinden, haben wir eine potentiell sehr große Zielgruppe. placons hat deshalb das ambitionierte Ziel, Alltagsbegleiter für Millennials und jüngere Menschen zu werden. Wir fokussieren uns zunächst auf das Userwachstum und die Erweiterung unserer relevanten digitalen smart Services, die sicherlich auch Services aus dem Umfeld unseres Mutterkonzerns der Degussa Gruppe beinhalten wird.

Welchen Herausforderungen sieht man sich ausgesetzt, wenn man auf Open Banking verzichten möchte?
SZ:
Open Banking öffnet regulierte Märkte und schafft Platz für sogenannte Smart Services, innovative Produkte bis hin zu (Finanz-)Marktplätzen. Eine wichtige Basis, um neue Kundengruppen mit individuellen Services zu erreichen, neue Kommunikationsanlässe sowie Serviceerlebnisse zu schaffen und hierbei auch die klassischen Servicefelder des Bankings zu verlassen.

CK: Open Banking hat die komplette Industrie revolutioniert, da sie Banking für die Endverbraucher greifbar macht. Open Banking nimmt das, was im High-End-Finanzbereich verfügbar ist, und bringt es der breiten Masse. Nehmen sie placons. Die Services umfassen eine Verknüpfung von Finanzen, persönlichen monetären Zielen, Shopping und einen Content-Hub.

Kunden sind global anspruchsvoller geworden. Sie fordern digitale, einfache, schnelle und auf sie zugeschnittene Services. Banken müssen sich an dieser Stelle mit Open Banking befassen, da sie den gestellten Anforderungen der Kunden sonst gar nicht gerecht werden können.

Welche Potenziale lässt man eurer Meinung nach auf der Straße liegen, wenn man Open Banking nicht nutzt?
SZ:
Open Banking ermöglicht uns Finanzservices, um Alltagserleichterung zu erweitern und fester Bestandteil des Lebens der Kunden werden. Wir können unseren Nutzern jederzeit aktuelle Informationen auf Basis von beispielsweise Finanzdaten anbieten und ihnen mit individuell erlebten, digitalen Services unterstützen und begleiten. Somit kann die Relevanz als Partner des Nutzers immens gesteigert und eine viel intensivere Kommunikation erfolgen. Diese zusätzlichen Kommunikationsanlässe bleiben ohne Open Banking sicherlich ungenutzt.

CK: Um die Rentabilität aufrechtzuerhalten, müssen Banken nicht nur Kosten senken und die Markteinführung beschleunigen. Open Banking ist die Chance dafür. Indem sie Teil eines offenen Ökosystems sind, können Banken ihre Plattformen als Enabler positionieren. Um dies zu erreichen, müssen sie offen, skalierbar, zugänglich und vielseitig genug sein, um Services zu kombinieren. Außerdem müssen sie über Monitoring-Funktionen verfügen, um Entscheidungsprozesse der Kund*innen besser unterstützen zu können.

Inzwischen arbeiten alle großen Banken mit Open-Banking Spezialisten zusammen um das Produkt- und Service-Management zu optimieren. Sie können so Zugang zu breiteren Marketingmöglichkeiten erhalten und neue Produkte und Dienstleistungen ohne langwierige und teure F&E-Prozessen einfach in ihren bestehenden Katalog aufnehmen, um den besten Service für ihre Kunden zu bieten. Diese neuen Produkte und Dienstleistungen können schnell auf den Markt gebracht werden und machen Anbieter anpassungsfähiger an die neuesten Bedürfnisse der Verbraucher.

Finanzinstitute können mit Hilfe von Open Banking schnell die Attraktivität von Möglichkeiten einschätzen, neue Produkte einzuführen und erfolgreiche Produkte skalieren. Auf diese Weise erhöhen sie die Geschwindigkeit immens, reduzieren die Gesamtbetriebskosten, erschließen neue Umsätze und senken letztlich das Verhältnis von Kosten und Ertrag.

Wie entscheidet man über gewünschte Features und deren Prioritäten?

SZ: Produktideen entwickeln sich auf Basis von Kundenbedürfnissen. Diese erkennen wir durch klassische Marktbeobachtung, Nutzernterviews und A/B-Testings. Aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit, die Cyrosch Kalateh gerade angesprochen hat, können wir Dinge auch einfach mal ausprobieren und in direkte Feedbackschleifen mit unseren Nutzern gehen.

CK: Es geht um eine ständige  Verbesserung der Kundenerfahrungen. Genau hier  müssen Innovationen stattfinden – das müssen dann nicht immer gleich komplexe Initiativen sein, sondern müssen die Customer Journey verbessern. Wir haben inzwischen eine Menge Wissen und Erfahrungen, die wir hier einbringen. Das wird uns helfen, die Entwicklung voranzutreiben, insbesondere in Bezug auf datengestützte Erkenntnisse, Datendienste und gesamteuropäische Konnektivität.

Wie hat das eigene interne Entwicklerteam den Schritt der Zusammenarbeit angenommen, durchgeführt und umgesetzt?
SZ:  Unser placons Team hatte von Beginn an Spaß an der Umsetzung. Unser Development und UX Teams haben die Herausforderung angenommen und sich an die Basis Requirements Definition gemacht. Selbstverständlich arbeitet das Team im agilen Scrum-Modus. Die Umsetzungen selbst erfolgte in diversen Sprints. Das gesamte Team hat hier aber seinen Beitrag geleistet, immer wieder getestet und Feedback gegeben.

Wie wird die App bislang von den Kunden im Betatest angenommen?
SZ: Das Feedback in der sogennanten Family- & Friends-Phase war positiv. Wir haben sowohl technische Anpassungen vornehmen können als auch Ideen für weitere Services und UXP erhalten, die wir umsetzt haben und umsetzen werden.

CK: Das liegt an dem innovativen Ansatz, den wir hier verfolgen. Wir bieten hier Erlebnisse an, die nicht unbedingt mit Finanzen zu tun haben, aber jeder finanzielle Aspekt des Erlebnisses ist in ihren Ablauf eingebettet, was bedeutet, dass wir in der Lage sind, Finanzdienstleistungen anzubieten, ohne ein Finanzdienstleister zu sein. Und davon profitiert am Ende der Kunde.

Wie misst ihr den Erfolg mit eurer App?
SZ: Zu Beginn ist uns wichtig, dass die Nutzerunsere App herunterladen und Spaß sowie Interesse daran haben, in den diversen Themenbereichen von Multibanking über Lifestyle bis hin zu Content und Health für Sie relevante Services zu finden, zu erleben und zu erweitern. Wichtig ist uns, dass wir ein Alltagsbegleiter für unsere Nutzer werden – wir bewusst Beyond Finance denken und die User erleben lassen wollen. Der Nutzer soll immer wieder gerne zu uns in unsere placons Welt kommen.
Somit interessieren uns sicherlich auch Quoten zu Wiederkehrern, zur Nutzungsdauer zum Kundenverhalten sowie zur Nutzungsintensität unserer vielfältigen Services.

CK: Was Stefan Zörner sagt, ist entscheidend. Bewusst Beyond Banking! Ob es darum geht, ein Konto schneller zu eröffnen, alle Konten an einem Ort zu sehen, Geld an einen Freund zu schicken, seine Ausgaben zu verwalten, einen Kredit zu erhalten, seine Ersparnisse anzulegen oder sich von einem echten Menschen beraten zu lassen – es ist jetzt einfacher. Das ermöglicht es auch endlich, dass Bankgeschäfte mit den anderen Bereichen des Lebens zusammenarbeiten, so dass Nutzer ohne Bank arbeiten können.

Was ist in Zukunft geplant?
SZ: Der Ausbau weiterer Services – beispielsweise im Bereich Health, Payments und Gamification. Der Nutzer steht stets im Mittelpunkt: Wir werden perspektivisch verstärkt auf intelligente und lernende Servicemodelle setzen, die noch spezifischer die Interessen und Bedürfnisse unserer Nutzer berücksichtigen und somit auch ein Trigger für die Entwicklung bzw. Modifikation neuer Services sein werden.  Wie sie sehen haben wir uns bereits einiges mehr vorgenommen.

CK: Beyond Banking ermöglicht es auch Nicht-Finanzunternehmen, sich zu Verkäufern oder Anbietern auf mehreren Märkten zu entwickeln. Dadurch wird die Position, die die Geschäftsbanken in der Vergangenheit innehatten, in Frage gestellt. In gewissem Sinne ist dies eine Bedrohung, aber auch eine Chance für diejenigen, die bereit sind, den Wandel anzunehmen und sich entsprechend anzupassen.

Wir steuern möglicherweise auf eine Zukunft zu, in der Beyond Banking einfach etwas ist, das jede Bank haben muss. Und in diesem Fall wird die Differenzierung zur Herausforderung. Um diese zu bewältigen, müssen die Banken jedoch einen vorausschauenden Ansatz verfolgen. Anstatt sich in die Defensive zu begeben, können Finanzinstitute proaktiv Partnerschaften mit Dienstleistern eingehen oder daran arbeiten, weitere Lösungen in bestehende Netzwerke einzubinden. Auf diese Weise können die Banken der Zeit voraus sein, unerschlossene Bereiche des Marktes erreichen und eine entscheidende Rolle in der Zukunft des eingebetteten Finanzwesens spielen.

Wie bereitet man sich auf die Gen Z, die Kunden der Zukunft, vor? Ticken die anders?
SZ: Unsere Nutzer sind sicher mobil affiner und erwarten schnelle und umfassende Kommunikationen, die für sie persönlich relevant sind. Hierauf richten wir bewusst unsere Services aus. Nachhaltigkeit und Gesundheit sind bisher Themenfelder, die vielen Menschen – und auch dem Team placons – wichtig sind. Diese Bereiche werden wir ausbauen.

CK: Ich denke, dass wir da auf einem guten Weg sind, da ja gerade Gen Z und Millennials großes Vertrauen in Fintechs haben. Und zwar genau aus den Gründen die wir hier besprochen haben. Wir versuchen den Endkunden in den Fokus zu rücken und die Customer Journey so reibungslos wie möglich werden zu lassen. Und wir schaffen das durch einen Wert, der diesen Generationen besonders wichtig ist: ein hohes Maß an Transparenz. Die technischen Möglichkeiten und die Anforderungen, die die Gen Z an Angebote hat, führen genau zu Beyond Banking. Die spannende Frage ist: Wohin führt uns das noch?

 

Über Dr. Cyrosch Kalateh

Dr. Cyrosch Kalateh ist Regional Director DACH bei Tink, Europas führender Open-Banking-Plattform. Zuvor war Dr. Kalateh als Vice President Partnerships bei auxmoney Teil des dortigen Management Teams.

Über Tink

Tink ist Europas führende offene Bankenplattform. Tink ermöglicht es Banken, Fintechs und Start-ups datengestützte Finanzdienstleistungen zu entwickeln. Kunden greifen über die zentrale Tink API auf aggregierte Finanzdaten zu, veranlassen Zahlungen, fügen Transaktionen Informationen bei und bauen persönliche Finanzmanagement-Tools auf. Tink integriert mehr als 2.500 Banken, die über 250 Millionen Bankkunden in ganz Europa erreichen. Tink wurde 2012 in Stockholm gegründet und beschäftigt 270 Mitarbeiter*innen, die von 13 Niederlassungen aus 14 europäische Märkte bedienen.